
- Alera - Geliebter Feind - Piper Fantasy
Mit gerade einmal 17 Jahren veröffentlichte Cayla Kluver ihren Debütroman „Alera – Geliebter Feind“, den Auftakt einer historisch anmutenden Fantasy-Trilogie, für den sie einige Preise einheimste. Und genau so alt ist auch die Protagonistin, die nicht bloss mit den Problemen einer jungen Frau, sondern zusätzlich mit den Pflichten einer Kronprinzessin in einem von Krieg bedrohten Land zu kämpfen hat.
Alera – eine Prinzessin zwischen Pflicht und Liebe
Nach Jahrzehnten des Krieges endet ziehen sich die feindlichen Cokyrier eines Tages unvermittelt aus Hytanica zurück. Von den 49 Säuglingen, die sie geraubt hatten, werden 48 Leichen zurückgebracht. Zum Ende dieses Krieges wurde Alera geboren, die Kronprinzessin Hytanicas. Sie hat das Glück, im lang ersehnten Frieden zu einer jungen Frau heranzuwachsen. Doch kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag wird vor ihren Augen eine Spionin aus Cokyri gefangengenommen und das Land steht einer erneuten Bedrohung durch das feindliche Reich gegenüber. Umso wichtiger ist es, dass Alera an ihrem achtzehnten Geburtstag traditionsgemäss heiratet und ihr Ehemann den Thron besteigt, denn sie als Frau kann selbst nicht regieren. Den Mann, den ihr Vater für diese Stellung ins Auge gefasst hat, ist allerdings ganz und gar nicht nach ihrem Geschmack und als auch noch der gutaussehende Naran auftaucht, befindet sie sich vollends zwischen den Fronten. Denn Narian wuchs im Land des Feindes auf und niemand weiss, ob er nun Freund oder Feind ist.
Eine zögerliche Romanze aus Aleras Sicht
Wie der Titel bereits erahnen lässt, spielt die Liebe eine nicht unwesentliche Rolle in diesem Roman. Während Alera dem von ihrem Vater als zukünftigen Gatten ausgewählten Lord Steldor lediglich Abscheu entgegenbringt, wächst ihre Zuneigung zum rätselhaften Narian. Hierbei kommen die wirren Gefühle der Protagonistin durch die Ich-Perspektive gut zur Geltung. Zeitweise wirkt sie zwar sehr naiv, unter Anbetracht des Alters erscheint dies aber durchaus authentisch. Die Liebe zu Narian ist zudem nicht zu kitschig, sondern zögerlich und glaubhaft dargestellt.
Die meisten anderen Charaktere wirken hingegen eher eintönig und plump. Insbesondere Lord Steldor ist geradezu grotesk überheblich und eingebildet und es fällt schwer zu glauben, dass dies einzig Alera auffällt, während alle anderen den gutaussehenden Schnösel anhimmeln. Eine Ausnahme hierbei stellt London, Aleras Leibwächter dar. Bis zuletzt bleibt er geheimnisvoll und undurchschaubar. Fast mehr noch als es bei Narian der Fall ist, weiss der Leser nicht so richtig, ob ihm zu trauen ist oder nicht. Das abrupte Ende lässt zudem keine Zweifel daran, dass es sich hierbei um den Auftakt einer Trilogie handelt. Bis auf Aleras Entscheidung in Sachen Liebe bleibt somit auch alles offen.
Viele Details, wenig Fantasy
Was bei „Alera – Geliebter Feind“ schnell ins Auge fällt, sind die zahlreichen Details. Anfangs wirken diese noch belebend und informativ, doch spätestens bei der dritten haargenauen Beschreibung der höfischen Kleidung- und Schmuckstücke wird es einfach zu viel der Details. Und insbesondere als die Geschichte einmal richtig an Fahrt aufgenommen hat, wirken sie nur noch störend, denn die Story wäre gar nicht schlecht und auch am Schreibstil der jungen Autorin ist nichts auszusetzen.
Obwohl „Alera – Geliebter Feind“ als Fantasy-Roman angekündigt wurde, wird von den Namen und einer relativ spät auftauchenden Prophezeiung abgesehen, weitgehend auf dem Genre entsprechende Elemente verzichtet. Die Geschichte wirkt vielmehr wie eine märchenhafte historische Erzählung. Selbst Weihnachten wird gefeiert, was in diesem Zusammenhang doch sehr befremdend wirkt.
Die Autorin: Cayla Kluver
Wie die Protagonistin war auch die Autorin gerade einmal siebzehn Jahre alt als „Alera – Geliebter Feind“ veröffentlicht wurde. Als sie die ersten Zeilen dazu schrieb gar erst vierzehn. Obwohl bei einigen Passagen ihr zartes Alter zu erkennen ist, ist Cayla Kluver doch ein beeindruckendes Werk gelungen. Sie kommt zwar stilistisch (noch) nicht an die Erzählkraft des Jungautors Christopher Paolini (Eragon) heran, lässt aber keine Zweifel an ihrem schreiberischen Können offen. Falls in Zukunft die zu detaillierten, leicht kindlich wirkenden und sich wiederholenden Passagen wegfallen, dürfte noch einiges von der Autorin erwartet werden. Zumindest ist das Potential für weitere interessante Erscheinungen nicht zu übersehen.
Fazit zu „Alera – Geliebter Feind“
Der Roman lässt sich flüssig lesen und weist einen angenehmen, altertümlichen und atmosphärischen Stil auf. Obwohl die Geschichte durchaus Spannungspotential hat, wird dieses leider immer wieder durch zu detaillierte Ausführungen getrübt. Alles in allem ist „Alera – Geliebter Feind“ eher jüngeren Lesern, etwa ab zwölf Jahren, die sich für Prinzessinnen und verbotene Romanzen interessieren, zu empfehlen.
Das Buch:
Cayla Kluver, Alera – Geliebter Feind (Originaltitel: Legacy), Piper Verlag 2011, Taschenbuch, 560 Seiten, ISBN: 9783492268394, Preis: 9,99 Euro (D)
