Chinas Minderheitenvölker: Die Li-Minorität

Li-Frau mit Tätowierungen, 2010 - Laura Schmitt
Li-Frau mit Tätowierungen, 2010 - Laura Schmitt
Die Li sind eine der 55 Minderheitenvölker Chinas mit eigenen Traditionen wie dem Bambusstab-Tanz und dem Tätowieren, doch woher stammen diese Riten?

Die Li-Minorität gilt als die Ureinwohner der Insel Hainan an der Südspitze Chinas, von den Chinesen auch der „Schwanz des Drachen“ genannt. Vor etwa 2000 Jahren migrierten die Li aufgrund der Verdrängung vom Festland durch die Han-Bevölkerung auf die Insel und sind heute nur noch hier zu finden. Die Minorität unterteilt sich noch einmal in fünf verschiedene Stämme mit leicht unterschiedlichen Traditionen.

Religion der Li

Das Volk der Li betrieb vor der Zentralisierung durch die chinesische Regierung Schamanismus und Ahnenglaube, die eng verflochten waren mit ihrer Musik, Weberei und Tätowierungsriten. Der Schamane eines Dorfes war in der Lage, mit den Geistern und Vorfahren zu kommunizieren und galt als Verbindung zwischen der irdischen und der spirituellen Welt. Der Schamane konnte den Sieg im Kampf und bei der Jagd sowie die Heilung von Krankheiten sicherstellen, indem er den Geistern und Ahnen regelmäßige Opfer darbot.

Musik der Li

Auch in ihrer Arbeit blieben die Ureinwohner Hainans spirituell. Die Li-Frauen, die auf dem Feld arbeiteten, sangen zu den Göttern. Ihre Lieder sollten die Götter besänftigen, da ihre Erde aufgegraben wurde. Die Musik wurde von den Li jedoch nicht nur als eine Form der Kommunikation mit den Göttern der Ernte gesehen, sondern auch als eine Art, ihrer Ahnen zu gedenken und sie zufrieden zu stellen.

Weberei der Li

Besonders berühmt sind die Frauen des Li-Stammes für ihre Webkunst. Laut geschichtlicher Aufzeichnungen können sie inzwischen auf 2000 Jahre an Erfahrung in der Technik des Webens zurückgreifen. Ihre Webereien waren von so hoher Qualität und von solch einer Schönheit, dass sie in der Kaiserzeit, beginnend mit der Han-Dynastie, den Kaisern mehrerer Dynastien als Tribut geschenkt wurden. Die Webereien des Stammes sind jedoch nicht nur optisch sehr ansprechend, sondern ebenfalls sehr praktisch und stellen nicht zuletzt eine Repräsentation ihrer Ethnie dar. Vermutungen zufolge war an der selbst gewebten Kleidung einer Frau sogar ihre Zugehörigkeit zu Dorf, sozialem Status sowie Familie erkennbar.

Bambusstab-Tanz: Der Tanz der Li

Eine der interessantesten Folklore und Traditionen ist sicherlich der traditionelle Tanz der Li. Entstanden in der Region des heutigen Sanya, die südlichste Stadt der Insel, bestand der Sinn des Tanzes darin, den Leichnam einer verstorbenen Person zu beschützen, Biester zu vertreiben oder die Ahnen an zu beten. Dieser Tanz ist auch als Bambusstab-Tanz bekannt, da mehrere Bambusstäbe entweder parallel zueinander oder überkreuzt auf Holzblöcke abgelegt werden. Jeweils zwei Stäbe werden dann von zwei Personen, die entweder gegenüber sitzen, in die Hocke gehen oder aufrecht stehen, gehalten und immer wieder zusammen und auseinander bewegt. Das Zusammenprallen des Stabes mit dem Holz erzeugt einen lauten Knall ähnlich eines Trommelschlages, wodurch ein Rhythmus entsteht, zu dem getanzt wird.

Die TänzerInnen springen zwischen den sich öffnenden Stäben zum Takt hin und her und müssen aufpassen, dass ihnen nicht die Füße eingequetscht werden. Bei den begabteren TänzerInnen werden die Bambusstäbe sogar nicht nur parallel zum Boden, sondern zusätzlich übereinander gehalten und abwechselnd überkreuzt, dann geöffnet, sodass die TänzerInnen hindurch springen müssen.

Tattoos der Li-Bevölkerung

Obwohl sich auch Männer aus medizinischen Gründen drei blaue Ringe am Handgelenk tätowieren ließen, war das Tätowieren bei den Frauen des Stammes mehr verbreitet. Jeder Stamm, und manchmal einzelne Familien, tätowierte unterschiedliche Motive, wodurch die Zugehörigkeit zu Dorf, sozialer Status sowie Identität einer Frau allein an ihren Tätowierungen erkennbar war.

Die älteren Frauen des Stammes fungierten als Tätowiererinnen, die Mädchen im Alter von 13 bis 14 Jahren in einer vier- bis fünftägigen Prozedur Nacken sowie Gesicht und Hals als Zeichen des Erwachsenwerdens mit Symbolen tätowierten. In den darauf folgenden drei Jahren wurden auch Arme und Beine der Mädchen mit Tätowierungen versehen, die Hände wurden nur tätowiert, wenn eine Frau verheiratet war. Unterbrochen wurde der Vorgang nur durch einen Todesfall in der Familie. In manchen Stämmen verliefen die Motive über das Kinn den Hals herunter bis zum Bauchnabel. Verwendet wurde Chinesische Tinte, die mit einem Dorn unter die Haut gestochen wurde.

Bedeutung der Tätowierungen der Li

Die Tätowierungen einer Frau hatten mehrere Funktionen. Zum einen zeigten sie, dass die Frau nun heiratsfähig war. Tätowierungen wurden jedoch auch als eine Verschönerung des Körpers angesehen. Als letztes sollten die Tätowierungen als eine Art Wegweiser im Reich der Toten dienen, da es den Ahnen möglich sein sollte, eine Frau an ihren Tätowierungen wieder zu erkennen. Tätowieren war für die Li-Bevölkerung somit ein kulturelles Ritual, das Religion und Natur verband.

Heutzutage findet man diese Form der traditionellen Tätowierungen nur noch selten bei den ältesten Dorfbewohnerinnen, da aus Gründen der Gesundheit und der Schmerzhaftigkeit des Prozesses die jungen Frauen heutzutage nicht mehr tätowiert werden.

Die Li-Minderheit heute – das Binlanggu Reservat

Ein starker landwirtschaftlicher Verfall führte beinahe zur Ausrottung der Li. Da Hainan heute jedoch nicht mehr die abgeschottete Wildnis von Einst ist, besteht eines ihrer Haupteinkommen heute im Tourismus. Auf der Insel gibt es heute noch Li-Dörfer, die sich auf die Touristen vom Festland und von außerhalb eingestellt haben. Ein Beispiel ist das Binlanggu Reservat. Solche Dörfer werden vom Stamm bewohnt und dienen gleichzeitig tagsüber als Besichtigungsstätte mit Führungen sowie Vorführungen traditioneller Tänze und Musik. Die Touristen erhalten interessante Informationen über Religion, Jagd, Weberei und Kultur der Li.

Außerdem kann sich der Abenteuerlustige über einen Abgrund hinweg schwingen oder im angrenzenden Regenwald den Berg besteigen. In Binlanggu ist im Dorf der Li noch ein weiteres kleineres Dorf der Miao-Minderheit integriert, die zweite Minderheit auf der Insel, die den Reisenden mit Feuervorführungen und ihrem Volkstanz beeindrucken.

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Laura Nutchey, Laura Helen Schmitt

Laura Helen Schmitt - Ich bin derzeit 23 Jahre alt und habe schon während der Schulzeit gerne meiner Kreativität im Schreiben freien Lauf gelassen, ob ...

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