
- Chinesische Delikatessen - Ilona Leinert
Chinesen lieben das Essen, immer und überall - Zuhause, im Restaurant, am Straßenrand, in einer der zahlreichen Garküchen, in Märkten, im Park oder am Strand - und am allerliebsten in Gesellschaft. Man isst mit Stäbchen und Porzellanlöffel. Wie es geht, weiß jeder und unerfahrenen, ausländischen Gästen bringt man es gerne bei. In den Edelrestaurants in Peking, Shanghai oder Hongkong gibt es sogar Kurse, wo hübsche Englisch sprechende Hostessen Gästen die Kunst des perfekten Stäbchenhaltens demonstrieren.
Hunde auf der Speisekarte
"Jedes Tier, dessen Rücken zur Sonne zeigt, ist essbar“, sagt ein südchinesisches Sprichwort. Neben Rind, Schwein, Ziege, Ente und Huhn ergänzen Schlangen, Eidechsen, Insekten, Würmer und mitunter auch Bambusratten und Hunde die Speisekarte. Auch das Meer ist nicht weit und bietet den verwöhnten chinesischen Gaumen eine Fülle an Delikatessen: Schildkröten, Seeigel, Quallen, Tintenfische, Seepferdchen, Schnecken, Glasaale, Haifischflossen, Muscheln, Krebse und Langusten, die müssen aber frisch gefangen oder aus dem Aquarium sein.
Essen mit Stäbchen
Die chinesische Philosophie ist simpel: Beim Essen es sich möglichst gut gehen lassen. Deshalb biegen sich die Tische unter der Fülle an Speisen. Jeder nimmt sich mit den Stäbchen was er mag. Schlürfen und Schmatzen gehört dabei zum guten Ton; ein unüberhörbares Zeichen, dass es allen schmeckt. Essen ist Kommunikation, und so ist es selbstverständlich, mit vollem Mund zu reden oder zu rauchen.
Nudeln machen glücklich
Kenner der chinesischen Koch-Kunst schwören auf die kantonesische Küche, die ihren Ursprung in der Provinz Guangdong im Südosten hat. Sie ist für ihre kreative Vielfalt berühmt. Leibgerichte sind „Feuertopf“ und „Dim Sum“, die „Herzenswärmer“, delikate Snacks, die man zum Tee reicht, sowie kleine Reisteigtaschen, gefüllt mit Garnelen, Gemüse, Lotuskernmus, Schweinfleisch oder Bohnenpaste.Nichts geht ohne Nudeln. Eiernudeln, Weizennudeln und Glasnudeln aus Reismehl – egal. Sie müssen lang und dünn sein. Das bedeutet für die Chinesen Glück und langes Leben. Und deshalb isst man Nudeln zu jeder Tages- und Nachtzeit.
Kochen mit Wok und Dampfkorb
In den unzähligen kleinen Garküchen der Märkte, Einkaufszentren und Dörfern findet der interessierte Schlemmer sein lukullisches Shangri La. Hier wird gebrutzelt, frittiert, gedünstet und erhitzt was Wok, Holzkohlengrill, Reiskocher und Dampfkörbe aus Bambus hergeben. Alles schmeckt, alles ist essbar: Gegrillte Heuschrecken, Skorpione und Froschschenkel am Spieß, Reis, Gemüse und Schweinefleisch im Bambusrohr gegart und Suppen in allen Variationen und Farben.
Klassiker Peking-Ente
Fast schon ein Klassiker ist die Suan La Tang, ein süßsaurer Sud aus getrockneten Lilienknospen, Pilzen, Bambussprossen, angedicktem Hühner- oder Entenblut, Sesamöl, Weinessig, Chili, Pfeffer – wahlweise mit Fleisch zu dem auch gerne eingelegter Knoblauch, Chinakohl und Bambussprossen gereicht werden. Eine Kunst für sich ist die Zubereitung der Peking-Ente. Durch eine winzige Öffnung am Hals wird Luft gepumpt, die Haut mit einer süßen Honig-Marinade bestrichen und die Ente in extrem heißer Luft in einem Spezialofen gegart. Die dunkelbraune, kross gebratene Haut, von Gourmets besonders beliebt, zerlegt der Koch vor seinen Gästen mit scharfem Messer in feine Streifen.
Essen als Teil der chinesischen Medizin
Essen hat in China auch eine medizinische Bedeutung: „Du bist, was du isst!“ Deshalb glauben die Chinesen, dass der Verzehr von Entenhirn Intelligenz fördernd und das Verspeisen von Ochsenzunge Rhetorik steigernd ist.
