Wie sind sie, die Chilenen? Was haben Urlauber und Abenteuerlustige zu erwarten? Muss der reisende Deutsche irgendwelche speziellen Befindlichkeiten berücksichtigen? Einige Tipps und Anmerkungen, assoziativ aneinandergereiht und keineswegs mit dem Anspruch auf Vollständigkeit (eine Fortsetzung findet sich bei den Betrachtungen unter anderem zur chilespezifischen Sonne, Mond und Sternen).

Chile: Sicherstes lateinamerikanisches Reiseland

Die Chilenen, für Lateinamerikaner die Saubermänner, die schon unverschämt bescheidenen Bessermacher (wie anders da ein Chávez), die "Preußen Lateinamerikas", gehören zu den am besten organisierten, zu den zuverlässigsten und pünktlichsten Südamerikanern. Laut UN belegt Chile den ersten Platz, was den Lebensstandard (bei der UN genauer gesagt: Human Development Index) angeht – das hat unter anderem zur Folge, dass es zu den angenehmsten Reisezielen in Südamerika zählt.

Vorsichtsmaßnahmen in den Städten

Chile hat eine vergleichsweise geringe Kriminalitätsrate sowie minimale Korruption und zählt daher zu den sichersten Urlaubsländern. Trotzdem sollte man in den – allerdings an einer Hand abzählbaren – chilenischen Großstädten Taschen oder Dokumente immer geschützt tragen, zum Beispiel Taschengurt um den Hals geschlungen und Tasche quer über den Bauch mit einem Arm darüber. Schmuck sollte man sicherheitshalber einfach nicht in der Öffentlichkeit tragen.

Die größten chilenischen Städte sind Santiago (bildet mit Puente Alto und San Bernardo die Región Metropolitana), Viña del Mar/Valparaíso, Antofagasta, Temuco und das durch das Erdbeben 2010 schwer gebeutelte Concepción. Chile ist so sicher, dass selbst Trampen in den ländlichen Gebieten des Südens praktisch gefahrlos möglich ist – was wiederum gestattet, Land und Leute viel besser kennenzulernen.

Chilenen und Europäer

Anders als in den meisten lateinamerikanischen Ländern, in denen sich aus der Abneigung gegen die Gringos, die US-amerikanischen "Ausbeuter" von der United Fruit Company bis zu Bush, wahrer Hass gegen alle "Weißen" entwickelt hat, differenzieren die Chilenen: Europäer genießen große Sympathie in Chile – viele Chilenen sind während der Pinochet-Diktatur (1973-1989) ins europäische Exil gegangen.

Gegenüber dem imperialistischen Gebaren der US-Amerikaner, die ja den ersten sozialistischen Präsidenten Salvador Allende am 11. September 1973 durch den Militärputsch stürzen halfen, herrscht in Chile ein allerdings zwiespältiger Groll (man merke, dass auch damals 9/11 schon ein bedeutsames Datum darstellte! Drei Jahre vor Putsch und Ermordung, am 11.9.1970, gelangte Allende ins Präsidialamt).

Engste Beziehungen: Deutschland und Chile

Zwischen Deutschen und Chilenen herrscht schon seit Jahrzehnten eine durch die deutsche Einwanderung im 19. und frühen 20. Jahrhundert eingeleitete besonders gute Beziehung, von der man als Reisender in Chile sehr profitiert. Deutschland – genauer gesagt: Preußen, vor allem aber auch Nazi-Deutschland – war lange Zeit ideologisches Vorbild für die chilenische Führung unter dem Diktator Pinochet. Militär und Verwaltung sind nach dem deutsch-preußischen Muster aufgebaut worden, die Militärs hatten unter Pinochet eine stark an die Reichswehr angelehnte Uniform und den original deutschen Stechschritt.

Deutsche Einwanderer in Chile

Die deutschen Einwanderer fanden im Süden Chiles ein dem deutschen ähnliches Klima und eine sehr deutsche feuchte Landschaft vor – für spanische Abkömmlinge ein unbewohnbarer Graus. Ohne die Deutschen wäre der Süden um die Seenplatte und Villarrica niemals so schnell und gründlich besiedelt und landwirtschaftlich nutzbar gemacht worden.

Deutsch-chilenische Freundschaft: Kuchen alemán

In Chile gibt es deswegen schon seit Jahrzehnten deutsche Bäckereien mit dunklem Brot, Käse, Wurst, Joghurt und vor allem die berühmten chilenischen "Kuchen": genau so heißen sie dort und werden sie auch ausgesprochen, mit ein wenig zu kurzen Silben "Ku" und "en"; wer es genau sagen will, sagt auch "Kuchen alemán", deutscher Kuchen. Der chilenische Apfelkuchen nach deutschem Rezept ist famos. (Der bekannteste Deutsche Südamerikas ist ein Alexander von Humboldt, aber das ist eine andere Geschichte.)

Reaktionäres Deutschtum

Die andere Seite der Medaille ist die reaktionär-konservative Einstellung der deutschen Kolonie, die schon vor den 1970ern massiv die politische Rechte und die Militärjunta unter Pinochet unterstützt hat – im übrigen mit offener und aktiver Befürwortung durch die deutsche Botschaft und ihre Diplomaten in Chile.

Colonia Dignidad im Süden Chiles

Eine ebenfalls damals durch die deutsche Botschaft unterstützte sektenartige Gemeinschaft, die Colonia Dignidad, wurde schon vor 30 Jahren Menschenrechtsverletzungen beschuldigt, aber in den 1970er und 1980er Jahren durch die Chilenen durchaus nicht nur negativ gesehen: mit heimlicher Bewunderung musste man den wirtschaftlichen Reichtum, die "blühenden Landschaften", die technische und organisatorische Perfektion der hermetisch geschlossenen, sektenartigen Gemeinschaft konstatieren, die offenbar wurden, wenn beispielsweise medizinische Notfälle aus dem Umland in das dortige weit über chilenischem Durchschnitt ausgestattete Krankenhaus eingeliefert wurden. Die Colonia Dignidad wurde allerdings aus dubiosen deutschen Quellen finanziell stark gesponsert; inzwischen hat sie sich aufgelöst.