Charakterisierung von Personen

Wie werden die Protagonisten einer Story interessant und lebendig?

Mit einem Charakterspiegel können wir Aussehen und Eigenschaften von unseren Helden festlegen, im Text sollen sie lebendig werden.

Beschreibungen wie: „Er war 1,70m groß, hatte blonde Haare, eine Hakennase und war sehr eifersüchtig“, sind zwar informativ, berühren aber den Leser nicht. Und das ist es letztendlich, worauf es bei erzählenden Texten ankommt.

Ein Text wird interessant, wenn Bilder im Kopf des Lesers entstehen

Um die Protagonisten einer Erzählung lebendig und interessant zu machen, müssen wir uns zuerst darüber im Klaren sein, welche Eigenschaften sie haben. Dazu dient das einfache Hilfsmittel eines Charakterspiegels. In Zeilen werden dazu die Personen mit Namen aufgelistet, in den Spalten tragen wir alles ein, was wir über sie wissen – bei Texten mit Realitätsbezug – oder für sie erfinden. Das kann abgesehen von Alter und Aussehen alle möglichen Informationen umfassen: Familienstand, Beruf, Herkunft, hervorstechende Charakterzüge (wie jähzornig, eitel, humorvoll,...), Ziele im Leben, etc.

Die Eigenschaften werden in Situationen vorgestellt

Um den Leser in den Text hinein zu ziehen, ist es gerade bei der Vorstellung der Charakterzüge notwendig, die Erkenntnis darüber, wie der Protagonist ist, im Kopf des Lesers entstehen zu lassen. Das heißt, der Autor behauptet nicht, dass Peter Müller jähzornig ist, sondern er zeigt, wie Peter sich benimmt, wenn ihm sein Mitarbeiter die falschen Unterlagen für die wichtige Besprechung gegeben hat. Beim Lesen entsteht der Schluss: „Der ist aber ein Zornbinkel!“

Der Leser muss im Kopf mitarbeiten können

Um zu diesem Schluss zu kommen, muss der Text genug Information enthalten, damit man ihm folgen kann und nicht zuviel Information, damit Phantasiearbeit offen bleibt. Diese Gratwanderung ist manchmal sehr schwierig und mit dem Schreiben von Kriminalgeschichten vergleichbar. Die Erzählung sollte mit Hinweisen gespickt sein, die den Leser auf immer neue Spuren bringen, die (überraschende) Auflösung darf aber erst auf der letzten Seite präsentiert werden. Stellt sich am Schluss heraus, dass der Mörder ein zufällig anwesender Landstreicher ist, auf den bislang im Text nichts verwiesen hat, wird der Leser ebenso enttäuscht sein, als wenn er schon seit Seite 3 weiß, dass es der Butler war.

Beschreibungen sollten in Handlungen eingeflochten werden

Dieselbe Vorsicht ist bei Schilderungen von Äußerlichkeiten geboten. Das gilt sowohl für Personen- als auch für Landschaftsbeschreibungen. Hier sollte dem Autor immer klar sein, warum die Person sich so kleidet, warum ihr Büro diese Ordnung oder Unordnung aufweist, warum der Held sich in gerade dieser Landschaft bewegt, und so weiter. Erst wenn Äußerlichkeiten Bedeutung annehmen, indem sie als Symbole für innere Vorgänge herangezogen werden, sind sie für den Leser interessant. Wenn die äußere Wüste nicht für die innere Leere des Helden steht, könnte er ebenso gut auf der Alm spazieren gehen, so ihn die Handlung nicht zwingend in die Sahara geführt hat.

Christine Teichmann, Christine Teichmann

Christine Teichmann - Christine Teichmann ist Ingenieur für Innenausbau und Möbelbau und seit fast zwanzig Jahren im Ladenbau tätig. Ihr ...

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