Charaktere in Gruselgeschichten

Vom Klischee zu neuen Ideen

Am häufigsten finden sich in der Horrorliteratur „alte Bekannte" wie Seelen, die nach ihrem Tod nicht zur Ruhe kommen, Zombies, Vampire, Gespenster etc. wieder.

Meist werden im Zusammenhang mit den vorgenannten Gruselgestalten sämtliche Klischees bedient, die diesen Figuren gemeinhin zugeschrieben werden. Werwölfe gehen grundsätzlich bei Vollmond um, Zombies wanken stets mit starrem Blick wortlos durch die Szene, bei Vampirgeschichten kommt meist die erotische Komponente nicht zu kurz.

Das Rad muss nicht neu erfunden werden

Einige dieser typischen Attribute sollten ruhig übernommen werden. Warum sollte ein Autor seinen Werwolf plötzlich bei Neumond durch ein Moor streifen lassen? Dies wirkt unter Umständen erzwungen innovativ. Um jedoch beim Leser nicht das Gefühl zu erwecken, die Geschichte schon tausend Mal in anderen Büchern gelesen zu haben, kann man die typischen Schauplätze verändern. Es ist eine gute Möglichkeit, einen Werwolf nicht in einem abgelegenen Moor oder riesigen Wald umgehen zu lassen, sondern beispielsweise in einer Großstadt wie in dem Film „American Werewolf in Paris".

Zombies können praktisch überall und zu jeder Tageszeit ihr Unwesen treiben, deshalb ist es eine Möglichkeit, sie an einem Ort auftauchen zu lassen, an dem bis zu ihrem Erscheinen ausgelassene Stimmung herrscht wie etwa an einem Strand oder auf einer Party. Der Bestsellerautor Stephen King baut seine Geschichten häufig so auf, dass zunächst eine Idylle beschrieben wird, in die sich nach und nach der Alptraum mischt, bis dieser schließlich die Oberhand gewinnt.

Den Horrorgestalten neue Eigenschaften zuschreiben

Wie bereits im ersten Absatz beschrieben, zeigen die gängigen Horrorgestalten stets die für sie typischen Verhaltensweisen. Warum soll ein Zombie nicht auch einmal verbal etwas äußern, das man ihm gar nicht zutrauen würde? Oder warum sollten Gespenster sich nicht mit typisch menschlichen Problemen herumschlagen?

Auch wenn Gruselgeschichten um eine humoristische Komponente erweitert werden, so bedeutet dies nicht, dass dadurch etwas von der Spannung und unheimlichen Atmosphäre verloren geht, wenn man die Handlung geschickt aufbaut (siehe oben) und den Grusel-Effekt durch Adjektive untermauert, die beim Leser bestimmte Assoziationen wecken. An Beispielen wären hier zu nennen: dunkel, düster, neblig, schwarz, geheimnisvoll, unheimlich, bedrohlich u. v. m.

Möglichkeiten des Spannungsaufbaus in Kurzgeschichten

Bei einer Kurzgeschichte fallen Plot und Situationsbeschreibungen selbstverständlich wesentlich kürzer aus als bei einem Roman, deswegen empfiehlt es sich, eine bestimmte Szene wie oben beschrieben auszuschmücken und die Handlung auf einen Schauplatz oder ein bestimmtes Attribut zu konzentrieren. Gleichzeitig sollte der Autor sofort in die eigentliche Handlung einsteigen, da eine Kurzgeschichte keinen Raum dafür bietet, den oder die Protagonisten nebst ihren Lebensumständen in ausführlichster Form zu beschreiben.

Nicht immer ist ein Schauplatz statisch wie beispielsweise in der Kurzgeschichte „Der Straßenvirus zieht nach Norden" von Stephen King (aus der Sammlung „Im Kabinett des Todes"), dennoch bleibt stets der rote Faden erkennbar, in dem als wiederkehrendes Motiv das Bild auftaucht, das sich im Laufe der Geschichte verändert.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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