
- Teesträucher im Hochland von Sri Lanka - godbyebluesky/pixelio.de
Ceylon-Tee hat einen würzigen, kräftigen Geschmack und eine intensive rot-goldene Farbe. In vielen traditionellen Mischungen wird er wegen seines frischen und belebenden Aromas eingesetzt. Dabei hat Ceylon-Tee eine sehr junge Geschichte:
Bis 1867 war Sri Lanka, das damalige Ceylon, als Kaffee-Insel bekannt. In ausgedehnten Monokulturen wurden die Bohnen erzeugt – bis ein Pilz die Plantagen vernichtete. Die Pflanzer suchten nach Alternativen und wurden auf die Teeanbauversuche von James Taylor aufmerksam.
James Taylor und die Geschichte des Ceylon-Tees
James Taylor wurde 1835 in Schottland geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als 16-Jähriger erhielt er einen Arbeitsvertrag als Assistent auf einer Kaffeeplantage in der Kolonie Ceylon, wo er nach dreimonatiger Segelfahrt ankam. Nach sechs Wochen wechselte er seine Stelle und begann im heutigen Garten Loolecondera zu arbeiten: Dschungel wurde gerodet, Straßen gebaut und Maschinen zur Kaffeeverarbeitung errichtet. 1857 wechselte Loolecondera den Besitzer und James Taylor begann mit Versuchen Tee anzubauen.
Durch einen Pilzbefall wurden die Kaffeeplantagen Ceylons innerhalb kurzer Zeit ruiniert. Die Teeanbauversuche von James Taylor fanden plötzlich Interesse. Der Erfolg des Ceylon-Tees begann 1867, als er Teesamen aus Assam erhielt. 1872 konnte er die erste Teefabrik bauen.
Die ehemaligen Kaffeeplantagen wurden schnell zu Teeplantagen umgewandelt. Da die Kleinbauern sich an den Plantagen nicht beteiligen wollten, holten die Engländer Tamilen aus Südindien als billige Arbeitskräfte ins Land. In den Bergregionen wurden für neue Teegärten weitere Urwälder gerodet. Vor allem die britischen Handelshäuser Lipton und Twinings bauten den Vertrieb des neuen Tees aus Ceylon auf, den Handelshäusern gehörten bald etliche Plantagen und Fabriken. Aus der ehemaligen Kaffee-Insel wurde innerhalb weniger Jahre eine Tee-Insel.
Der Godfather of Ceylon Tea, James Taylor, starb 1892 im Alter von 57 Jahren. In seinen 40 Arbeitsjahren nahm er nur zwei Wochen Urlaub – die er in Darjeeling verbrachte, wo er den Teeanbau studierte.
Teeanbau im heutigen Sri Lanka
Seit 1972 ist Sri Lanka unabhängig, und das Land hat einen Anteil von fast 20 Prozent am weltweiten Tee-Export. Tee ist für Sri Lanka ein wichtiger Devisenbringer. 95 Prozent der Ernte werden exportiert. Die Einheimischen selbst trinken überwiegend den billigen Dust-Tee (Staub, letzte Aussiebung).
Auch heute noch hat Tee den Charakter eines Kolonial-Produkts. Tee-Ernte ist Frauenarbeit, in Sri Lanka sind es die zierlichen tamilischen Frauen, deren Vorfahren von den Engländern als billige Arbeitskräfte ins Land geholt wurden. Die Frauen pflücken im Akkordtempo und für wenig Lohn. Hersteller und Händler, die sich um faire Bezahlung und gute Arbeits- und Lebensbedingungen kümmern, sind selten und ihr Tee meistens teurer.
Vom Sri Lanka Tea Board wird ein Löwen-Logo vergeben, das 100-prozentigen Ceylon-Tee kennzeichnet. Da aber Ceylon-Tee – vor allem die geringeren Qualitäten – überwiegend in Mischungen verkauft wird, ist das Logo im Ausland nicht sehr bekannt.
Die Anbauregionen und Qualitäten von Ceylon-Tee
Sri Lanka hat ein mildes subtropisches Klima. Die Ernte ist ganzjährig möglich, bei trockenem Wetter werden die besten Qualitäten erreicht. Die Teeanbaugebiete liegen im zentralen Hochland im Gebiet um den Adam Peak (Sri Pada). Es gibt drei Hauptanbaugebiete:
- Im Uva-Distrikt im Osten der Bergkette werden zwischen Juni und September sehr vollmundige, kräftige Ceylon-Tees geerntet, die in Deutschland beliebt sind.
- Im Dimbula-Distrikt im Südwesten des Adam Peak werden von Dezember bis März eher weiche, feine Tees geerntet, die weniger Gerbstoffe enthalten als die Uva-Tees.
- Im Nuwara-Eliya-Distrikt, im zentralen Hochland, wird ganzjährig eine hohe Qualität geerntet, die besten Tees von Januar bis März.
Ein wichtiges Qualitätsmerkmal ist die Höhenlage, in der Tee angebaut wird:
- Highgrown: 1.300-2.500 Meter
- Mediumgrown: 650 m bis 1.300 Meter
- Lowgrown: unter 650 Meter
Die größten Mengen werden in den mittleren Lagen geerntet. Die besten Tees kommen aber aus den hohen Lagen, wo das Wachstum der Teesträucher gering ist, was das Aroma intensiviert. Im Hochland werden mehr als 90 Prozent des Tees als Broken-Tee (gebrochene Teeblätter) produziert. Daher kommen aus Sri Lanka/Ceylon viele gute Broken-Tees und nur wenige gute Blatt-Tees – in anderen Teeregionen ist dies anders. Ein guter Ceylon-Tee kann die Buchstabenkombination BOP oder OP haben:
- B (Broken: gebrochenes Blatt)
- O (Oranje: königlich)
- P (Pekoe: zarte Blätter mit weißem Flaum)
In Sri Lanka wird überwiegend schwarzer Tee produziert, grüner Tee und Oolong gewinnen aber an Bedeutung. Begehrt und teuer ist der weiße Tee, der in sehr geringen Mengen hergestellt wird: In 100 Gramm Ceylon Silver Tips sind bis zu 3.000 einzeln geerntete Knospen enthalten.
Die Zubereitung von Ceylon-Tee und Ceylon-Mischungen
Der Tee wird am besten mit weichem Wasser zubereitet, durch seinen kräftigen Geschmack verträgt Ceylon-Tee aber auch kalkhaltiges Wasser. Pro Tasse werden ein gestrichener Teelöffel Teeblätter verwendet – bei Blatt-Tee kann es etwas mehr, bei Broken-Tee weniger sein. Aufgegossen wird mit sprudelnd kochendem Wasser. Zieht der Tee 2-3 Minuten hat er eine sehr anregende Wirkung. Nach 3-5 Minuten wirkt der Tee zwar nicht beruhigend, aber das Koffein wirkt langsamer.
Ceylon-Tee wird in Deutschland pur oder gesüßt mit Zucker, weißem Kandis oder Agavensirup getrunken. Auch Milch oder Sahne ergänzen den Geschmack gut. Alternativ können auch einige Tropfen Zitrone dazugegeben werden.
In Sri Lanka selbst wird der Tee mit viel Zucker und Ingwer zubereitet. Dafür werden mit dem Tee kleine Ingwerstücke aufgebrüht.
Ceylon-Tee ist in vielen Teemischungen enthalten, der englische Begriff dafür ist Blending oder Blend. Englische Mischungen enthalten Tees aus den ehemaligen Kolonien, neben Ceylon vor allem aus Darjeeling, Assam und Kenia. Sie werden meistens mit Milch und Zucker getrunken.
Eine typische Russische Mischung besteht aus Ceylon- und China-Tee. Traditionell wird dieser Tee in einem kleinen Kännchen konzentriert aufgegossen, die Teeblätter bleiben in der Kanne, ziehen also sehr lange. Für jede Tasse wird etwas Konzentrat mit heißem Wasser verdünnt und mit viel Zucker getrunken.
Grüner Ceylon-Tee kann mit kochendem oder leicht abgekühltem Wasser aufgegossen werden und zieht etwa 3 Minuten. Für weißen Tee wird 70-80 Grad heißes Wasser verwendet, die Teeblätter ziehen 2-3 Minuten und können zwei oder mehrmals aufgegossen werden.
Quellen und weiterführende Informationen:
Grösser, Helmut: Tee für Wissensdurstige. 1995.
Selius, Christine: Das kleine Tee-Abc. 2003 (2000).
Vollers, Arend: Die Kunst Tee richtig zu genießen. 1998.
Bericht einer Reise auf eine Teeplantage mit Bildern
