Der Einstieg in die Merowinger eignet sich am besten bei Chlodwig, da dieser sich als erster der Merowinger christlich taufen ließ. Chlodwig übernahm 482 nach dem Tod seines Vater Childerich als sechzehnjähriger den Thron. Schon 486 begann er Krieg gegen Syagrius, dem letzten römischen Herrscher in Gallien, um das Herrschaftsgebiet zu erweitern, was ihm mit einem Sieg gegen den Rivalen auch gelang. Bemerkenswert ist, dass Chlodwig, der ebenso wie andere fränkische Kleinkönige im Besitz eines fränkischen Teilreichs war, den Krieg mit einzelnen Bundesgenossen bestritten hatte, aber bald in seinem Herrschertum herausragte und sich absetzen konnte.
Chlodwigs Bekenntnis zum Christentum
Kennzeichnend für Chlodwig ist sein Bekenntnis zum Christentum. Seine Frau, die Katholikin Chrodechilde, hatte zuvor vergeblich versucht, ihn vom Christentum zu überzeugen. In einem Krieg gegen die Alamannen 496 oder 497 drohte Chlodwig besiegt zu werden. Daraufhin gelobte er, falls ihm der Krieg geschenkt wurde, ließe er sich taufen. Das ist wohl eher eine schöne Legende, um vor seinem Adel zu rechtfertigen, dass er, Chlodwig, der ja immerhin im Besitz des Königsheils der Götter war, vom alten Glauben abfiel. Bemerkenswert ist vielmehr, dass er sich katholisch, und nicht arianisch, wie viele andere Herrscher "germanischer" Völker, taufen ließ. Der Grund dürfte gewesen sein, dass er sehr wohl beobachtet hatte, welche Schwierigkeiten die arianischen Herrscher hatten, über eine konfessionell geteilte Gesellschaft (arianische "Germanen", katholische Römer) zu herrschen. Selbst Katholik zu werden, versetzte ihn in die Lage, den alten römischen Adel in seine Herrschafts- und Verwaltungsstrukturen einzubeziehen - ein genialer Griff. Als der Krieg zugunsten Chlodwigs entschieden wurde, stand dem Vollzug der Taufe nichts mehr im Wege. Sie fand am ersten Weihnachtsfeiertag 497 in Reims statt, wo neben Chlodwig auch dreitausend Franken zum Katholizismus übergetreten waren. Das gesamte Eroberungsgebiet, das Chlodwig an sich gebracht hatte, erstreckte sich vom Rhein bis zum Atlantischen Ozean und von der Schelde bis zu den Pyrenäen. Sehr zu bemerken ist, das Chlodwig es geleistet hat, die im frühen sechsten Jahrhundert existierende große Anzahl von Klein- und Teilstämmen des Frankenreichs zu einem einheitlichen fränkischen Stammesgebilde zu formieren, welches er nach seinem Tod 511 seinen vier Söhnen hinterließ.
Die Herrschaft der vier Söhne Chlodwigs – Theuderich, Chlothar, Childebert und Chlodomer
Das Reich wurde unter den Nachkommen Chlodwigs aufgeteilt, was aufgrund der germanischen Rechtsvorstellungen zu gleichen Teilen geschah. Da die vier Brüder sich gegenseitig als gemeinsame Träger der ererbten Herrschaft betrachteten, strebten sie an, trotz geteilter Herrschaft den Zusammenhalt des Reiches zu sichern. Aus diesem Grund teilten sie das ehemalige Syagrius-Reich unter sich auf. Der Sitz des ältesten Sohnes Theuderich befand sich in Reims. Sein gesamter Reichsteil beinhaltete ein Teil des Chlodwigreiches von 486/87 (Auxerre, Sens, Troyes, Chalons, Reims), die Francia rhinensis (mit rechtsrheinischen Annexen), die Herrschaft über Teile der Alamannen und Aquitanier.
Chlothars Residenz befand sich in Soissons, der Anteil des Reiches bestand aus einem Teil der Francia (mit Laon, Noyon und Soissons) und dem salfränkischen Gebiet zwischen dem Kohlenwald und der Somme, das sich nördlich anschloss.
Die westliche und südliche Francia teilten sich Childebert (Gebiete von der Somme bis zur Bretagne), dessen Residenz in Paris war und Chlodomer (Gebiete an der Loire mit Tours und den aquitanischen civitates Bourges und Poitiers), dessen Residenz in Orléans war. Bemerkenswert ist, dass Theuderich den größten Anteil bekommen hatte, obwohl das Reich anfänglich zu gleichen Teilen aufgeteilt werden sollte.
In den folgenden Jahren schlossen sich eine Reihe von Eroberungsfeldzügen der Söhne an, wobei Chlodomer fiel. Theuderich eroberte Thüringen, Childebert schlug die Westgoten. Childebert und Chlothar bemächtigten sich des Erbes ihres Bruders, in dem sie zwei der Söhne Chlodomers beseitigten. Schließlich hatten die Franken das Burgunderreich erobert, es wurde aufgeteilt unter Theudebert (Sohn Theuderichs), Childebert und Chlotar. Theudebert hatte darüber hinaus einige Bündnisse und Nichtangriffspakte mit den Langobarden und Gepiden geschlossen. Nach seinem Tod versuchte dessen Sohn Theudowald das Reich zu halten, starb aber wenig später. Chlothar von Soissons übernahm das Erbe, ebenso wie das Childeberts. Letztendlich blieb Chlothar (er starb 561) nur noch die in den Alpen und Alpenvorland gewonnenen Gebiete.
Die Aufteilung des Reichs unter den vier Söhnen Chlothars – Charibert, Gunthram, Sigibert und Chilperich und deren Nachkommen
Das Reich wurde unter den vier Söhnen Chlothars aufgeteilt. Nach dem Tod Chariberts wurde sein Land unter die anderen der drei Brüder aufgeteilt, was später zum bellum civile führte. Das Reich war nunmehr zunehmend geprägt von gegenseitigen Kriegen, Ausbeutungen und gegenseitigem Ausspielen der Brüder, was das Reich im Laufe der Jahre mehr und mehr innerlich zerrüttete.
Nachdem Sigibert und Chilperich ermordet wurden, blieb Gunthram als letzter Sohn Chlothars I. am Leben. Daraufhin entstanden Konflikte einzelner Adelsfraktionen und kirchlicher Würdenträger, die Parteiungen bildeten zugunsten Guntrams bzw. Gundowalds (vermutlich unehelicher Sohn Chlothars I.), der zur Herrschaft gelangen wollte. Guntram konnte sich letztendlich bis Ende 585 durchsetzen. Vereinbarungen Guntrams mit Childebert, II. ermöglichten diesem die Herrschafts- und Gebietsübernahme nach Guntrams Tod. Im Jahr 596 starb Childebert, vermutlich als Opfer eines Attentats.
Die Vertretung der Regentschaft durch die Großmutter Brunichild
Die rechtmäßigen Nachfolger Childeberts, seine noch unmündigen Söhne Theudebert und Theuderich, wurden von ihrer Großmutter Brunichild in der Regentschaft vertreten. Die nachfolgenden Jahre brachten zunehmende kriegerische Auseinandersetzungen (aufgrund von Gebietseroberungen) zwischen den Brüdern mit sich, wobei sich Brunichild auf die Seite Theuderichs schlug. Theudebert und seine Söhne gerieten in Gefangenschaft und wurden von seinem Bruder getötet. Bei der Aktion Brunichilds, nach dem Tod Theuderichs (er starb nach siegreichem Kampf gegen seinen Bruder mit 26 Jahren) dessen Sohn Sigibert II. zum König zu erheben, wurde sie von Chlothar II. (Sohn Chilperichs I.) getötet.
Unter der Herrschaft Chlothars II. zerfiel das Gebiet in Teilreiche
Da dieser der Aristokratie den Sieg verdankte (Bischof Arnulf von Metz und Pippin holten ihn im Kampf gegen Brunichild), war er verpflichtet Zugeständnisse zu machen. Diesbezüglich musste er alle Güter, die ehemals von seinen Vorgängern an Kirchen, Geistliche oder Laien verschenkt wurden und im Bürgerkrieg wieder verloren wurden, zurückerstatten. Zusätzlich ergab sich eine Dreiteilung des Königreiches (Neustrien, Austrasien und Burgund), wobei Dagobert (Chlotars Sohn) zum König Austrasiens bestimmt wurde. Da aber Bischöfe und Adelige Ansprüche stellten, begannen die Teilreiche in Einzelherrschaften unter sogenannten Hausmeiern zu zerfallen. Zwar versuchte Dagobert das Reich zu vereinheitlichen und dem Partikularismus entgegenzuwirken, doch zeichnete sich eine zunehmende Adelsherrschaft (sie ernannte den König, das Wahlkönigtum entstand) ab. Die Hausmeier, eine Art Minister der Machtinhaber der Teilreiche, versuchten ihrerseits an die Macht zu gelangen, was wiederum innere Zerrüttungen hervorrief. Daraus zog Pippin von Herstal den Nutzen, sich als einziger Hausmeier über das Reich durchzusetzen.
Quellen:
- Fränkisches Königshaus, politische Entwicklungen
- Karte zur Völkerwanderung
- Zum Stammbaum der Merowinger:
- Ewig, Eugen, Die Merowinger und das Frankenreich, Stuttgart u.a. 1988
- Ewig, Eugen, Die Merowinger und das Imperium, Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften, Vorträge, Opladen 1983.
