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Castro Marim, lebendiges Mittelalter am Ostrand der Algarve

Algarve, Castro Marim, Dias Medievais - Bernd Keiner
Algarve, Castro Marim, Dias Medievais - Bernd Keiner
Algarve, Portugals sonniger Süden, assoziiert jeder mit Sonne, Meer und Strand. Hier am Grenzfluss Guadiana steht eine der bedeutendsten Burgen des Landes.

Die kleine alte Stadt im Schatten der trutzigen Burgmauern hat sich an diesem letzten Augustwochenende festlich herausgeputzt, um für ein paar Tage die glorreiche Vergangenheit des ausgehenden Mittelalters zu zelebrieren. Bunte Fahnen, Banner und Standarten schmücken die Fassaden von weißen, kubischen Häusern. Die schwarzen schmiedeeisernen Balkone zieren schlichte Gobelins mit heraldischen Motiven. Mittelalterliche Melodien von Zimbeln, Lauten und Harfen schallen durch die Gassen, wo sich allerlei Volk um Schaubuden und Marktstände drängelt und die feil gebotenen exotischen Waren begutachtet. Oben auf dem flachen Hügel, im Areal der ehemaligen Templerburg, flattern knatternd Fahnen und Wimpel in Wind, verbreitet sich ein Duft-Potpourri aus gegrillten Würsten, Schweinelenden, mediterranen Kräutern, Stockfisch, Holzkohle, Staub, in Olivenöl gebackene Teigwaren und getrockneten Kraken. Letztere verbreiten einen üblen Geruch, werden aber vom einheimischen Publikum mit sichtbarem Genuss verspeist.

Castro Marim, einst wichtigster römischer Handelshafen in Südportugal

Und während wackere Knappen noch den Turnierplatz wässern, Lanzen und Schilde ordnen, genießt man die Gunst der Stunde und blickt von den Wällen über die Salinen und weiten Marschebenen des Guadiana, der die Grenze zwischen Portugal und Spanien bildet. Kaum verstellbar, aber Castro Marim lag einst direkt am Meer und war in der Antike ein bedeutender Schutzhafen und Warenumschlagplatz für Phönizier und Römer. Über den Fluss wurden Kupfer, Pyrit, Eisenerz und Mangan aus den Stollen von Mértola transportiert. Später bemächtigten sich Mauren und Berber der Stadt. Im Zuge der Reconquista wird 1242 von Heerführer Don Paio Peres Correira und seinen Truppen das Gebiet zurückerobert.

Die Christusritter etablieren sich an der Algarve

Unter der Regide von König Dinis wird das „Castelo de Castro Marim“ zu einem der strategisch wichtigsten Bollwerke gegen die Mauren umgebaut, deren Herrschaftsgebiet sich auf der anderen Seite des Guadiana erstreckte. Bis 1356 diente die Feste den Nachfolgern der Templer, dem Orden der Christusritter als Stammsitz. Zwar wurde im 15. und 16. Jahrhundert die Burganlage verstärkt, um auch Kanonenbeschuss standzuhalten, doch die Zeit ihren eigentlichen strategische Bedeutung war vorbei. Stadt, Burg und Region versanken allmählich in wirtschaftliche Bedeutungslosigkeit. Mit dem aufkommenden Tourismus Mitte der 1970er Jahre erhob sich Castro Marim wie ein Phönix aus der Asche der Resignation und bietet mit den populären „Dias Medievais“ pralle mittelalterliche Lebensfreude, die seit zwölf Jahren Besucher aus aller Welt anlockt.

Dias Medievais, mittelalterliche Festtage in Castro Marim

Wenn um 18:00 Uhr die Schatten länger und das grelle Sonnenlicht weicher werden, künden Fanfaren, Trommelwirbel, Piccoloflöten und Kesselpauken den Einzug von Gauklern, Troubadouren, Feuerschluckern, Fahnenschwenkern und Rittersleuten an. Unter gestreiften Baldachinen und offenen Zelten hocken gestandene Männer und Frauen in mittelalterlichen Gewändern und flechten Körbe, spinnen Wolle, backen Brot oder keltern süße rote Trauben. Waffen- und Hufschmiede, Sattler, Töpfer und Spitzenklöppler demonstrieren alte traditionelle Handwerkskunst. Bretonische Flötisten wetteifern mit baskischen Dudelsackbläsern. Italienische Landjunker kreuzen die Schwerter mit spanischen Granden. Babylonisches Sprachgewirr bei Akteuren und Besuchern.

Folklore-Festival in einer der schönsten Burgen der Algarve

Die Veranstalter sind zwar sehr um Authentizität bemüht, es überwiegt aber der fröhliche kommerzielle Volksfest-Charakter und die Lust am Schmausen, Völlen und Zechen. Bezahlt wird mit „Reales“, die jeder Besucher in einer Wechselstube am Burgeingang eintauschen kann. Auf den Bühnen vor Burgkapelle und Zitadelle tanzen marokkanische und ägyptische Folklore-Gruppen, reißen Narren und Harlekine Possen über Publikum, Politiker und Prominente, präsentieren Falkner ihre edlen Vögel, lobpreisen Quacksalber ihre Heilmittel und Tinkturen. Abendliche Höhepunkte sind die Lanzenreiter auf dem von Fackeln illuminiertem Turnierplatz. Das mittelalterliche Spektakel kulminiert Sonntagnacht mit einem fantastischen Feuerwerk und der Apotheosis aller beteiligten Gruppen. Informationen unter cm-castromarim.pt

Quellen: Castro Marim Municipality, East Algarve Promotion Bureau, eigene Recherche bei den Dias Medievais

Bernd Keiner, Reisejournalist; Fotograf und Filmem, Reiner Pohl

Bernd Keiner - Bernd Keiner, geboren in Wuppertal, Sternzeichen Schütze, ist Abenteurer und Globetrotter aus Leidenschaft. Nach abgeschlossenem ...

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