
- Statue Kolumbus' - Karin Jung / pixelio.de
In Kolumbus' wahrscheinlichem Geburtsort Genua, aber auch in anderen Teilen Europas und den USA, werden regelmäßig große Feste zu seinen Ehren veranstaltet - und zwar immer wenn sich die Entdeckung Amerikas jährt. Doch ist dieses historische Ereignis wirklich ein Grund zur Freude?
Kolumbus' Betteln am spanischen Hofe
Aus der Vorgeschichte der Fahrt lässt sich bereits viel über das Wesen von Christoph Kolumbus erahnen. Nachdem Kolumbus sich sein ganzes Leben lang mit Kartographie und Seefahrt beschäftigt hatte, suchte er nun einen europäischen Staat, der sein Vorhaben, eine westliche Seeroute nach Indien zu finden, unterstützte. Der portugiesische König lehnte den Plan ab und auch das spanische Königshaus nahm in lange Zeit nicht ernst. Desweiteren war Spanien zu diesem Zeitpunkt in die Kämpfe mit den Mauren verwickelt und hatte keine Zeit und kein Geld für den waghalsigen Plan.
Als man 1492 in Granada endgültig über die Muslime triumphierte, schenkte man Kolumbus mehr Aufmerksamkeit. Zunächst wurde er von Königin Isabella abgewiesen, da er absolut überzogene Forderungen stellte: Er wollte Gouverneur und Vizekönig der zu erwartenden zukünftigen Kolonie werden und mit zehn Prozent an allen Einnahmen aus der Rohstoffförderung beteiligt werden. Dieser Wunsch war für einen Entdecker einigermaßen unüblich und so wurde er auch zunächst abgelehnt. Verlockt von den möglichen Reichtümern willigte Isabella später dann doch ein. Diese Begebenheit gibt Aufschluss über Kolumbus wahre Motivation. Entdeckergeist und Neugier waren scheinbar nur untergeordnete Motive; dem heute so gefeierten Seefahrer ging es vorrangig um Macht und Reichtum.
Umgang mit den Awarak
Dementsprechend unbarmherzig war dann auch Kolumbus' Umgang mit den Eingeborenen. Vor allem die Einwohner der Insel Hispaniola, auf der heute die Staaten Haiti und die Dominikanische Republik liegen, hatten zu leiden. Nachdem Kolumbus die erste spanische Kolonie Santo Domingo gegründet hatte, verließ er die Neue Welt wieder Richtung Spanien. Die zurückgebliebenen Matrosen gerieten in Streit mit den nativen Awarak und wurden alle getötet.
Nach der Wiederkehr Kolumbus' sah er sich gezwungen, Krieg gegen den Awarak-Stamm der Taino zu führen und nahm mehr als 1.500 von ihnen als Sklaven, obwohl Königin Isabella kriegerische Handlungen ausdrücklich verboten hatte. Kolumbus verschiffte die Taino sogar nach Spanien, wobei mehr als die Hälfte durch die unmenschlichen Bedinungen an Bord starben. Königin Isabella zeigte sich schockiert und befahl, die Indianer sofort in ihre Heimat zurückzubringen. Der Machtmensch Kolumbus sah sich offensichtlich als weißer Christ den Indianern weit überlegen. Isabella starb übrigens im Jahre 1504. Ihr Tod ebnete den Weg für einen weitaus grausameren Umgang der Spanier mit den Eingeborenen.
Vereinsamung im Alter
Kolumbus' Reputation am spanischen Hofe wurde immer geringer. Nachdem bekannt wurde, dass er die Kolonie nicht unter Kontrolle hatte, wurde er abgesetzt.
Um endgültig zu beweisen, dass der Seeweg nach Indien existiert (die Inseln, die er entdeckt hatte, betrachtete er als dem indischen Festland vorgelagert), unternahm er eine vierte Fahrt, bei der er jedoch schwer erkrankte. Den Rest seines Lebens verbrachte er damit, Forderungen gegen die spanische Königsfamilie geltend zu machen, die jedoch alle abgewiesen worden. Er verlangte sogar seinen Titel als Gouverneur zurück, was vom spanischen Adel wahrscheinlich nur müde belächelt wurde.
Kolumbus ist also nicht der edelmütige Seefahrer, als der er heute dargestellt wird. Auch vollbrachte er keine Heldentaten. Stattdessen lehrte er die Awarak, wie grausamer europäischer Imperialismus aussieht und war in seiner Heimat als überheblich bekannt. Kein Grund zum feiern.
Quellen:
- Kolumbus' Verhandlungen mit dem Königshaus
- Kolumbus und die Awarak
- Kurze Beschreibungen von Kolumbus' Entdeckungen
- Biographie von Christoph Kolumbus
Bildnachweis: © Karin Jung / pixelio.de
