China boykottiert deutsche Ausstellung in Peking

Peking: Tor des himmlischen Friedens - Foto by Dieter Schütz (pixelio.de)
Peking: Tor des himmlischen Friedens - Foto by Dieter Schütz (pixelio.de)
Das chinesische Regime scheint die Austellung "Kunst der Aufklärung" im Pekinger Nationalmuseum totschweigen zu wollen.

Die Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ wurde Anfang April 2011 in Peking eröffnet. Diese größte und teuerste Ausstellung Deutschlands im Ausland befindet sich im chinesischen Nationalmuseum am Tian’amem-Platz, wo 1989 eine studentische Demokratiebewegung brutal durch das Regime beendet wurde. Zwischen 300 und 3.000 Menschen kamen damals bei der Niederschlagung des Aufstands in Peking ums Leben. Im Jahr 2011 steht auf dem „Platz des himmlischen Friedens“ noch immer ein Monumentalpoträt des lächelnden Maos, dem nachgesagt wird, dass er der größte Massenmörder des 20. Jahrhunderts sei.

"Kunst der Aufklärung" wird kaum besucht

Anlässlich der Ausstellungseröffnung sollte der Sinologe Tilman Sprengler die Hauptrede halten. Doch dazu kam es nicht, denn ihm wurde mit der Begründung, dass er kein Freund des chinesischen Volkes sei, die Einreise verweigert. Kurz darauf wird Ai Weiwei, ein prominenter Konzeptkünstler, der bekannt für seine regimekritische Einstellung ist, verhaftet.

Die Ausstellung wird von der Veranstaltungsreihe „Aufklärung im Dialog“ begleitet und wer dort Reden halten darf, wird von der Kommunistischen Partei Chinas bestimmt. Die in der Veranstaltungsreihe enthaltene deutsche Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ wurde am 01. April von Außenminister Guido Westerwelle eröffnet. Sie umfasst 600 Werke der Staatlichen Museen zu Berlin, Dresden und München. Insgesamt kostet sie den deutschen Steuerzahler zehn Millionen Euro. Doch die Besucher interessieren sich nur für ein anderes Aufklärungsprojekt: „Der Weg zur neuen Blüte“. Dies ist eine patriotische Erziehungsmaßnahme, die vom chinesischen Ministerium entworfen wurde. Diese volksrepublikanische Ausstellung soll die Beziehung zur Kommunistischen Partei festigen. Sie wird täglich von tausenden Chinesen besucht. Die „Kunst der Aufklärung“ hingegen findet kaum Beachtung, weil sie im Gegensatz zu den anderen Ausstellungen Eintritt kostet und nur unzureichend bis gar nicht beworben wird. Deutschland macht einerseits dadurch, dass die Ausstellung, die ein kunsthistorisch solides Konzept hat und das Wort „Aufklärung“ in ihrem Titel verwendet, zwar einen Kotau, doch andererseits steht „Aufklärung“ auch für Humanität, Emanzipation, Handlungsfreiheit und Vernunft des Einzelnen und somit im klaren Widerspruch zum chinesischen Regime. Dieses legt besonders großen Wert auf Kommunismus und gibt für die Staatssicherheit mehr aus als beispielsweise für die Außenverteidigung.

Streit um die deutsche Kunstausstellung in Peking

Diese Kontroversen führen zur Diskussion darüber, ob angesichts der jüngsten, chinesischen Handlungen die deutsche Ausstellung im Pekinger Nationalmuseum vorzeitig beendet werden soll. Dazu erklärt der kulturpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Reiner Deutschmann, am 19. April 2011, dass ein Abbruch kontraproduktiv sei, denn China habe eine andere gesellschaftliche und kulturelle Tradition. "Die Ausstellung ist", so Deutschmann, "ein Angebot an die chinesische Bevölkerung zur Auseinandersetzung mit unserer Kultur und unserem über die Jahrhunderte gewachsenen Demokratieverständnis." Die auf ein Jahr angelegte Ausstellung sollte nicht nur aus europäischer oder deutscher Sicht beurteilt werden. Dennoch plädieren zahlreiche Stimmen dafür, die Ausstellung vorzeitig zu schließen, um sich nicht von dem ökonomisch starken China kulturpolitisch an der Nase herumführen zu lassen.

Quellen und weiterführende Informationen: Pressemitteilung der FDP vom 19.04.2011, Mutlos, aber dafür kreuzbrav, Von Aufklärung keine Spur, Pokern in Peking

Maria Vieira, Maria Vieira

Maria Vieira - Maria Vieira bietet seit 2007 einen Schreibdienst in Leipzig an. Zu ihrem Leistungsangebot gehört die Erstellung und das Lektorieren ...

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