Claudia Rossbacher – Medienthriller Drehschluss

Ein Autoreninterview über das mörderische Spiel der Boulevardmedien

Medienthriller Drehschluss - http://www.echo.at/echomedia
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Der zweite Thriller „Drehschluss" der Wiener Krimiautorin Claudia Rossbacher führt in die Medienmetropole Berlin und auf die Promi-Insel Mallorca.

Im Mittelpunkt dieses mitreißenden Thrillers steht die ehrgeizige Society-Reporterin, Clara Bodenstein, die für die bekannte Filmschauspielerin Jackie Benz eine Skandalbiografie schreiben soll, was so mancher prominente Zeitgenosse lieber heute als morgen verhindern möchte. Während der Dreharbeiten auf Mallorca wird die Schauspielerin mehrfach anonym bedroht und verschwindet schließlich spurlos. Und sie bleibt nicht die einzige Prominente, die plötzlich wie vom Erdboden verschluckt ist. Als Clara Bodenstein nach Berlin zurückkehrt, spitzen sich die Ereignisse in ihrem privaten und beruflichen Umfeld zu und den Leser erwartet ein atemberaubendes Finale.

So wie bereits ihr Karibik-Thriller „Hillarys Blut“ spielt auch dieser Roman in der Welt der Reichen und Schönen. Claudia Rossbacher spart in „Drehschluss“ nicht mit ironischen Seitenhieben auf Boulevardmedien und auf die Bussi-Bussi-Gesellschaft der Stars und Promis, die süchtig nach Schweinwerferlicht sind.

In Ihrem neuen Krimi „Drehschluss“ begeben Sie sich in die Welt der Boulevardmedien. Wie kamen Sie ausgerechnet darauf?

Ich beobachte seit geraumer Zeit das mörderische Spiel der Boulevardmedien, die Stars und Promis machen beziehungsweise fertig machen. Dabei rede ich noch gar nicht vom tragischen Unfall der Lady Diana, die angeblich von Paparazzi in den Tod getrieben wurde. Es reicht doch schon, wenn das Leben eines Menschen durch medialen Rufmord relativ ungestraft zerstört wird, nur weil er oder sie als Person des öffentlichen Interesses kaum noch ein Recht auf Privatsphäre hat. Da behauptet zum Beispiel irgendeine bis dahin völlig unbekannte, junge Dame, die selbst nach Medienpräsenz lechzt, von einem bekannten TV-Moderator vergewaltigt worden zu sein. Der Mann ist doch geliefert, ob er nun schuldig ist oder nicht. Da helfen auch keine gerichtlich erkämpften Gegendarstellungen und Schadenersatzzahlungen.

Sind Prominente also wehrlose Opfer der Medien?

Das Thema ist ein zweischneidiges Schwert. Wer das Scheinwerferlicht sucht, darf sich nicht wundern, wenn er sich ab und zu mal die Finger verbrennt. Ich kann nicht einerseits die Medien für meine Bekanntheit gebrauchen und mich andererseits über mangelnde Privatsphäre beschweren. Jedem, der berühmt sein möchte, muss bewusst sein, dass er die Geister, die er rief, so leicht nicht wieder los wird. Aber wie überall hat man es auch im quotenbestimmten Medienbusiness mit Menschen zu tun. Ich denke, wenn die Balance zwischen gegenseitigem Geben und Nehmen einigermaßen ausgewogen ist, sollten beide Seiten ganz gut leben können.

Was interessiert das Publikum Ihrer Meinung nach an den sogenannten Stars und Promis?

Das ist vor allen Dingen dann eine gute Frage, wenn es sich um Promis handelt, die eigentlich gar nichts besonders gut können, außer sich selbst zu inszenieren. Nichts gegen eine Verona Pooth oder eine Paris Hilton: Vor deren PR-Genie – wer auch immer wirklich dahinter stecken möge – ziehe ich meinen Hut. Aber für welche Leistung genau die beiden Damen all diese Aufmerksamkeit verdienen, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Das Publikum scheint den Braten, den ihnen die Boulevardmedien tagtäglich servieren, jedenfalls begierig zu fressen.

Sie beschreiben die Charaktere der Schauspieler, aber auch den Filmdreh auf Mallorca sehr plastisch. Basiert das auf eigenen Erfahrungen?

Ja. Bereits in meiner Zeit als Model und später als Werberin hatte ich einige berufliche Kontakte zur Filmbranche. Dabei macht es kaum einen Unterschied, ob ein Spielfilm oder ein Werbefilm produziert wird. Da stecken zum Großteil dieselben Filmproduktionen, Regisseure, Kameramänner etc. dahinter. Schier unerschöpfliche Quellen der Inspiration waren sicher auch meine Ausbildung zur Drehbuchautorin, die ich auf Mallorca absolviert habe, und die langjährige Nähe zu mehr oder weniger befreundeten Schauspielern.

Heißt das, dass sich einige Ihrer Schauspielerfreunde nun als Figuren in Ihrem Buch wiederfinden?

Nein. Die Figuren im Roman sind frei erfunden. Sie sind sehr plakativ und – wie mir sicher einige Kritiker, die sich von der schillernden Oberfläche eines spannenden Thrillers blenden lassen, vorwerfen werden – klischeehaft. Mir war jedoch vor allem die Weiterentwicklung der Figuren, wie wir sie aus den Medien zu kennen glauben, sehr wichtig. Ebenso wie die zentrale Frage nach dem Stellenwert der Wahrheit. Während die Gesellschaftsreporterin damit ihre Skrupellosigkeit rechtfertigt, nimmt der gute Freund sie lieber mit ins Grab, als zu verletzen oder gar zu zerstören.

Und wie halten Sie es mit der Wahrheit?

Sagen wir so: Ich muss nicht alles und jeden werten und persönlich Stellung beziehen. Meine Aufgabe als Kriminalschriftstellerin sehe ich primär darin, meine Leser möglichst spannend zu unterhalten. Wenn sich der eine oder die andere eingehender mit einer in meinem Roman aufgezeigten Problematik beschäftigen möchte, habe ich natürlich nichts dagegen einzuwenden.

Claudia Rossbacher: Drehschluss. Wien live edition, echomedia verlag 2009. Broschiert, 256 Seiten. Euro 9,90. (Österreich Euro 9,90; Schweiz CHF 17,90).

Claudia Rossbacher: Hillarys Blut. Kontrast Verlag 2007. Broschiert, 232 Seiten. Euro 14,90 (Österreich Euro 15,40; Schweiz CHF 27,50).

Ilona Mayer-Zach, Sabine Windsor

Ilona Mayer-Zach - Geboren in Graz, Wahlwienerin. Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften; Medienkundlicher ...

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