Carnuntum - Österreichs Römische Kaiserstadt

Carnuntium - Peter Lachnit
Carnuntium - Peter Lachnit
Der archäologische Park Carnuntum-Petronell ist weltweit einmalig. Die wesentlichen Architekturtypen eines römischen Stadtviertels wurden rekonstruiert.

Die Niederösterreichische Landesausstellung 2011 unter dem Titel "Erobern-Entdecken-Erleben" präsentiert auf den drei Standorten Petronell-Carnuntum, Bad Deutsch-Altenburg und Hainburg Einblick in eine historisch für Europa prägende Zeit. Am 11. November 308 nach Christus entschieden drei römische Kaiser über die Zukunft des römischen Imperiums. Die Ergebnisse dieser Kaiserkonferenz waren mitverantwortlich für den Siegeszug des Christentums und somit der abendländischen Kultur. Diese Konferenz fand in Carnuntum statt. Hadrian, Marc Aurel und Septimius Severus - sie prägten auch Carnuntum.

Die wiedergeborene Stadt der Kaiser

In Carnuntum wurde weltweit einzigartig ein römisches Stadtviertel im historischen Kontext aufgrund der archäologischen Funde rekonstruiert. Das heutige Petronell-Carnuntum liegt zwanzig Autominuten von Wien entfernt. Wien (Vindobona) war zur Römerzeit ebenfalls eine besondere Legionärsstadt, aber Carnuntum war die Drehscheibe der Politik. Für die Zeugnisse dieser großen Vergangenheit wurde bereits vor etwas mehr als einhundert Jahren ein Schatzhaus errichtet - das Museum Carnuntium in Bad Deutsch-Altenburg. Österreichs größtes und wohl auch schönstes Römermuseum. Im Stil einer römischen Landvilla erbaut, bildet das Haus den eleganten Rahmen für die Kostbarkeiten aus über 400 Jahren römischen Lebens in Carnuntum.

Die Bauten der Bevölkerung

Das sogenannte "Haus des Lucius" war das erste Objekt, das in Carnuntum mit den Mitteln der experimentellen Archäologie funktionstüchtig am Originalstandort wiedererrichtet wurde. Den Namen erhielt das Haus aufgrund einer Inschrift, die bei früheren archäologischen Untersuchungen vor Ort gefunden wurde. Das Haus zeigt sehr gut den Lebensstandard der römischen Mittelschicht. Carnuntum war als Handelsknotenpunkt am Schnittpunkt der Bernsteinstraße und Limes ein wichtiger Umschlagplatz für Waren aller Art. Die "Villa Urbana" war ein prächtiges Stadtpalais und zeigt in eindrucksvoller Weise den Lebensstil der Carnuntiner Oberschicht. Schon der von Säulen flankierte Treppenaufgang zum Hauptportal zeugt vom Status und Selbstbewusstsein des einstigen Besitzers. Die rekonstruierte Fläche beträgt rund 600 Quadratmeter.

Römische Therme

Der Besuch der "Thermae" war ein fester Bestandteil der römischen Lebenskultur. Um auf den Luxus der Stadt Rom nicht verzichten zu müssen, errichteten die Römer auch in Carnuntum öffentliche Badeanlagen. Hier bedeckt die Therme eine Fläche von rund 1.500 Quadratmeter, für den Bau wurden etwa 1.200 Kubikmeter Steinmauerwerk verbaut. Die größte Herausforderung war bei der Rekonstruktion das römische Heizsystem. Auch die Rekonstruktion der Wasserversorgung war ziemlich aufwändig. Es gab zwar zahlreiche zeitgenössische Beschreibungen der Funktion, aber kaum Originalfunde aus der Antike. Bei der Ausführung betrat man daher völliges Neuland. Das Ergebnis ist die bislang weltweit einzige römische Therme, die voll funktionsfähig am Originalstandort in antiker Bautechnik errichtet wurde.

Infos: Niederösterreichische Landesausstellung 2011 - 16. April bis 15. November 2011

Quelle: Archäologischer Park Carnuntum

Peter Lachnit , Peter Lachnit

Peter Lachnit - Geboren 1959 in Klosterneuburg (Niederösterreich). Seit 1981 journalistisch tätig. Studium der katholischen Theologie ...

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