Christian Wulff: Die Biografie des ehemaligen Bundespräsidenten

Christian Wulff - der neue Bundespräsident - Niedersächsische Staatskanzlei
Christian Wulff - der neue Bundespräsident - Niedersächsische Staatskanzlei
Christian Wulff war von Juni 2010 bis Februar 2012 Bundespräsident, der Wunschkandidat von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Vita des Juristen und Politikers.

Sein bisheriger Lebenslauf liest sich wie der eines klassischen Berufspolitikers. Christian Wulff war bereits als Teenager in der Schüler-Union aktiv und ist nun Bundespräsident. Am dritten Tag nach dem Rücktritt Horst Köhlers aus dem höchsten Staatsamt in Deutschland verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 3. Juni 2010 zusammen mit ihren beiden Kollegen im Parteivorsitz, Horst Seehofer (CSU) und Guido Westerwelle (FDP), dass der niedersächsische Ministerpräsident Wulff nun der Kandidat der Koalition für die Wahl des neuen Bundespräsidenten am 30. Juni sei. Diese Wahl hat der Kandidat aus Niedersachsen gewonnen. Weniger überraschend als seine Nominierung war der unrühmliche Abgang von Wulff am 17. Februar 2012.

Kindheit und Jugend: Wulff pflegte seine kranke Mutter und sorgte für die kleine Schwester

Am 19. Juni 1959 wurde Christian Wulff in Osnabrück geboren. Der Katholik besuchte zunächst die Elisabethschule und dann das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Osnabrück, an dem er auch 1980 sein Abitur machte. Während der Jugend sorgte er für die 1975 im Alter von 46 Jahren an multipler Sklerose erkrankte Mutter Dagmar und seine neun Jahre jüngere Schwester Natascha, da die Eltern sich bereits nach zwei Jahren Ehe scheiden ließen.

Das Jurastudium und die zwei Ehen von Christian Wulff

An der Universität der Stadt Osnabrück absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaft mit wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt. Hier lernte Wulff auch seine erste Frau Christiane -ebenfalls Juristin- kennen, die er 1988 heiratete. Die Scheidung der beiden wurde im Frühjahr 2008 wirksam. Aus dieser ersten Ehe ging Tochter Annalena (geboren 1993) hervor. Seit 2008 ist er erneut und diesmal mit der protestantischen Pressereferentin Bettina (geborene Körner) verheiratet, die bereits einen Sohn in die Beziehung mitbrachte und mit der er auch einen gemeinsamen Sohn, den zweijährigen Linus Florian hat. 1990 wurde Christian Wulff erstmals als Rechtsanwalt tätig, übt den Beruf allerdings derzeit gemäß der Verfassung nicht aus.

Die politische Karriere: Ein langer Weg zum Amt des Ministerpräsidenten in Niedersachsen

Bereits 1975 arbeitete Christian Wulff in der Schüler-Union mit, deren Bundesvorsitzender er mit 18 wurde und bis zum Abitur blieb. Gleichzeitig engagierte sich der Jungpolitiker in der Jungen Union (1979 bis 1983 Mitglied des JU-Bundesvorstandes). Außerdem war er bereits Mitglied im CDU-Landesvorstand, von 1978 bis 1980 sogar schon im Bundesvorstand der Partei. 1994 trat Wulff erstmals als Spitzenkandidat gegen den damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder (SPD) an und steckte eine bittere Niedrlage ein. Auch vier Jahre später verlor er die Landtagswahlen. Nachdem die CDU allerdings auch im selben Jahr die Bundestagswahlen gegen Gerhard Schröder verloren hatte, rückte der niedersächsische Parteivorsitzende erneut in den Bundesvorstand auf und wurde einer der vier Stellvertreter des neuen CDU-Chefs Wolfgang Schäuble. 2003 -im dritten Anlauf- gewann Christian Wulff die Landtagswahlen in Niedersachsen gegen Sigmar Gabriel und wurde dort Ministerpräsident. Auch 2008 gewann er die Landtagswahlen und blieb im Amt.

Die frühe Krönung einer politischen Karriere: Das Amt als Deutscher Bundespräsident mit 51 Jahren

Auch bundespolitisch spielt Wulff spätestens seit seiner Berufung in den CDU-Bundesvorstand 1998 (bis heute) eine wichtige Rolle. Neben seinen Amtskollegen Roland Koch (Hessen) und Peter Müller (Saarland) wurde er immer wieder gern als Ministerpräsident für landespolitische Wahlkämpfe gebucht und galt nach dem angekündigten Rückzug von Koch und der Wahlniederlage von Jürgen Rüttgers (Nordrhein-Westfalen) als letzter parteiinterner Konkurrent von Kanzlerin Angela Merkel. Insofern schien die Benennung vom 3. Juni 2010 zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten auch ein innerparteilicher Schachzug der CDU-Bundesvorsitzenden zu sein. Wulff trat am 30. Juni 2010 gegen den von SPD und Grünen nominierten Joachim Gauck an, der keiner Partei angehört. Die LINKE nominierte außerdem Luc Jochimsen als eigene Kandidatin, die allerdings als chancenlos galt. Nach der Wahl des Niedersachsen Christian Wulff zum Bundrespräsidenten im dritten Wahlgang mit 625 von 1242 Stimmen stand als Nachfolger für das Amt des Ministerpräsidenten David McAllister zur Verfügung.

Der unrühmliche Abgang von Christian Wulff: Sein Rücktritt im Februar 2012

Nach monatelangen Anschuldigungen in den Medien und dem Antrag der Staatsanwaltschaft in Hannover beim Deutschen Bundestag, seine Immunität aufzuheben, um ein Ermittlungsverfahren gegen den Anfangsverdacht der Vorteilnahme des Bundespräsidenten in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident einzuleiten, trat Christian Wulff am 17. Februar 2012 von seinem Amt zurück.

Lesen Sie gern auch einen Artikel zu den Wahlergebnissen, den zusammenfassenden Artikel über die drei Kandidaten, sowie einen weiterführenden Beitrag über Joachim Gauck bei Suite101.

Helmi Schäfer, fotografiert von Nils Wiemer Wiemers

Helmi Schäfer - Journalist seit 1987Hörfunk- und FernsehredakteurMultimediaPolitologe & Producerseit Januar 2008 bei ...

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