China, bald der größte Produzent von ökologischen Lebensmitteln?

4.000 Jahre Landbau in China - OLV-Verlag
4.000 Jahre Landbau in China - OLV-Verlag
Interview mit Kaize Organic und Berater von Organic Farmn, den größten Produzenten von Bio Obst und Gemüse in China. Das Ökolabel wurde schon 2005 kreiert.

In den Belangen von Umweltschutz und Lebensmittelsicherheit hatte China bisher, weltweit, einen schlechten Ruf. Die Bevölkerungszahlen stieg seit 1960 stark an, eine Industrialisierung setzte in China ein und es erschien um jeden Preis erstrebenswert, möglichst viel e Exportgüter und Nahrung zu möglichst billigen Preisen zu produzieren. Dabei wurde vernachlässigt, dass China, Korea und auch Japan 4.000 Jahre Erfahrung im ökologischen Landbau hat und weltweit ein Vorbild für eine bessere biologische Landwirtschaft sein könnte. Seit einigen Jahren hat sich die Situation in China verändert. Laut einer Studie des Weltdachverbandes für Biolandbau, IFOAM zählt China schon heute, im Jahr 2011, zu den größten Ökoproduzenten weltweit. Mit einer zertifizierten Bioanbaufläche von mehr als zwei Millionen Hektar Land liegt China demnach schon, hinter Australien, mit etwa 12 Millionen und Argentinien mit drei Millionen Hektar, auf dem dritten Platz der Länder mit der höchsten Bio-Anbaufläche.

Warum wird China der größter Ökoproduzent?

„Sauberes Wasser, fruchtbare Erde, diese Umweltbedingungen für einen ökologischen Anbau von Lebensmittel sind da, betont Herr Xu, Chef von Kaize Organic. Diese Firma, in der chinesischen Provinz Shandong, baut Öko-Lebensmittel, vor allen Dingen für den Export an. Da es in der dortigen, traditionellen Agrarregion keine Industrie gibt, die den Boden oder die Luft belasten könnte, sieht er für den Anbau von Biolebensmitteln in China, eine große Chance. Der Boden und seine Mikrokulturen werden, in ländlichen Gegenden, mit Bokashi, einem milchsäurevergorenen Kompost, Bokashi genannt, gedüngt. „Viele deutsche Ökoprodukte enthalten schon Bestandteile aus China“, sagt Klaus Griesbach, der 1972 Großimporteur von Biokost und in Hamburg der Inhaber des Naturkostladen Schwarzbrot war. Heute berät der Ökopionier das chinesische Unternehmen Organic Farm in Peking. Er weiß, und hat es schon in den siebziger Jahren vorhergesagt, dass die Nachfrage nach Biolebensmitteln das Angebot übersteigt. Bionahrungsmittel haben sich inzwischen aus ihrem Nischendasein aus den Bioläden in Hinterhöfen, über Märkte, Bauernläden Superbiomärkten, bis in Regale von Supermärkten und Discountern ausgebreitet. Eine positive Erfüllung der Visionen einerseits, es drängt sich aber auch die bange Frage nach einer Qualitätssicherung auf. Die Biobranche wird zwangsläufig industrieller. Waren sich in den Anfängen der Bio-Lebensmittelproduzent und Händler oder gar Verkäufer oder Kunden noch persönlich bekannt, sorgt der zunehmende Preisdruck dafür, dass eine regional erzeugte Ware nicht mehr da ist und, zum Beispiel China, in diese, für sie attraktiv Marktlücke springen will und kann. Mit den importierten chinesischen Lebensmitteln, die der Öko-Qualität entsprechen, können die Verbraucher zum Beispiel daheim eine leckere Chinapfanne zubereiten.

Umsatzzahlen der Chinesischen Wirtschaft, belegen wirtschaftliche Erfolge

Die Biofachmesse in Shanghai ist ein Zweig der Nürnberger Branchen-Leitmesse Biofach. Bei der ersten Messe dieser Art in China wurden vorrangig Bio-Exporte wie Getreide, Hülsenfrüchte und Sonnenblumenkerne angeboten. Wie Herr Xu bekannt gibt, kaufen Japaner gerne Öko-Pilze. Nach Deutschland, zu den Kunden zählen auch namhafte Naturkostgroßhändler (auch frühere Kunden von Klaus Grießbach), verkaufe sich schockgefrorener Brokkoli recht gut. Guo Chunmin, der stellvertretende Chef des China Organic Food Certification Center (OFCC), freut sich, dass die chinesische Regierung die Entwicklung des ökologischen Landbaus unterstützt. Dass sich diese Investitionen wirtschaftlich lohnen, bestätigen die Umsatzzahlen. Im Jahr 2005 lag das Ausfuhrvolumen für Biolebensmittel in China etwa bei 350 Millionen US-Dollar. Für das Jahr 2010 wurde ein gestiegener Umsatz von 400 Millionen US-Dollar geschätzt. In diesem Zusammenhang entsteht die Frage, ob generell auf dem Sektor der Umweltpolitik eine sinnvolle Arbeit zwischen der EU und China erreicht werden kann und warum es bisher nicht funktionierte.

Was für den Bioanbau in den ländlichen Gebieten Chinas spricht

Wer schnell, viel Nahrung für eine große Anzahl von Menschen braucht, tut gut daran, die Qualität hoch zu halten. Soll die Ware auch exportiert werden, muss kalkuliert werden, ob die gewünschten Lebensmittel zu einem guten Preis produziert und verkauft werden können. China hat mit seiner Agrarproduktion und seinem Wissen über die Traditionelle Chinesiche Medizin (TCM) einige Vorteile, die sich günstig auf die Produktion und den Verkauf auswirken können.

  • Für den Anbau von Biolebensmitteln sind mehr Arbeitskräfte nötig als bei einer industriellen Produktion
  • Umweltschutz und Armutsbekämpfung sollen zukünftig Hand in Hand gehen
  • Für Ökoprodukte erhalten die Bauern einen höheren Preis

Die Firmenvertreter von Organic Farm und Kaize Organic informieren

Die Firma Kaize Organic hat inzwischen mit etwa 500 Landwirten Lieferverträge abgeschlossen. Diese seien wichtig, da die Umstellung der meist schwer mit Pestiziden belasteten Böden auf den Bioanbau, etwa drei Jahre benötige und es vom Verband eine Abnahmegarantie gäbe, so Herr Xu. In der Umstellungszeit sei eine Ausbildung für die zukünftigen Öko-Landwirte, für die ein Anbau auf traditionelle Art meist völlig neu sei, unbedingt nötig. Das sich diese Investition in die Zukunft lohne, werde schon jetzt gesehen, denn die Nachfrage nach diesen Nahrungsmitteln sei hoch. Zum Beispiel beim Öko-Ingwer verdienen die Landwirte etwa ein Drittel mehr.Klaus Griesbach weist darauf hin, dass die Europäer die Kompostwirtschaft von China erlernte, dass Wissen darüber im Ursprungsland während der Regierung von Mao Tse-tung verloren ging und der chinesische Anbau und der regionale Markt für Bio-Produkte sich, weil sie relativ teuer seien, nur langsam entwickle. Genau wie in anderen Ländern (Die grüne Woche in Berlin und der Dioxinskandal), habe aber eine Reihe von Lebensmittelskandalen die Kaufbereitschaft für Bio-Lebensmittel erhöht. Antibiotika in Export-Garnelen habe etwa die mangelnde Lebensmittelsicherheit in China ins Zentrum des internationalen Interesses gerückt. Griesbach freut sich, dass in Peking der Kauf von Bio Lebensmitteln erleichtert wird, denn es gibt in Supermärkten schon erste Verkaufsecken für Bioprodukte.

Kritiker sehen den Bioanbau nicht ganz so rosig. Sie vermuten, dass etwa zehn Prozent der Biofarmen des Landes Mängel beim Anbau von Bio-Lebensmitteln haben. Dem widerspricht Bin Qiushi, Inspektor für die deutsche Prüfgesellschaft BCS Öko. Er kontrolliert Chinas Exporteure ob sie die EU-Bio-Vorgaben einhalten und zertifiziert die Betriebe mit den entsprechenden international anerkannten Prüfsiegels. Es sei beabsichtigt, da der bürokratische Aufwand hoch sei, so Xu, dass China die Ware lokal zertifizieren könne. Die Voraussetzungen dafür seien geschaffen, denn China hat, seit dem Jahr 2005 ein eigenes Öko-Label, dass sich an den Vorgaben von IFOAM orientiert.

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Infoquelle: Bericht von Martin Kühl in der Financial Times Deutschland,Herr Xu, Geschäftsführer von Kaize Organicund Klaus Griesbach, Berater für Organic Farm, Peking,sprechen über den Öko Anbau in China.

F.H. Kind: 4.000 Jahre Landbau in China, Korea und Japan, OLV-Verlag 2005, 255 Seiten, 18 Euro

Online-Redakteurin, Gerlinde Ahrend, Gerlinde Ahrend

Gerlinde Ahrend - Ich bin Journalistin, Online-Redakteurin und Autorin, mit eigenem Journalistenbüro In der Vorbereitung meiner Ausbildung zur ...

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