Chinesisches Neujahrsfest

Jahr des Tigers begann am 14. Februar 2010 - Peggy Richter
Jahr des Tigers begann am 14. Februar 2010 - Peggy Richter
Das Jahr des Hasen beginnt am 3. Februar 2011. Die Planungen für das chinesische Neujahrsfest sind in vollem Gange - nicht nur in China.

Das chinesische Neujahrsfest, auch Frühlingsfest genannt, ist ein Jahrtausende alter Brauch, der noch auf Naturreligionen zurückzuführen ist. Es basiert auf dem Sonnen- und Mondkalender und fällt jedes Jahr zwischen Mitte Januar und Mitte Februar. Das Fest ist ein Symbol für den Neuanfang. Entsprechend werden in den Tagen zuvor der Schmutz des alten Jahres aus der Wohnung gefegt, ausgiebige Bäder genommen und Haare geschnitten. Viele Menschen kaufen neue Möbel oder Kleidung. Die Häuser werden mit Papierrollen, Bildern und anderen Glücksbringern geschmückt, um böse Geister fernzuhalten und das Glück ins Haus zu locken. Vor allem aber müssen Vorräte gekauft und Speisen zubereitet werden, denn das Neujahrsfest ist die einzige Zeit des Jahres, in der die Läden geschlossen bleiben und arbeiten verpönt ist. Allerdings wird dieser Brauch nicht mehr auf die gesamten 15 Festtage angewendet. Die meisten Läden öffnen bereits wieder am 3. Tag des neuen Jahres. Die Feiertage werden genutzt, um Familie und Freunde zu besuchen und die Götter um Glück und Wohlstand zu bitten. Auch die Ehrung der Vorfahren spielt eine große Rolle bei den Ritualen.

Chinesische Emigranten haben das Fest weltweit bekannt gemacht

Es gibt über 1,2 Milliarden Chinesen auf der Welt, davon leben schätzungsweise 40 Millionen außerhalb Chinas. Die meisten chinesischen Emigranten leben in benachbarten asiatischen Ländern, wie Indonesien, Malaysia, Thailand und Singapur. Innerhalb Asiens hat die Emigration eine lange Geschichte, und in vielen Ländern haben sich die eingewanderten Chinesen mit der lokalen Bevölkerung vermischt, so dass neue Kulturen entstanden, die Aspekte beider Ursprungskulturen verbanden. Seit dem 19. Jahrhundert emigrierten viele Chinesen nach Amerika, Australien und Europa. Die Integration in diesen Ländern war weniger stark ausgeprägt als innerhalb Asiens. Die Immigranten blieben vorzugsweise unter sich, und in Großstädten bildeten sich separate Stadtteile, sogenannte Chinatowns, in denen viele Chinesen lebten und arbeiteten. Aber auch dort entwickelte sich die Kultur weiter, westliche Sitten wurden zunehmend angenommen und veraltete Traditionen aufgegeben. Allerdings hatten die Chinesen nie eine einheitliche Tradition, denn Bräuche variierten selbst innerhalb Chinas zwischen den Regionen. Eines aber verbindet alle Chinesen – in der Heimat wie im Ausland – das chinesische Neujahrsfest ist das wichtigste Fest des Jahres. Und so werden zu dieser Zeit überall auf der Welt rote Lampions aufgehängt, Räucherstäbchen gekauft und Dumplings (eine Art gefüllte Klöße oder Teigtaschen) zubereitet.

London veranstaltet größtes Neujahrsfest außerhalb Asiens

Das größte Neujahrsfest außerhalb Asiens findet in London statt. Im Vergnügungsstadtteil Soho liegt Chinatown mit seinen kleinen Läden und Restaurants zwischen den U-Bahn-Stationen Piccadilly Circus und Leicester Square. Jedes Jahr werden zum Neujahrsfest Buden in den Straßen Chinatowns aufgebaut, wo man chinesische Gerichte oder Kunsthandwerk kaufen kann. Straßenkünstler führen Drachentänze auf. Das obligatorische Feuerwerk zur Abschreckung böser Geister steigt am Leicester Square. Und auf dem Trafalgar Square gibt es ein Bühnenprogramm mit chinesischen Tänzen und Opern. Das chinesische Neujahrsfest in London begeistert nicht nur Chinesen. Die multi-kulturellen Londoner genießen das exotische Spektakel genauso wie Touristen. Das Jahr des Hasen beginnt am 3. Februar 2011. Das Londoner Neujahrsfest steigt am darauffolgenden Sonntag, den 6. Februar 2011.

Berliner Hauptbahnhof lädt zur Kostprobe chinesischer Kultur ein

In Deutschland wurden chinesische Immigranten während der Nazizeit verfolgt und chinesische Wohn- und Kulturstätten zerstört. Nach Ende des Krieges gab es zwar Verbindungen zwischen Ostdeutschland und China, aber der kulturelle Austausch stand dabei nicht im Vordergrund. Heute leben in Deutschland über 100.000 Chinesen und China ist ein wichtiger Handelspartner. Um den Zeichen der Zeit zu folgen, wird seit vier Jahren das chinesische Neujahr im Berliner Hauptbahnhof begrüßt. Neben einem traditionellen Kunsthandwerksmarkt im Bahnhofsgebäude gibt es am Ausgang Washingtonplatz eine große Bühnenshow und Feuerwerk. Wer also eine Kostprobe dieser exotischen Kultur bekommen möchte, ohne gleich einen langen Flug zu buchen, hat in dieser Zeit die Gelegenheit fast vor der Haustür.

Peggy Richter, Peggy Richter

Peggy Richter - Als Finanzanalystin konnte ich 15 Jahre lang Erfahrungen mit sehr vielen Bank- und Finanzprodukten sammeln. Meine Bankausbildung, das ...

rss