
- C.J. Sansom: Das Buch des Teufels - Fischer
Das Buch des Teufels ist das vierte Buch in der historischen Kriminalserie des Historikers und Anwalts C.J. Sansom. Es spielt im Frühjahr 1543. Der englische König Heinrich VIII. hofiert seine sechste und letzte Frau, Lady Cathrine Parr, nachdem seine fünfte Frau im Februar des letzten Jahres hingerichtet wurde. Die religiöse Reformation Englands hat Rückschläge hinnehmen müssen, weswegen die verschiedenen Fraktionen dem Ausgang des romantischen Bestrebens Heinrichs mit Spannung entgegensehen, da Catherine Parr als Unterstützerin der Reform bekannt ist.
Matthew Shardlake ist in die Aufklärung von Serienmorden verstrickt
Matthew Shardlake, der Held der Serie, ein buckliger Anwalt in London, findet eines Morgens seinen Freund und Kollegen Roger Elliard ermordet in einem Brunnen. Die Nachforschungen ziehen ihn und seinen Assistenten Jack Barak in den religiöse Wahnsinn eines Serienmörders, der es auf abtrünnige Reformer abgesehen zu haben scheint. Dies bringt Kardinal Cranmer wieder mit ins Bild und Matthew Shardlake und Jack Barak werden erneut, entgegen deren Willen, in politische Verstrickungen gezogen. Eine Tatsache, die Shardlake nur mit Widerwillen akzeptiert, da er Canmer im letzten Buch 'Anwalt des Königs’ so deutlich wie es ihm die damalige Form erlaubte angedeutet hatte, dass er nicht mehr wünscht in politische Fälle verstrickt zu werden. Aber der Mord seines guten Freundes lässt ihm keinen anderen Ausweg.
Zur gleichen Zeit wird Shardlake beauftragt sich des Falles eines jungen Mannes anzunehmen, der in eine Art religiösen Wahn und fanatisches Beten verfallen ist. Ein Umstand der ihm die Einlieferung in 'Bedlam’, dem damaligen Irrenhaus Londons, eingebracht hat. Seine Eltern, die nicht mehr ein noch aus wissen, beauftragen Matthew mit dem Fall, denn der Zustand ihres Sohnes führte dazu, dass dieser Gefahr läuft als Heretiker angeklagt und verurteilt zu werden.
Matthew Shardlake zeichnet sich hier wieder durch seine Intelligenz, Kombinationsgabe und Beharrlichkeit im Aufklären der Fälle aus. Sein Privatleben wird hier etwas deutlicher Beleuchtet indem seine romantischen Gefühle für die Witwe seines ermordeten Kollegen an die Oberfläche kommen. Das gleiche gilt für Jack Barak, Shardlakes Assistenten seit dem zweiten Buch. Er ist verheiratet, aber nach dem Verlust des ersten Kindes hat das Ehepaar mit großen persönlichen Problemen zu kämpfen.
Sansom beschreibt wieder eindrucksvoll die Situation in England
Die Fälle beleuchten gekonnt und überzeugend die Situation in London, mit den sich streitenden religiösen Parteien, die Reformisten und die eher konservativen Anhänger. Ebenso wird die Verbindung von Religion und Aberglaube aufgezeigt und wie dies in Händen von machhungrigen Personen in offiziellen Stellungen zu deren Vorteil verwendet und, gespeist durch Ignoranz und Aberglauben, für den Durchschnittsbürger zur Bedrohung werden konnte.
Gleichzeitig wird, durch Shardlakes Involvierung mit dem Fall des angeblichen irren jungen Mannes dem Leser die Situation in 'Bedlam' vor Augen geführt und damit die allgemeine Einstellung der damaligen Zeitgenossen zu Geisteskrankheiten sowie zu Fürsorge und Mitgefühl. Ebenso werden die harschen Lebensumstände klargemacht, in denen die weniger glücklichen Mitbürger lebten.
Das Buch des Teufels ist ein spannendes, unterhaltsames und interessantes Buch, das sowohl den Krimi-Fan, als auch den historisch interessierten voll auf ihre Kosten kommen lässt.
C.J. Sansom: Das Buch des Teufels, Fischer Verlag 2010, broschiertes Taschenbuch, 9,95 Euro, 647 Seiten, Englischer Titel: Revelation
