
- Christian von Alvensleben - Sonja Klimaschka
Christian von Alvensleben ist in Berlin vom Art Directors Club für sein Lebenswerk mit dem Goldenen Nagel, dem ADC-Oskar, ausgezeichnet worden. Ans Aufhören jedoch denkt der bekannte Fotograf noch lange nicht. Seine aktuelle Ausstellung „GötterBäume MeeresFrüchte“ ist noch bis zum 17. Januar 2010 in der Lübecker Kunsthalle St. Annen zu sehen.
Alte Olivenbäume und Wohlstandsmüll aus dem Meer - Kunstausstellung in Lübeck
Uralte Olivenbäume stehen dabei in mitreißendem Kontrast zu Fotografien von modernem Wohlstandsmüll, dem das Meerwasser eine neue Schönheit verliehen hat. Im Kellergeschoss ist zeitgleich das „Apokalyptische Menu“ zu sehen, für das der Fotokünstler 1993 den Grand Prix bekam.
Mustang-Chef Sefranek lobte in seiner Laudatio von Alvenlebens freie Kreativität
Mustang-Chef Heiner Sefranek, mit dem von Alvensleben über Jahre zusammen arbeitete, hielt in Berlin die Laudatio.„Du machst nicht, was jemand möchte; du brauchst viel Freiraum. Aber wer dir zuhört, wird verstehen, was du willst.“ Mit diesen Worten fasste Helga von Alvensleben Sefraneks Rede zusammen. Sie bildet mit ihrem Mann ein starkes Team, macht die Organisation, liefert viele Ideen.
Mit einer Kodak Box aus dem Care Paket erste Aufnahmen für die Schülerzeitung
Im Alter von 11 Jahren hielt von Alvensleben eine Kodak Box in den Händen, die in einem Care Paket lag. Ein Lehrer ermutigte ihn, erste Aufnahmen zu machen - auch für die Schülerzeitung.
Hubert Fichte bei der Landarbeit fotografiert, in Deichtorhallen präsentiert
Kurz vor dem Abitur verbrachte er Zeit in der Provence, um seine Französischkenntnisse zu verbessern. Dort traf er auf den Schriftsteller Hubert Fichte und fotografierte ihn bei der Landarbeit. Er sah ihn nur dieses eine Mal. 40 Jahre später wurden die Aufnahmen in den Deichtorhallen ausgestellt. Mit dessen Mitbegründer F. C. Gundlach, Fotograf und Galerist, ist von Alvensleben seit Jahrzehnten befreundet.
Schauspieler Edgar Selge in Kohlblättern und die nackte Dicke unterm Sonnenschirm
Wer Ausstellungen oder die Galerie auf der Homepage des Fotografen durchstreift, entdeckt einzigartige Bilder. Für das Magazin der „Stern“ fotografierte von Alvensleben Prominente mit ihren Lieblingsgerichten. Sie einfach mit dem Teller in der Hand zu zeigen, kam nicht in Frage. Er wickelte den Kopf des Schauspielers Edgar Selge in Kohlblätter, bevor er ihn fotografierte. Ebenfalls für den „Stern“ tauchte er einen Frauenkopf in Schokolade. Aus der süßen braunen Haut leuchteten die hellblauen Augen und eine himbeerfarbene, schleckende Zunge dramatisch hervor. Bilder, die man ebenso wie den in einen rohen Fisch beißenden Mann oder die berühmte Dicke unterm Sonnenschirm nicht vergisst.
Analoge Fotografie als unveränderliche Dokumente - nicht nur für Mercedes
Von Alvensleben arbeitet grundsätzlich analog. „Für mich ist ein Foto ein Dokument, das sollte es auch bleiben.“ Folgerichtig gibt es keinerlei Bearbeitungen. Das Bild wird sorgfältig geplant, arrangiert, vorbereitet. Und dann: Klick! Auf diese Weise entstanden Fotos wie das seiner Hündin Zita, die, auf einem weißen Spitzenkissen lagernd, einen Autoschlüssel bewacht. Mercedes hatte für Werbeaufnahmen seiner S-Klasse viele berühmte Fotografen gefragt. Von Alvensleben macht ein Bild, das überzeugte.
Mode- und Werbeaufnahmen, Fotoreportagen, eigene Projekte über Grenzen hinaus
Wichtig ist dem Fotografen, auch unter ethischen Gesichtspunkten immer das richtige Bild zu machen. Er machte Mode- und Werbeaufnahmen, Fotoreportagen sowie eigene Projekte. In den letzten Jahren erlaubt von Alvensleben sich den Luxus, nur noch seine eigenen Ideen zu verwirklichen. „Es gibt unendliche viele Möglichkeiten, ein Bild zu machen“, sagt er. „Nach Jahrzehnten beherrsche ich die Technik und kann nun ein Feuerwerk an Ideen abbrennen. Ich gehe bis an die Grenzen. Und darüber hinaus.“
