
- Charles E. Kingsford-Smith - Unbekannt
Der Australier Charles E. Kingsford-Smith war einer der erfolgreichsten und besten Flieger in dieser ersten Periode der Fernflüge. Als Jagdflieger während des Ersten Weltkrieges sammelte Kingsford-Smith seine ersten extremen fliegerischen Erfahrungen. Nach seiner Rückkehr stellte er bei verschiedenen Veranstaltungen sein fliegerisches Können zur Schau und übernahm vielseitige Aufgaben als Pilot in Australien. Nach eingehenden Versuchen und Erprobungen entschlossen sich Kingsford-Smith und sein Landsmann Charles Ulm gemeinsam mit den Amerikanern Harry Lyon als Navigator und James Warner als Funker einen Flug über den stillen Ozean mit einem Landflugzeug vom Typ Fokker F VIIB 3m zu wagen.
Das Flugzeug Fokker VII B 3m
Als Anthony Fokker mit dem Flugzeug F.VII A -3m an dem von Henry Ford organisierten Zuverlässigkeits-Rundflug in den USA teilnahm, erregte dieses Flugzeug nicht gerade wenig Aufsehen. Henry Fords Sohn Edsel kaufte die Fokker Trimotor und stellte sie Richard Byrd und Floyd Bennet für ihren Flug zum Nordpol zur Verfügung. Eine andere Maschine, schon 1926 gebaut, war für die Arktis-Expedition von George Hubert Wilkins im April 1928 vorgesehen. Nach ihren Entdeckungsflügen über Alaska wurde sie von der Fa. Boeing überholt und an Kingsford-Smith weiterverkauft, um in den folgenden Jahren mit ihren unvergessenen Rekordflügen sich für immer in die lange Liste der Pionierleistungen einzutragen.
Das weiterentwickelte Flugzeug F. VIIB wurde langsam zum Standardmodell und kam im Jahr 1928 als F.VII B-3m offiziell auf den Markt. Mit vergrößerter Tragfläche und mit drei neuen J-5 Wright Whirlwind- Motoren mit einer Leistung von je 237 PS ausgestattet kam sie zu mehr Ruhm als Lindberghs Atlantik-Flieger von Claude Ryan. Die Fokker wurde von Kingsford-Smith mit der neuesten Technik ausgestattet und erhielt den Namen „Southern Cross“.
Es wurden ein Langwellen- und ein Kurzwellen-Sender installiert. Mehrere Kompasse wurden neben einer Seenot-Signalanlage für den Fall einer Notwasserung eingebaut. Die Antenne sollte im Ernstfall mit Hilfe eines kleinen Ballons in die Luft gezogen werden, um so besser Signale senden zu können. Zusätzlich wurden Rettungsmittel mitgeführt, die einen längeren Aufenthalt auf dem Wasser ermöglichten.
5000 Kilometer nonstop über den Ozean
Am 31. Mai 1928 startete die Fokker um 8.52 Uhr vom Flughafen in Oakland zum ersten Abschnitt ihrer Reise. Das Ziel war Honolulu. Die 3.890 Kilometer wurden in 27 Stunden und 27 Minuten bewältigt und die Maschine landete am 1. Juni auf dem Wheeler Field bei Honolulu. Die Länge der Startbahn reichte aber für den Start eines schwer beladenen Flugzeuges nicht aus. So wurde nur für die Strecke bis Barkings Sand auf der Insel Kauai Treibstoff für eineinhalb Stunden Flug getankt. Dort konnte das Flugzeug wieder voll getankt werden, um am darauf folgenden Tag die längste Strecke von 5.050 Kilometern über den Ozean nach Suva, eine Insel der Fidschi- Gruppe, zu absolvieren.
Der Start erfolgte am 3. Juni um 05.20 Uhr. Die lange Strecke wurde in 34 Stunden und 33 Minuten durchflogen und die Besatzung landete am 4. Juni auf Suva. Auch hier war das Flugfeld wieder zu klein und man setzte zum 30 Kilometer entfernten Flugplatz bei Naselai Beach über. Am 8. Juni startete die Southern Cross zur letzten, rund 3.057 Kilometer langen Etappe und landete gut 19 Stunden später, am 10. Juni 1928, in Brisbane. Ohne eine Ruhepause starteten die vier Flieger am nächsten Tag wieder und legten nochmals 800 Kilometer nach Sydney zurück.
Schwierige Aufgabe exzellent gelöst
Die beiden Australier erkannten sehr früh die Notwendigkeit der Einrichtung von Flugverbindungen von Australien zu den anderen Kontinenten, speziell nach den USA und nach Asien mit weiteren Verbindungen nach Europa. Unter Berücksichtigung der technischen Möglichkeiten wurde das Vorhaben, eine so große Entfernung in einem Stück zu durchzufliegen, relativ früh geplant. Die umfassenden Vorbereitungen für den Flug demonstrierten aber eine außerordentliche Ernsthaftigkeit und die schwierige Aufgabe wurde von den Fliegern exzellent gelöst. Die Erkundung der Wetterverhältnisse über dem Ozean während des Fluges stand im Vordergrund. Praktische Verfahrensweisen mussten erarbeitet werden, um herauszufinden in wieweit sich dieser Flug mit der derzeitigen Technik durchführen lässt.
Die Entwicklung zeigte schließlich, dass dies nicht so einfach zu realisieren war. Ein zweiter Flug auf dieser Strecke wurde erst sieben Jahre später, im Juni 1935, mit einem Flugboot der Pan American Airways Inc. mit noch besserer technischer Ausstattung durchgeführt. Dieses Flugboot war eine Konstruktion von Igor Sikorski.
Der Flug von Kingsford-Smith und seiner Besatzung war eine hervorragende Pionierleistung und erbrachte die ersten wichtigen Daten für einen Langstreckenflug über den Stillen Ozean. Dieser und die nachfolgenden Langstreckenflüge demonstrierten auch, dass die Fokker F. VII B 3m die Nummer 1 im zivilen Luftverkehr zwischen den beiden Kriegen war.
Australian National Airways fliegt nach Neuseeland
Bis zu seinem Tod im Jahr 1935, er blieb bei einem Flug von England nach Australien mit seinem Flugzeug verschollen, führte Kingsford-Smith wiederholt so genannte Post-Schnellflüge mit verschiedenen Flugzeugtypen nach England mit Zwischenlandungen durch. Er gründete im August 1928 zusammen mit seinem Kollegen Charles T.P. Ulm und mit Hilfe von Frederick Harold Stewart, einem australischen Politiker, die erste australische Fluggesellschaft, die Australian National Airways. Sie wurde in erster Linie dafür eingerichtet, Post und andere Güter über die Tasmanische See nach Neuseeland zu transportieren. Den ersten Flug auf dieser Strecke führte Kingsford-Smith mit dem gleichen Flugzeug noch im gleichen Jahr durch.
Besonders hervor zu heben sind die seinerzeit exzellenten navigatorischen Leistungen der Besatzung, besonders auf dem Flug von Oakland nach Brisbane. Das Finden kleiner Ziele (Inseln) auf dieser Strecke stellte für die Besatzung eine besondere Herausforderung dar. Diese Aufgabe wurde aber meisterlich gelöst, denn auf den drei großen Abschnitten des Fluges wurden die Ziele jeweils punktgenau angesteuert. Erst sieben Jahre später flog wieder ein Flugboot, eine Sikorski S.42, nonstop von San Francisco nach Honolulu.
Das Flugzeug Fokker F.VIIB 3m war ein hervorragendes Flugzeug und wurde unter andrem auch von der bekannten Fliegerin Amelia Earhart, zusammen mit Wilmer Stultz und Luis Gordon, von Trepassey Bay (Neufundland) nach Burry Port (Wales, UK) über den Atlantik geflogen.
Quellen:
- Aero-Illustriertes Sammelwerk der Luftfahrt, Nr. 7, Aerospace Publishing Ltd.. , London/ UK, 1983
- Matthias, Joachim und Heinz, Tod und Sieg über den Weltmeeren, Mittler und Sohn, Berlin 1937
