Christoph Scholder: "Oktoberfest"

Buchcover - kerstin schulz
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In seinem Erstlingswerk erzählt Christoph Scholder von einem Angriff auf die Demokratie in Deutschland.

Was passiert, wenn eine Truppe von kampferprobten Soldaten ein Land im Inneren angreift. Und das noch da, wo eigentlich viele Menschen nur ausgelassen feiern wollen. Das erzählt der Autor Christoph Scholder in seinem ersten Roman.

Der Autor

Christoph Scholder wurde 1967 in Tübingen geboren. Nach erfolgreichem Abschluss am Uhland-Gymnasium in Tübingen ergriff er den Beruf des Bankkaufmannes. Anschließend studierte er Soziologie, Psychologie und Philosophie. Als Diplom-Sozialpädagoge unterrichtete er an den Universitäten in Mainz und München.

Seinen Debütroman „Oktoberfest“ brachte er im Verlag Droemer und Knaur 2010 auf den Markt.

„Oktoberfest“ von Christoph Scholder – Inhaltsangabe

Eine Gruppe von ehemaligen, russischen Elitesoldaten bringen auf dem Münchner Oktoberfest 70 000 Menschen in ihre Gewalt und fordern die bayrische Landesregierung auf, ihnen ungeschliffenen Rohdiamanten im Werte von 2 Milliarden Euro zu beschaffen. Danach sollen die Geiseln frei sein. Der erste Abwehrversuch der bayrischen Landesregierung kostet einigen tausend Menschen das Leben. Noch mehr kann nicht riskiert werden. In ihrer Hilflosigkeit wendet sich die Landesregierung an die Bundesregierung. Auch hier besteht am Anfang nur Ratlosigkeit, die nur einer beheben kann. Wolfgang Härter soll vor Ort die Lage klären. Doch auch Wolfgang Härter muss erkennen, dass der für ihn unsichtbare Gegner in Form des Kommandanten Oleg Blochin sehr gut vorbereitet ist und auch sehr stark ist. So beginnt ein Kampf um Leben und Tod zwischen zwei Rivalen, die sich in der Kriegsführung bestens auskennen und die es gewohnt sind, unter Einsatz ihres Lebens zu kämpfen. Wolfgang Härter jedoch ist in der Pflicht, seine Aktionen so zu planen, dass die Geiseln so wenig wie möglich noch weiter gefährdet werden.

Hauptpersonen – Charakteristik und Innenverhältnis im Roman von Christoph Scholder

Stehen am Beginn des Romans Karl Romberg und Werner Vogel, Geschäftspartner, im Mittelpunkt des Geschehens, treten mehr und mehr andere Personen in den Vordergrund. Oleg Blochin, der fast am Ende des Romans als Zwillingsbruder von Karl Romberg identifiziert wird, ist der Kopf einer Gruppe ehemaliger Elitesoldaten. Er zeichnet sich durch ausgeklügeltes Handeln aus. Auch seine eiskalte Berechnung, die ihn zu einem nicht zu besiegenden Gegner für die Landesregierung in München macht, ist für ihn bezeichnend. Seine Eigenschaften erwarb er sich in vielen Kämpfen in der russischen Armee, die im Buch immer wieder beschrieben werden.

Sein Gegner, ein Vertreter der Bundesregierung, Wolfgang Härter ist ihm ebenbürtig. Auch Härter ist ein kampferfahrener Soldat. Er ist durch besonnenes Handeln und kühle Berechnung charakterisiert. Er besitzt viele Kontakte auch in die russische Führungsebene, wo man ihn aber als schrulligen Professor kennt, auch wenn man ihm dies nicht so richtig abnimmt.

Beide Gegner sehen sich nicht, sondern können sich nur durch die Handlungen des anderen auf die entsprechende Situation einstellen. Dennoch sind beide Kontrahenten auf ihre Mitarbeiter angewiesen, um zum Erfolg zu kommen.

Handlungsaufbau und sprachliche Gestaltung von „Oktoberfest“

Zu Beginn des Romans scheint dieser nichts von einem Thriller zu besitzen, da es vorwiegend um die Beschreibung des Geschäftsverhältnisses zwischen Karl Romberg und Werner Vogel geht. Eingebaut werden Schilderungen von Vorgängen beim Einsatz der russischen Armee in Krisengebieten. Dabei wird der Hauptperson Oleg Blochin langsam eingeführt, ebenso wie sein engster Mitarbeiterstab. Der Leser fragt sich zu Beginn von „Oktoberfest“, was diese Sprünge alle mit dem eigentlichen Inhalt zu tun haben. Im Verlauf der Haupthandlung wird immer wieder auf die Geschehnisse im Vorfeld zurückgegriffen und der Leser erhält somit ein abgerundetes Bild. Christoph Scholder lässt seinen Roman nicht mit der Übergabe der Diamanten und der Befreiung der Geiseln enden, sondern macht das, was oft bei vielen Thrillern vermisst wird. Er lässt die Handlung weiter laufen, indem er die Jagd auf die Geiselnehmer zur zweiten Haupthandlung werden lässt.

Besonders auffällig ist bei dem Thriller „Oktoberfest“, dass jedes neue Kapitel mit einem Zitat beginnt. Überwiegend sind dies Zitate von Carl von Clausewitz. Somit überzeugt der Autor den Leser, dass er sich mit der Thematik Krieg sehr intensiv auseinandergesetzt hat. Weiterhin fällt auf, dass seine Rückblicke immer genau mit Ort und Datum versehen sind. Der Leser wird also direkt in die Handlungszeit und den -ort hineinversetzt.

Auch überzeugt der Autor mit Fachbegriffen aus der Waffentechnik. Es gelingt ihm den Leser durch seine sprachliche Gestaltung in die jeweilige Situation zu versetzen und durch seine Satzkonstruktionen einen angenehmen Lesefluss zu schaffen. Was das Buch lesenswert macht ist eine recht außergewöhnliche wie auch gewöhnungsbedürftige Aufbauweise. Der Anfang wirkt ziemlich schleppend und der Leser weiß nicht so recht, was ihn erwartet. Doch Christoph Scholder gelingt es, Spannung aufzubauen, diese wieder abflachen zu lassen und wieder aufzubauen. Gerade diese Vorgehensweise macht das Buch zu einem besonderen Thriller, der den deutschen Buchmarkt um eine neue Form des Thrillers bereichert.

Auch der Einband des Romans ist gelungen. Sowohl farbliche als auch die Bildgestaltung sind sinnvoll und dem Inhalt entsprechend ausgewählt.

Christoph Scholder: "Oktoberfest", Verlag Droemer & Knaur, 2010, ISBN: 978-3-426-19888-9,19,95€

Kerstin Schulz - Schon seit frühester Kindheit gehörten Bücher zu den Dingen, die ich am meisten liebte. Auch Sprachen waren für mich ...

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