
- Caro Ramsay - Sein eigen Fleisch und Blut Cove - Blanvalet Verlag
Caro Ramsays Krimis spielen alle in Glasgow. Ihre Protagonisten sind die Polizisten der Wache Partickhill. Deren Ermittlungsarbeit steht im Mittelpunkt der Krimireihe. Drei Bücher der Reihe sind in England schon erschienen, die Autorin arbeitet am vierten. Bei uns ist bei Blanvalet nach „Ich habe gesündigt“ (2008) erst das zweite Buch erschienen. „Sein eigen Fleisch und Blut“ heißt der gelungene Krimi etwas merkwürdig auf Deutsch, der Originaltitel „Singing to the Dead“ trifft den Inhalt besser.
„Sein eigen Fleisch und Blut“: Kindesentführungen, Giftmorde und Kompetenzgerangel
Kurz vor Weihnachten ist die unterbesetzte Polizeiwache mit zwei schwierigen Fällen beschäftigt. Zwei Kinder sind entführt worden und ein Brand entpuppt sich als Teil einer Giftmordserie. Zu allem Überfluss weilt auch noch ein berühmter Rockstar in der Stadt, für dessen Schutz gesorgt werden muss. Interne Querelen und private Probleme belasten die Ermittlungsarbeiten zusätzlich. Kollege Littlewood scheint von Polizeichefin Quinn einen Geheimauftrag bekommen zu haben, der ehrgeizige Mulholland will Sergeant Costello ausbooten. Inspektor Andersons Entführungsfälle sind ein Wettrennen gegen die Zeit. Und dann verschwindet auch sein eigener Sohn.
„Sein eigen Fleisch und Blut“: Komplexes Netz aus Personen und Handlungssträngen
Caro Ramsay knüpft in „Sein eigen Fleisch und Blut“ ein komplexes Netz aus Handlungssträngen und Charakteren, die sie äußerst geschickt im Finale zusammenführt. Vor dem logischen und trotzdem überraschenden Ende steht für die Ermittler und Leser Denkarbeit. „Sein eigen Fleisch und Blut“ ist keine Lektüre für nebenbei, es gibt viele Haupt- und Nebenpersonen und Handlungsstränge. Hauptfiguren des Krimis sind die Beamten der Wache und ihre privaten Probleme. Auch, wer das erste Buch der Reihe nicht kennt, kommt gut mit. Die Autorin geht ausführlich auf den Background der Figuren ein, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Daneben gibt es jede Menge Nebenfiguren, aus deren Perspektive Momentaufnahmen geschildert werden. Ramsay erklärt sie nicht, der Leser versteht ihre Bedeutung erst mit fortschreitender Handlung.
„Sein eigen Fleisch und Blut“: Charakterorientiert
Die Charaktere und die Ermittlungsarbeit stehen im Vordergrund, die Spannung entwickelt sich proportional dazu. Caro Ramsay schürt die Spannung nicht künstlich mit dramaturgischen Tricks. Sie verzichtet auf die Schilderung grausiger Details und zaubert keine ausgefallenen Wendungen aus dem Ärmel. Die Handlung bleibt immer realistisch, ebenso wie die Charaktere. Ramsay zeichnet keine Stereotype. Es gibt keine genialen Masterminds oder Super-Bösewichter, aber viele zwiespältige Charaktere. Die Handlung bleibt unvorhersehbar, bis kurz vor Schluss muss der Leser raten, wer der Täter ist.
„Sein eigen Fleisch und Blut“: Realistisch, rätselhaft und anspruchsvoll
Selten gibt es Krimis, die einen mit ihrer Auflösung überraschen und dabei trotzdem realistisch bleiben. Caro Ramsay gelingt das Kunststück mit „Sein eigen Fleisch und Blut“. Die Autorin setzt auf Charakteren und Psychologie statt auf Action und Exotik und überzeugt mit Realismus. Das winterlich trübe Glasgow sorgt für die passende atmosphärische Kulisse der Handlung. Ramsay jongliert mit vielen Handlungen und Personen und verknüpft sie virtuos. Sein „eigen Fleisch und Blut“ ist ein intelligenter Krimi, der aus der Masse heraussticht. Bleibt zu hoffen, dass auch Caro Ramsays nächste Krimis das Niveau halten und bald auf Deutsch erscheinen werden!
Caro Ramsay. Sein eigen Fleisch und Blut. Blanvalet. Juni 2011. Paperback. 480 S. 14,99 €
