Chronik menschlicher Dummheit - Buchbesprechung

Die Katze in der Mikrowelle von Bob Fenster ist gute Humorliteratur

Bob Fenster, Die Katze in der Mikrowelle, Buch - Astrid Treumann
Bob Fenster, Die Katze in der Mikrowelle, Buch - Astrid Treumann
Unglaubliches und Kurioses in einem kurzweiligen Buch zur menschlichen Dummheit. Menschen lassen nichts unversucht um Dummes zu tun und Bob Fenster hat es protokolliert.

In diesem Buch hat der Autor mit großer Sammelleidenschaft viele Begebenheiten aus der Geschichte und der jüngsten Vergangenheit zusammengetragen, die menschliche Dummheit eindrücklich bezeugen. Bob Fenster lebt als freier Journalist und Autor in Kalifornien.

Fensters Texte erschienen unter anderem im Wall Street Journal oder der Washington Post. Seine zweite Leidenschaft neben dem Schreiben ist die Comedy. Als Ein-Mann-Show mit dem Titel “The Stupid History of the Human Race” tourt er erfolgreich durch die USA.

Fakten zum Buch

Das Buch erschien als Taschenbuch in handlicher Größe mit 288 Seiten im Rowohlt Verlag. Es wurde von Hucky Maier aus dem Amerikanischen ins Deutsche übersetzt. Die Originalausgabe erschien im Jahr 2000 und die vorliegende Ausgabe ist die 6.Auflage vom Dezember 2009.

Die Gliederung ist dreigeteilt, im ersten Teil wird die Chronik der Dummheit in 20 Untertiteln wiedergegeben. So titelt das Buch beispielsweise in “Dumm gelaufen - Schicksalsschläge”, “Peinliche Promis”, “Dämliche Todesfälle”, “Dämliche Sitten und Gebräuche” bis zu “Vermeidbare Katastrophen” und “Kluge Sprüche zum Thema Dummheit”.

Im zweiten Teil geht es um: “Was Sie schon immer über Dummheit wissen wollten, aber nicht fragten, weil sie zu klug sind.”. Der dritte Teil schlussendlich bietet Überraschungstipps aus der Dummheit heraus zu finden. 61 satirisch unernst gemeinte Ratschläge, nicht ganz so dumm zu sein wie der Nachbar.

Küssen Sie niemals eine Klapperschlange auf den Mund

Peinliche Dummheiten von Menschen werden humorvoll beschrieben, so wie die unfassbare Naivität eines Mannes aus Arizona, der tatsächlich Klapperschlangen küsste und dabei wie nicht anders zu erwarten gebissen worden war. Die Gesamtbreite menschlicher Pannen und Pleiten wird in Anekdoten und der sachlichen Schilderung von Überliefertem zur Schau gestellt.

Der Autor sammelte Absurdes, Unglaubliches und Peinliches aus den Nachrichten und den Geschichtsbüchern. Aus jedem Teil des menschlichen Lebens findet man Beispiele, so zitiert er Chinas Mao Tse-tung, der sein Kettenrauchen als gesundheitsfördernde Form der Atemübung verkaufte. Er schildert, wie Russlands Ivan der Schreckliche einen Elefanten töten ließ, der sich nicht vor ihm verbeugte. Oder wie die schwedische Königin Christina eine Minikanone bauen ließ, um damit auf Flöhe in ihrem Haus schießen zu können.

Unglaublich dumm gelaufen bei Prominenten

Bob Fenster nimmt die Lebensläufe vieler Prominenter aufs Korn, filtert Vorgänge und Zusammenhänge heraus, über die man nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Er berichtet wie Cartoons von Charles Schulz, später Zeichner der Peanuts, in seiner Schule abgelehnt wurden und selbst Walt Disney ihm als Karikaturist absagte. Oder wie ein früherer König von Spanien starb, weil er nicht bereit war, mit seinem Stuhl von einem zu heißen Kaminfeuer selbst wegzurücken, da dafür ein in dem Moment abwesender Diener zuständig war.

In lockerem Ton wird beispielsweise erzählt, wie der Zeitungsmagnat Joseph Pulitzer in New York eine Reklametafel bauen wollte, die auch auf dem Mars sichtbar sein sollte. Das Projekt scheiterte daran, dass man sich nicht einig wurde, welche Sprache wohl Marsbewohner lesen könnten. Oder wie sich ein Fernsehstar, Oscar Levant, über Schlaflosigkeit beklagte, obwohl er täglich bis zu 60 Tassen Kaffee trank.

Zur Lesbarkeit des Buches

Das Buch ist verständlich geschrieben. Es besitzt diesen typischen amerikanischen Schreibstil, der viele Dinge noch einfacher beschreibt, als sie ohnehin schon sind. Hier entsteht gelegentlich während des Lesens der etwas unschöne Beigeschmack, der Autor würde auch seine Leser etwas unterschätzen und deshalb alle Sachverhalte “idiotensicher” beschreiben.

Diese Art und Weise sollte man jedoch wohl eher nicht zu persönlich nehmen, da es wohl recht “typisch amerikanisch” ist so zu formulieren und es eher für die Qualität des Übersetzers spricht, diesen Stil recht nachvollziehbar in die deutsche Sprache übertragen zu haben. Wer leichte und amüsante Kurzweiligkeit sucht, ist mit diesem Buch gut beraten. Es bietet keine anspruchsvolle Lektüre, sondern Unterhaltsames und Kurioses. Manchmal schwingt sich der Autor zu gesellschaftskritischen Bemerkungen auf, die doch nicht sehr ernst gemeint eher dem allgemein humorvollen Herangehen Rechnung tragen.

Wer einfach einmal für einen trüben Winterabend nette Unterhaltung sucht, der kann an diesem Buch Freude haben. Es lädt ein, immer mal wieder darin zu blättern, sich besonders Bemerkenswertes zu kennzeichnen und bei Gelegenheit einmal Freunden in gemütlicher Runde vorzulesen. Das ist amüsant und bietet neuen Gesprächsstoff. Auch als gutes Geschenk ist dieses Buch vorstellbar, wenn man es nicht als Anspielung meint.

Bob Fenster: Eine Chronik menschlicher Dummheit. Die Katze in der Mikrowelle. Reinbek bei Hamburg 2009, Rowohlt Verlag, 288 Seiten, 7,95 Euro

Astrid Treumann, Astrid Treumann

Astrid Treumann - 1967 in Berlin geboren, habe ich dort als berufliche Grundlage Kunst und Germanistik studiert (Hochschulabschluss 1991). Meine berufliche ...

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