Christian Wulff soll neuer Bundespräsident werden

Christian Wulff ist der Kandidat der schwarz-gelben Regierung. Joachim Gauck der Gegenkandidat der SPD und der Grünen.

Nachdem tagelang die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen als Nachfolgerin des mit einem Paukenschlag zurückgetretenen neunten Bundespräsidenten Horst Köhler gehandelt wurde, haben die Parteivorsitzenden der schwarz-gelben Regierungskoalition, Angela Merkel, Guido Westerwelle und Horst Seehofer, jetzt den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff zu ihrem Kandidaten gekürt. Der 50-jährige Jurist aus Osnabrück kann auf eine lange politsche Laufbahn zurückblicken. Er war schon Vorsitzender der Schülerunion seiner Partei, der CDU. Ziemlich viel Stehvermögen hat er zumindest bewiesen, denn er war neun Jahre lang Oppositionsführer im niedersächsischen Landtag, nachdem er die Wahl gegen Gerhard Schröder um das Amt des Ministerpräsidenten verloren hatte.

Was zeichnet Christian Wulff aus?

Aufgrund seiner langen Erfahrung in verschiedenen politischen Ämtern und Funktionen, er ist auch einer der stellvertetenden Vorsitzenden seiner Partei, kennt er sich natürlich auf der politischen Bühne aus. Er ist ein eher ausgleichender Typ und hat bisher wenig Angriffsflächen geboten. Mit seiner vor einiger Zeit in der Presse kolportierten Äußerung, er würde sich das Amt des Bundeskanzlers nicht zutrauen, hat er damals einige Verwunderung ausgelöst. Man war sich nicht sicher, ob das Ehrlichkeit, Koketterie oder Taktik war. Jedenfalls würde er bei seiner Wahl zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland zunächst einmal als ernstzunehmender Rivale der Kanzlerin ausfallen.

Christian Wulff vermittelt zwar auf seiner Homepage den Eindruck eines Denkers, denn sonst würde er nicht unter der Rubrik Philosophie etliche Zitate von Geistesgrößen bringen. Ob er jedoch selbst zu wichtigen Themen als Bundespräsident große Reden zu formulieren und zu halten in der Lage ist, wird er erst noch beweisen müssen. Auch ob er wirklich die gravierenden Probleme unserer Zeit noch überparteilich und mit dem notendigen Abstand erkennen kann, muss die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall macht er sicherlich bei Repräsentationsaufgaben eine gute Figur, und ob er tatsächlich mit der Aufgabe wächst und die notwendigen Worte findet, wird abzuwarten sein.

Was sagt die Opposition zu dem Kandidaten?

Natürlich sind die Sozialdemokraten, die Grünen und die Linken mit dem Favoriten des schwarz-gelben Lagers nicht einverstanden. Sie wittern in ihm einem Mann, der zwar nicht aus dem Kabinett von Angela Merkel kommt, aber doch ein Parteikandidat ist, der keine neuen Impulse setzen kann. Sie haben deshalb mit Joachim Gauck einen Gegenkandidaten für das Amt des Bundespräsidenten aufgestellt. Joachim Gauck ist siebzig Jahre alt, ein ehemaliger evangelischer Pfarrer aus Rostock und ein mutiger Mann in der Zeit der DDR-Diktatur. Er war Mitbegründer des Neuen Forums und ist nach der Wende als Leiter der sogenannten Gauck-Behörde, die für die Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit eingesetzt wurde, bundesweit bekannt geworden.

Joachim Gauck ist sicherlich ein eloquenter und kluger Kopf mit der Gabe des Wortes. Doch wie die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung nun einmal liegen, die am 30. Juni den neuen Bundespräsidenten zu wählen hat, düfte zumindest aus heutiger Sicht Christian Wulf die größeren Chancen eingeräumt werden, ins Schloß Bellevue einzuziehen.

Joachim Kath, Joachim Kath

Joachim Kath - Neben meinem Brotberuf als Strategy Consultant habe ich als freier Journalist und Buchautor gearbeitet. Ein Dutzend meiner Sachbücher ...

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