
- Christa Maerker - Elizabeth Taylor, Richard Burton - Propyläen Verlag
Wer über Liz Taylor schreibt, kommt an Richard Burton nicht vorbei. Die beiden Stars waren zweimal verheiratet und ihre leidenschaftliche Beziehung war Topthema der Boulevardpresse. Was liegt da näher, als eine Doppelbiografie zu schreiben. Christa Maerker hat sich schon mit der Doppelbiografie über Marilyn Monroe und Arthur Miller als Expertin für schwierige Liebesbeziehungen empfohlen. Mit Ironie, Einfühlsamkeit und Blick fürs Relevante nimmt sie das Paar Taylor und Burton unter die Lupe. Maerker schafft das Kunststück, auf nur 352 Seiten zwei komplette Leben darzustellen. Sie beschränkt sich auf die wichtigsten Stationen, die die Charaktere der beiden prägte und blickt ausführlicher auf die Lebensabschnitte, die die Beziehung der beiden definierten.
Wir haben uns verzweifelt geliebt: Szenen einer Ehe öffentlich und im Film
Das Buch beginnt mit der Liebesgeschichte der beiden Stars am Set von „Cleopatra“. Christa Maerker beschreibt das Chaos vor und während der Dreharbeiten und die private Situation, in der sich die beiden Stars zu der Zeit befanden. Liz Taylor ist Amerikanerin, aus guten Verhältnissen, 28 Jahre alt und bereits zum vierten Mal verheiratet. Richard Burton stammt aus einem Arbeiterhaushalt in Wales, ist 35 Jahre alt, seit 14 Jahren mit seiner ersten Frau Sybil verheiratet. Liz Taylor ist seit ihrer Jugend ein Hollywoodstar. Richard Burton kämpft in Hollywood um die Anerkennung als Filmstar, auf der Bühne gilt er schon längst als einer der größten Theaterschauspieler seiner Zeit. Nach dem Ende der Dreharbeiten sind die Ehen zerbrochen und beide führen eine jahrelange, stürmische Beziehung, die die Schlagzeilen beherrscht. Sie sind unzertrennlich, in Liebe, Leben und Beruf. Von ihren gemeinsamen Filmen gilt „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ als beider schauspielerischer Höhepunkt und als Abbild ihrer Beziehung – sie hassen und sie lieben sich und kommen wie Süchtige nicht voneinander los.
Wir haben uns verzweifelt geliebt: Biografie als Extrakt von Erinnerungen
Wie in einer griechischen Tragödie erscheint das Zusammentreffen der beiden schicksalshaft und unausweichlich. Es wird der Auftakt zu einer leidenschaftlichen Beziehung mit großen Emotionen und dramatischen Auftritten, die fortan von Publikum und Presse weltweit verfolgt wird. Drei Versionen der schicksalshaften Begegnung gibt Christa Maerker wider und weist damit auf das Problem jeder Biografie hin: die Quellen sind auch nur subjektive Erinnerungen, keine objektiven Wahrheiten. „Alle bedienen sich bei allen - aber ein Extrakt bleibt, irgendwo stimmt er und behauptet eines: Schön war es, meistens jedenfalls.“ Christa Maerker filtert den Extrakt aus den Quellen, besonders stützt sie sich auf Melvyn Braggs, der Zugang zu Burtons Tagebüchern hatte. Christa Maerker legt nicht Wert auf Geschichtszahlen und detaillierte Aufzählung von Fakten. Sie entwirft in schnellem Tempo das Gesamtbild einer Zweierbeziehung, filtert aus den Quellen die Faktoren, die zu der speziellen Dynamik des Traum- und Alptraumpaars Burton/Taylor beitragen.
Wir haben uns verzweifelt geliebt: Traumpaar und Alptraumpaar
Trotz der vielen Gegensätze in Herkunft und Bildung ähneln sich Taylor und Burton charakterlich und ziehen sich magisch an. Ebenso heftig, wie sie sich lieben, streiten sie sich. Beide sind starke, egozentrische Persönlichkeiten voller Widersprüche. Der Arbeitersohn Burton hat sich autodidaktisch gebildet und ist ein sprachlicher Feingeist. Taylor ist Upper Class, wuchs behütet auf und bedient sich übelster Gossensprache. Sie bewundert Burtons Intellekt, er ist von ihrem Reichtum und Ruhm geblendet. Diamanten für Liz, Geschenke für die Familie und Freunde - beide sind großzügig und geben ihr Geld mit vollen Händen aus. Sie sind Familienmenschen und trotzdem rastlose Workaholics. Sie sind loyal und unterstützen sich gegenseitig beruflich. Taylor will einen dominanten Mann, aber lässt sich keine Vorschriften machen. Beide sind verrückt nacheinander und streiten sich mitleidslos. Mal sind sie unwiderstehlich charmant, mal unausstehlich beleidigend. Beide sind maßlos – mit Gefühlen, Geld und Alkohol. Taylor macht mehrere Entziehungskuren, Burton stirbt an den Spätfolgen seiner Alkoholexzesse.
Christa Maerkers Doppelbiografie: Stilistisch beeindruckend, thematisch konzentriert
13 Jahre waren Burton und Taylor ein Paar. Christa Maerkers beeindruckende Doppelbiografie stellt heraus, was die beiden einte, was sie trennte und was sie ihre Beziehung so einzigartig machte. Alle Höhen und Tiefen des Pärchens Burton/Taylor finden sich in „Wir haben uns verzweifelt geliebt“. Das Vorher und Nachher kondensiert die Autorin auf das Essentielle. Neben der aussagekräftigen Kürze der Doppelbiografie beeindruckt auch Maerkers Wortwitz, der ins Schwarze trifft. So schreibt sie über Larry Fortensky, Ehemann Nummer acht: „Er ist groß wie ein großer Schrank – und wie Elizabeth etwas eigen mit seinen Haaren. Er bevorzugt den Vokuhila…mit der Prollmatte im Genick“. John Warners Schicksal wird in folgenden Worten klar: „Ende 1976 heiratet sie den Bauern für die nächste Ewigkeit, füttert seine Hühner und Pferde und liebt das Land – bis sie es kennt.“ „Wir haben uns verzweifelt geliebt“ ist eine wunderbare Lektüre für Fans von Richard Burton und Elizabeth Taylor und für Liebhaber von Biografien.
Christa Maerker. Wir haben uns verzweifelt geliebt. Elizabeth Taylor und Richard Burton. Propyläen. November 2011. 352 Seiten. 19.99 €
