Class of 64: Kultbands der 60er

Vier Jahrzehnte geballte Musikgeschichte in einer Band

Sie vereint das Beste, was die 60er Jahre musikalisch hinterlassen haben: The Class of 64 tourt seit 2004 durch Europa und begeistert Generationen von Fans.

Es geht auch ohne Dieter Bohlen und seine DSDS-Jury nach oben. Das beweist The class of 64. Obwohl die Hollies in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mehr Hits landeten als die Rolling Stones, gingen sie nicht als Sixties-Supertruppe in die Musikgeschichte ein. Eine Popzeitschrift brachte es damals auf den Punkt: „Jeder kennt die Hits, keiner kennt die Gruppe!“ Ihr Gründungsmitglied und Bassist Eric Haydock aber wird bei den Auftritten der Class of 64 heute gefeiert wie der King of Rock ’n’ Roll persönlich, ebenso die weiteren Band-Mitglieder Mick Avory, ehemals Schlagzeuger der Kinks, Chip Hawkes, Stimme und Songwriter der Tremeloes sowie Graham Pollok und Ted Tomlin.

Mehr als musikalische Erinnerungen

Das gemeinsame Projekt begann im April 2004 als Special Guest auf der Tour zum 40. Geburtstag der Animals, die auf über 70 britischen Bühnen aufgeführt wurde. Schnell wurde klar, dass mehr werden könnte aus den musikalischen Erinnerungen. Seitdem füllen sie europaweit wieder Konzerthallen. Damals wie heute gilt: Englische Bands sind gefragt, die Mischung aus Rock 'n' Roll, Rebellion und Verwegenheit kommt an, bei allen Generationen. Zwar können sich nicht alle Konzertbesucher an das Sixties-Gefühl aus eigenem Erleben erinnern, doch die dynamisch-rockigen Ohrwürmer der drei Kultbands haben sich eingeprägt. „Till the end of the day“ von den Kinks gehört dazu, „Long cool woman“ und „Look thru any window“, der ersten Top-5-Titel der Hollies ebenso, oder „Suddenly you love me“, das die Tremeloes 1968 herausbrachten. Auch der Kinks-Klassiker „Tired of waiting“ ist aus dem Konzertprogramm nicht wegzudenken, das für Teile des Publikums immer auch zur Zeitreise in die eigene Vergangenheit wird.

Die Beatles von der Spitze verdrängt

Ihre größten Hits aber hebt sich die Truppe meist für die zweite Konzerthälfte auf: „You Really Got Me" positionierte sich 1964 ganz oben in den Charts, machte die Kinks erst richtig berühmt und gehört nach wie vor zu den beliebtesten Songs der Sixties. Bis heute unvergessen und für viele Fans quasi auf Knopfdruck Anlass zum Mitsingen ist „Lola“. 1970 fanden sich The Kinks mit diesem Hit nach einigen Jahren im musikalischen Niemandsland plötzlich wieder im Rampenlicht: Die darin erzählte Geschichte eines Transvestiten stieß bei ihrem Plattenproduzenten auf offene Ohren und erreichte damals in Großbritannien und auch in den USA Spitzenpositionen in den Charts. Mit „Sunny Afternoon" verdrängten The Kinks damals sogar die Beatles von der Spitze der britischen Hit-Parade.

„Silence is golden“ führte an die Chart-Spitze

Dort fanden sich auch die Tremeloes mit „Silence is golden“ bald wieder. Sie verschmolzen seinerzeit den eingängigen Beat der Liverpooler Pilzköpfe mit etwas Rock ’n’ Roll und zuckersüßen Gesangsstimmen zu einem harmonischen und eingängigen Pop-Sound, der ihnen im Laufe ihrer Kariere zahlreiche Tophits bescherte. Eric Haydock bringt von den Hollies, die 1967 durch Deutschland tourten und aufgrund ihres unnachahmlichen und originellen Harmoniepops immer noch unzählige Fans haben, noch „Just one look“ mit, außerdem den legendären und zeitlosen „Bus Stop“. Auch „Even the bad times are good“ und „My little lady“ haben The Class of 64, deren Tour der letzten Jahre den Untertitel „Birth of British Beat“ trägt, stets im Gepäck.

Andreas Schultheis - Andreas Schultheis, Jahrgang 1974, war nach dem Studium der Politik- und Medienwissenschaft wissenschaftlicher Mitarbeiter einer ...

rss