Viele Berufe und Einrichtungen spielen zusammen, damit die Gesundheit von Patientinnen und Patienten wiederhergestellt werden kann. Dabei zählt die Patientensicherheit zu den wichtigsten Aufgaben im Gesundheitssystem. Um diese nicht nur zu gewährleisten, sondern weiter zu erhöhen, wird seit Oktober 2009 ein bundesweites Berichtsystem zur anonymen Meldung von kritischen Ereignissen und Beinahefehlern erprobt. Dessen Name ist CIRS: Critical Incident Reporting System.
Erste Erfolge des Fehlermeldesystems CIRS
CIRS wird operativ von der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin (ÖQMed) betrieben. Bis 14. Mai 2010 sind 65 Fälle veröffentlicht worden, bei knapp der Hälfte (47,7%) passierte das gemeldete Ereignis im Krankenhaus, bei 35,4 Prozent in der Ordination.
Gemeldete Fehler und Beinahe-Fehler auf CIRS medical
Auch Eintragungen über Ereignisse bei Langzeitpflegeeinrichtungen, Notfalls-/Rettungsdienst und Hausbesuchen liegen vor. Bei den Fachbereichen dominieren die Allgemeinmedizin (30,8%) und die Innere Medizin (18,5%), gefolgt von Chirurgie und Kinder- und Jugendmedizin. Meist passierten die Ereignisse im Routinebetrieb (69,2%). Und in über der Hälfte der Fälle (52,3%) trugen Mängel in der Kommunikation (52,3%) zu dem Ereignis bei.
Zugriffe auf das Fehlermelde- und Lernsystem CIRS
Als weitere wichtige Faktoren sind die Organisation (32,3%), Ausbildung und Training (30,8%), Medikation (27,7%), persönliche Faktoren des Mitarbeiters (26,2%), sowie Teamfaktoren (24,6%) hervorzuheben. „Insgesamt sind 102 Berichte eingegangen, von denen 14 noch in Bearbeitung sind und 14 gelöscht wurden“, nennt Dr. Esther Thaler, Geschäftsführerin der ÖQMed, weitere interessante Zahlen. „Natürlich hätte ich gerne noch viel mehr Berichte“, gesteht sie ein. „Wenn man aber weiß, dass selbst das große Deutschland in drei Jahren nur ca. 200 Berichte hatte, sind unsere Zahlen gar nicht zu so schlecht. Zugriffe auf das Lernsystem hatten wir 14.684; Leserkommentare 29.“
CIRS wird von Ärzten und Öffentlichkeit positiv aufgenommen
23 veröffentlichte Fälle aus der Praxis von niedergelassenen Ärzten, zwei von Hausbesuchen, in gut einem halben Jahr, das ist keine Lawine – ist sich auch Dr. Otto Pjeta, Präsidialpräsident für Qualitätssicherung der Österreichischen Ärztekammer, bewusst. Trotzdem werde CIRS medical sowohl von der Öffentlichkeit als auch von der Kollegenschaft durchwegs positiv aufgenommen, sei damit ein Erfolg und werde aller Voraussicht nach auch nach Ende der Projektphase weitergeführt – hebt er hervor.
Evaluierung von CIRS medical
Für die Evaluierung ist das Bundesinstitut für Qualität im Gesundheitswesen (BIQG) verantwortlich. „Über uns erfolgt auch laufend eine Überprüfung und Anonymisierung der Fälle vor Veröffentlichung“, erklärt Geschäftsbereichsleiterin Dr. Eva Maria Baumer das Prozedere. „Wo notwendig bzw. sinnvoll, wird ein Expertenkommentar im Fehlermelde- und Lernsystem CIRS mit veröffentlicht.“
Öffentlichkeitsarbeit für CIRS medical
Einig sind sich die Projektverantwortlichen, dass CIRS medical in Österreich noch mehr beworben werden muss. "Daher freuen wir uns natürlich, wenn Medien über das Fehlermelde- und Lernsystem berichten", hebt Ärztefunktionär Pjeta hervor.
