
- Der deutsche Autor Christoph Hardebusch - Casjen Klosterhuis
Christoph Hardebusch wurde 1974 in Lüdenscheid geboren und lebt heute mit seiner Frau in Heidelberg. Mit seinen Troll-Romanen gelang ihm der Durchbruch als Fantasy-Autor. Sein Buch „Die Werwölfe“ zeigt, dass er auch in der Mystery zuhause ist. Der moderne Schauerroman ist keine Schmonzette, sondern setzt sich fiktional mit den Anfängen des Werwolf-Mythos’ in der Literatur auseinander.
Suite101.de: Herr Hardebusch, wie kam es zu den „Werwölfen“?
Christoph Hardebusch: Ich hatte schon länger überlegt, nicht mehr nur Fantasy zu schreiben, sondern auch über andere Bereiche, die ich selbst gerne lese. Dazu zählt auch klassische Mystery.
Suite101.de: Die meisten Autoren wählen in so einem Fall Vampire …
Hardebusch: Ja, das ist richtig Aber zum einen gab es schon sehr viele Vampirromane und ich fand sie auch als Hauptthema nicht so spannend. Zum anderen mochte ich die englischen Schwarz-Romantiker wie John Polidori und die Shelleys und so kristallisierte sich langsam die Werwolf-Geschichte heraus.
Suite101.de: War die Vorliebe für die englischen Autoren auch der Grund, die Handlung im 19. Jahrhundert spielen zu lassen?
Hardebusch: Das war einer der Gründe, zum anderen bin ich sehr an Geschichte interessiert, und mich hat diese Zeit schon immer fasziniert.
Suite101: Sie haben einige Ihrer Quellen im Buch genannt. Wie hoch war der Rechercheaufwand?
Hardebusch: Anfangs habe ich ihn ein wenig unterschätzt. Denn obwohl ich über die Zeit und die Personen gut Bescheid wusste, kam ich schnell an einen Punkt, an dem ich Detailwissen brauchte. Wie wurde 1816 in Genf Licht gemacht? Wie war die politische Konstellation in der Stadt? Das Wissen über solche Dinge musste ich nachschlagen.
Suite101.de: War das die größte Umstellung nach den Fantasy-Romanen, in denen Sie Ihre eigene Welt entwickeln konnten?
Hardebusch: In der Fantasy war es wirklich anders. Zwar muss man da auch über viel Wissen verfügen oder Dinge recherchieren, um ein stimmiges Bild zu schaffen, aber niemand würde sich daran stören, wenn in einer Stadt nicht mit Gas, sondern mit anderen Energiequellen Licht gemacht würde. Wenn man aber bei einem Roman mit einem gewissen historischen Anspruch arbeitet, ist das ganz anders.
Suite101.de: Ist die Geschichte der „Werwölfe“ wirklich abgeschlossen, oder wird es eine Fortsetzung geben?
Hardebusch: Ich sage nicht mehr niemals, da ich nach zwei Troll-Bänden gesagt hatte, es gehe nicht weiter, und dann hatte ich doch noch eine Idee. Daher will ich nichts ausschließen, auch wenn der Roman in sich abgeschlossen ist. Außerdem sitze ich an Projekten, die mich bis ins nächst oder sogar übernächste Jahr beschäftigen werden.
Suite101.de: In den „Werwölfen“, aber auch bei „Sturmwelten“ dreht sich vieles um das Thema Freiheit. Woran liegt das?
Hardebusch: Ich bin fasziniert von dieser Zeit. Die französische Revolution hat die Verhältnisse in Europa in gewisser Weise auf den Kopf gestellt. Doch den konservativen Kräften ist es gelungen, viele der neuen Ideen zu unterdrücken. Sie haben nach Napoleons Niedergang ein ausbalanciertes System geschaffen, das bis Mitte des 19. Jahrhunderts gehalten hat. Den Freiheitsdrang der Menschen konnten diese Konservativen aber nie unterdrücken. Er ist das Fundament für unsere heutige Kultur. Die Hervorhebung des Individuums und ähnliche Gedanken. Das finde ich sehr spannend.
Suite101.de: Der dritte Band der „Sturmwelten“ erscheint im August. Wird die Geschichte wirklich mit ihm abgeschlossen?
Hardebusch: Die „Sturmwelten“ waren von Beginn an als Trilogie geplant, und die Geschichte wird ein Ende finden. Das heißt nicht, dass ich nicht irgendwann in die Welt zurückkehren könnte, aber die Trilogie ist abgeschlossen. Ich gebe dem letzten Band gerade den letzten Schliff, denn er muss die Handlungsfäden zusammenführen, soll aber trotzdem Tempo behalten. Es ist für mich relativ komplex, den Abschluss zu finden.
Suite101.de: Das nächste Buch von Ihnen ist bereits angekündigt. Zum Rollenspiel „Justifiers“, für das Markus Heitz die Rechte gekauft hat, sollen Sie den ersten Band einer Buch-Reihe beisteuern. Wie kam es dazu?
Hardebusch: Das war ganz einfach. Markus hat mich gefragt. Heyne wollte gern, dass eine Serie, ähnlich wie bei „Shadowrun“, entsteht. Ich habe gleich zugesagt, da es mich gereizt hat, mal Science-Fiction zu schreiben. Die Hoffnung von mir und den anderen Autoren, die mitmachen, ist, dass das Genre durch die Reihe in Deutschland wiederbelebt wird. Außerdem wollten viele von uns schon immer mal Science-Fiction schreiben.
Suite101.de: Wann wird das erste Justifiers-Buch erscheinen?
Hardebusch: Geplant ist, dass "Justifiers - Missing in Action" zusammen mit dem Rollenspiel auf den Markt kommt, um den Termin der Spielemesse in Essen (21. bis 24. Oktober 2010, Anmerkung der Red.).
Suite101.de: Sie sagten, Sie seien bis ins nächste Jahr beschäftigt. Gibt es bereits weiterführende Pläne?
Hardebusch: Nach Mystery und Science-Fiction möchte ich gern zur Fantasy zurückkehren. Allerdings gibt es da noch nichts Spruchreifes, die Verhandlungen mit dem Verlag laufen noch. Es soll aber etwas Neues werden und kein weiterer Troll-Band.
