
- Cover: Das Christentum - Rowohlt
Christian Nürnberger, studierter Theologe und ist freier Autor. Er wurde 2005 durch seinen Roman "Die Bibel“, der ein Bestseller wurde, berühmt. Mit dem Buch "Das Christentum – Was man wirklich wissen muss“, liefert der gebürtige Bayer ein kompaktes Werk ab, das nicht nur lesenswert, sondern auch überaus informativ ist.
Anfänge und Fundamente des Christentums
Ganz zu Anfang seines Buches beschreibt Christian Nürnberger, dass das Werk für all jene gedacht ist, die sich noch nicht näher mit der Kirche oder dem Christentum beschäftigt haben oder eben jenes wieder tun wollen.
Und so beginnt das Buch tatsächlich ganz am Anfang. Es wird das Leben und Wirken von Abraham beschrieben und damit der lange und steinige Weg, der schlussendlich nicht nur im Christentum gemündet hat, sondern auch in der Gründung des Islams. Dabei wertet Nürnberger die Berichte aus, wie sie in der Bibel gegeben sind, aber auch wissenschaftliche Erkenntnisse und bringt somit Mythen und Fakten in ein verständliches Gleichgewicht.
Weiter geht es mit Jakob und Josef und all seinen Brüdern, bis hin zum dem Wendepunkt an dem sich das Judentum vom Christentum gespalten hat. Es wird ausführlich dargelegt, wie es zu dieser Spaltung kam und was die Hintergründe waren. Ist der erste Teil des Buches durchgearbeitet, was tatsächlich mehr einem Vergnügen denn Arbeit gleicht, hat der Leser ein Basis-Wissen von allen relevanten Geschehnissen bis hin zur Geburt von Jesus Christus.
2000 Jahre Christentum
Im zweiten Teil des Buches wird man an das Leben von Jesus herangeführt. Auch hier findet wieder eine kritische Beleuchtung von Gerüchten, Mythen und Fakten statt, was dem Buch aber keinesfalls den Stempel der unreflektierten Kritik aufdrückt, sondern eher im Licht einer wohlgemeinten Führung erscheint. Im weiteren Verlauf werden die Apostel abgehandelt bis hin zu Paulus, der in diesem Buch in seiner Rolle als Verkünder der Lehre richtig aufblüht.
Abgerundet wird das Ganze durch einen netten Exkurs durch die römische Geschichte und wie das Christentum auch hier den Sprung von einer Randgruppe bis hin zur Staatsreligion geschafft hat.
Kirche und Christentum
In den letzten beiden Teilen des Buches wird vor allem eine recht ernüchternde Bilanz gezogen, die weder das zeitgenössische Christentum, noch die Kirche als institutioneller Apparat besonders gut dastehen lässt. Ebenfalls wird ein Ausblick in die Entwicklung des Christentums im 21. Jahrhundert gewagt, mit allen möglichen Stolperfallen und Hindernissen, die da kommen mögen. Wie in den Anfängen des Buches, hat man das unbestimmte Gefühl, dass das Buch, obwohl es durchweg gut recherchiert ist, eine kritische Unternote hat. Dies erscheint allerdings zu keinem Zeitpunkt unangebracht oder überzogen. Wer aber erwartet einen konstant positiven Leitfaden zu erhalten, der das Christentum in einem guten Licht erscheinen lässt, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Allen anderen kann man dieses Buch nur wärmstens empfehlen, da es sich vom Gros ähnlicher Literatur erfreulich abhebt und zudem noch einen gewissen Unterhaltungswert besitzt.
Christian Nürnberger: Das Christentum – Was man wirklich wissen muss. Rowohlt-Verlag 2007. Gebunden, 302 Seiten. Euro 19,90.
