Charmin nun bei Zewa

Die Kundenzufriedenheit mit dem Klopapier ist stark gesunken

Handelsübliches Klopapier - S. Hofschlaeger, Pixelio
Handelsübliches Klopapier - S. Hofschlaeger, Pixelio
Das sehr beliebte Charmin-Toilettenpapier wird in Deutschland nun nicht mehr von Procter & Gamble hergestellt, sondern läuft unter der Flagge von Zewa. Ein Fehler?

Unter der Homepage zum besagten Toilettenpapier gibt es eine Rubrik, in der Verbraucher dem Charmin-Bären etwas Aufmunterndes zu seinem Umzug schreiben können. Fakt ist jedoch, dass die Kunden nicht etwa ihre Zufriedenheit ausdrücken oder der sehr beliebten Werbefigur alles Gute wünschen, stattdessen gehen auf dem Portal massenweise Beschwerden ein über schlechtere Qualität des Toilettenpapiers oder auch ein wesentlich schlechteres Preis-Leistungs-Verhältnis.

Der Charmin-Bär als Marketing-Instrument

Als ab 2003 in Deutschland Werbung für das in den USA schon länger bekannte Charmin-Toilettenpapier gemacht wurde, wurden hierzu Fernsehspots mit einem niedlichen Bären gewählt, der sich beispielsweise über die Weichheit des Papiers freut oder seinem kleinen, bebrillten Sohn erklärt, dass man von Charmin wesentlich weniger bräuchte als von anderen Toilettenpapieren, weil es auch bei Nässe extrem reißfest und saugstark ist.

Der Bär selbst entwickelte sich zu einem regelrechten Sympathieträger, denn im Online-Shop der vorbezeichneten Homepage konnten beispielsweise Plüschtiere, Sofakissen, Bettwäsche mit dem Bären bestellt werden. Es gab sogar ein Charmin-Spiel, das online gespielt werden konnte. In unterschiedlichen Levels musste der Charmin-Bär Toilettenrollen sammeln und den Ausgang aus dem liebevoll im Stil einer Wald- und Wiesenlandschaft gestalteten Labyrinth finden. Lediglich Hintergrundbilder und Bildschirmschoner sind auf der Homepage weiterhin zu finden.

Der Bär als Sympathieträger

Zur Fußball-WM 2006 war den Großpackungen ein kleiner Charmin-Bear im Fußballtrikot (wahlweise in weiß, gelb oder hellblau) mit Fußball beigefügt. Im Jahr 2004 erschien sogar im Arena Verlag das Bilderbuch „Charmin der Bär und seine Freunde. Bärenstarke Kuschelgeschichten“.

Alles in allem hatte Procter & Gamble mit dem Charmin-Bären ein gutes Marketing-Instrument geschaffen. Leider gibt es seit Januar 2008 keinen Online-Shop mehr, das Online-Spiel ist auch nicht mehr verfügbar und von dem Umzug des Bären und des Produktes, das er bewirbt, haben die Verbraucher eher überraschend im April 2009 durch einen Fernseh-Spot erfahren.

Unzufriedenheit macht sich breit unter den Kunden

Auf dem oben genannten Portal machen bisher sehr zufriedene Charmin-Käufer ihrem Ärger Luft. Mütter berichten, dass ihre Kinder weinen, weil auf dem Toilettenpapier seit dem Umzug zu Zewa kein Bär mehr auf der Packung und dem Papier selbst ist. Viele Kunden bemängeln, dass die Qualität des Produkts stark nachgelassen hat (Reißfestigkeit, Saugfähigkeit, Weichheit) und dass für den gleichen Preis in den Großpackungen dafür aber auch eine Rolle weniger enthalten ist. Zugleich wird bei vielen Verbrauchern die Frage laut, warum Charmin von Procter & Gamble zu Zewa umgezogen ist und warum sich dies nachteilig auf die Qualität sowie das Preis-Leistungs-Verhältnis auswirkt. Antworten seitens Zewa gibt es jedoch keine…

Einige Kunden haben bereits die Toilettenpapier-Marke gewechselt und boykottieren somit diesen Umzug, einige wenige erwägen sogar, dass Papier direkt in den USA zu beziehen, wo es das Klopapier offensichtlich noch in unveränderter Form und Qualität gibt. Allerdings stellt sich hier die Frage nach Kosten und Aufwand für den Kauf von Toilettenpapier.

Das Vertrauen der Kunden scheint zerstört zu sein

Trotz der ursprünglich von Procter & Gamble gut aufgezogenen Werbekampagne und der Qualität des Produkts, die mit der Kampagne an sich gut korrespondierte, scheint das Vertrauen der Kunden nun dahin zu sein, zumal keine offizielle Stellungnahme seitens des Unternehmens folgt, was die Beschwerden hinsichtlich Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft. Auch eine Begründung, warum Charmin-Toilettenpapier plötzlich unter der Flagge von Zewa läuft, liegt nicht vor.

Niemand fühlt sich offensichtlich dafür zuständig, auf die mittlerweile 54 Online-Seiten lange Beschwerdeliste der ehemals zufriedenen Charmin-Käufer einzugehen. Dies könnte ein schlimmes Eigentor für Zewa in dem Sinne bedeuten, dass die Kunden sich übergangen fühlen und es ohnehin in jedem Fall zu einem Umsatzrückgang kommt; insbesondere, falls manche Konsumenten sich entschließen sollten, nicht nur das Charmin-Toilettenpapier zu boykottieren, sondern auch andere Produkte von Zewa wie beispielsweise Küchenrollen oder Taschentücher.

Alexandra Döll, Autorin, Marina Hong, Düsseldorf

Alexandra Döll - Persönliche Daten: geboren 1974 in Essen, wohnhaft ebendaFamilienstand: ledig, keine KinderAbitur 1993, anschließend ...

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