Clicker Training für Hunde - die stille Revolution

Auch Dackel können Apportieren lernen - Bettina Wenthe
Auch Dackel können Apportieren lernen - Bettina Wenthe
Eine Kommunikationshilfe zwischen Mensch und Hund, die ungeahnten Möglichkeiten im Hundesport und im Alltag mit dem Hund eröffnet.

Ganz so still ist die Revolution des Clicker Trainings im Hundesport und der Hundeerziehung jedoch nicht, denn diese Ausbildungsmethode stellt klassisches Tiertraining auf den Kopf und sorgt so immer wieder für emotional geladene Diskussionen über Sinn und Unsinn der Methodik. Trotzdem findet das Clickern auch in Deutschland immer mehr Verbreitung. Es mussten allerdings viele Jahre vergehen, bis die Akzeptanz stetig wuchs, denn so neu wie es scheint, ist das Clicker Training nicht. Und anders als es zunächst vermuten lässt, basiert es auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Verhaltensforschung.

Der Ursprung

Enwickelt wurde das Clicker Training schon vor 40 Jahren von Keller Breland, Marian Breland Bailey und Bob Bailey. Seine erste Verbreitung fand es beim Training von Meeressäugern. Damals jedoch erkannten die Verhaltensforscher den allgemeinen Nutzen des Clickers noch nicht, so dass es zunächst nicht in den Focus von Tiertrainern geriet. Auch Karen Pryor, die das Clicker Training für Hunde später so populär machte, lernte es zunächst durch ihre Arbeit mit Meeressäugern kennen. Die studierte Zoologin und Verhaltensbiologin sprach 1992 dann erstmals auf einem Kongress vor einem größeren Publikum über ihre Erfahrungen mit dem Clicker Training und der Stein kam ins Rollen.

Aber was genau ist Clicker Training überhaupt?

Die Methode

Der Clicker selbst ist vom Prinzip nichts anderes als der Knackfrosch, den man aus Kindertagen kennt. Heutzutage gibt es Clicker jedoch in allen möglichen Formen und Farben.

Auf dieses relativ einzigartige Geräusch wird der Hund konditioniert. Zunächst ertönt dabei das Knick-Knack Geräusch, dann gibt man dem Hund so schnell es geht ein kleines Leckerchen und wiederholt diesen Vorgang mehrmals. Der Hund soll einen Zusammenhang zwischen dem Geräusch und dem Futter herstellen. Dies nennt man auch klassische Konditionierung. Sie dient beim Clickern sozusagen als Vorbereitung, denn der Knack-Ton bekommt nun eine Bedeutung. Er ist sozusagen ein Versprechen auf Futter, Spiel oder was der Hund sonst als Belohnung empfindet.

Die eigentliche Methode des Clicker Trainings basiert jedoch auf der operanten Konditionierung.

Biologen haben festgestellt, dass ein Verhalten, welches eine positive Konsequenz nach sich zieht, vom Tier ganz bewusst gezeigt wird. Ein Welpe zum Beispiel, der oft für sein Absitzen ein Leckerchen bekommt, setzt sich irgendwann bewusst, um eine Belohnung zu erhalten.

Weshalb sollte nun aber ein Clicker als Vorankündigung, als Versprechen auf diese Belohnung in der Ausbildung von Tieren nützlich sein?

Die Anwendung allgemein

Am Beispiel der Meeressäuger mag dies verständlicher erscheinen. Ein Delfin schwimmt zufällig durch einen Reifen und bekommt als Belohnung einen Fisch. Daraufhin zeigt der Delfin dieses Verhalten sofort häufiger. Ganz so einfach ist es jedoch nicht, denn der Fisch landet erst im Maul des Tieres, wenn dieser bereits durch den Reifen geschwommen und schon wieder bei seinem Trainer ist. Kann der Delfin das gewünschte Verhalten ''durch den Reifen schwimmen'' überhaupt mit der Belohnung in Verbindung bringen? Oder lernt er vielleicht, dass er eine Belohnung bekommt, wenn er zu seinem Trainer schwimmt? Denn das gewünschte Verhalten und die Belohnung müssen zeitgleich oder zumindest nach ein bis zwei Sekunden stattfinden, um eine Verknüpfung zwischen beiden zu ermöglichen. Und was, wenn der Delfin das zufällige Verhalten ''durch den Reifen schwimmen'' erst gar nicht zeigt?

Hier setzt der Clicker als Kommunikationshilfe und zeitlicher Überbrücker ein.

Während der Delfin durch den Reifen schwimmt, erfolgt der konditionierte Ton. (Im Fall der Meeressäuger mag dies auch eine Pfeife sein.) Das richtige Verhalten wird sozusagen markiert. Und zwar genau in dem Moment, in dem es auch tatsächlich passiert und nicht Sekunden oder gar Minuten später. Erst danach folgt die eigentliche Belohnung, die zuvor durch den konditionierten Ton angekündigt wurde. Das Tier kann nun leicht eine Verknüpfung zwischen dem erwünschten Verhalten und der Belohnung herstellen und das erwünschte Verhalten wird folglich häufiger und ganz bewusst gezeigt.

Aber was, wenn das von uns gewünschte Verhalten gar nicht zufällig gezeigt wird?

Das Shaping

Manch ein Verhalten, das wir uns von unserem Tier wünschen, ist zu komplex, als dass es sozusagen spontan vom Himmel fällt. Dies ist sowohl im Hundesport der Fall, wo es um Präzision und Punkte geht, als auch im täglichen Leben, das eine Menge Ablenkungen und Überraschungen auf einem Spaziergang bereit halten kann. Doch zurück zu unserem Delfin. Dieser hat vielleicht einfach einen schlechten Tag und interessiert sich partout nicht für einen albernen Reifen. Wedelt ein Trainer nun mit einem Fisch durch die Luft, gibt dies dem Delfin keinerlei Informationen, was von ihm erwartet wird. Der erste Schritt muss also sein, das Interesse an dem Reifen zu wecken. Dies kann schon dadurch geschehen, dass der Delfin seinen konditionierten Pfeifton hört, wenn er nur zufällig in die Richtung des Reifens schaut. Anschließend, versprochen ist versprochen, gibt es eine kleine Belohnung. Alles, was im weitesten Sinn mit dem Reifen zu tun hat, darauf zuschwimmen, hinschauen, gibt dem Tier durch den Pfiff oder Click eine Information und, für das Tier ebenso wichtig, eine Belohnung für das richtige Verstehen. Die Einsicht, dass es sich bei dem Reifen um die tollste Sache der Welt handelt und das Interesse daran, werden nun immer mehr verstärkt. Eine gute Basis, um Anforderungen zu erhöhen, nicht mehr für jeden Blick zum Reifen zu bestätigen, sondern irgendwann nur noch für den eigentlichen Kontakt mit dem Objekt, so dass man das gewünschte Verhalten in vielen Einzelschritten formt beziehungsweise shaped.

Aber nun haben die wenigsten Leute einen Delfin zu Hause. Wo liegt also der Nutzen für unsere Hunde?

Anwendungsgebiete des Clickers im täglichen Hundeleben

Unsere Hunde müssen im täglichen Leben nicht durch Reifen springen. Der Clicker kann aber auch eine Hilfe im Alltag sein, denn egal, ob es für uns und unseren Hund um Übungen aus einer Prüfungsordnung oder unserer Hausordnung geht, wir müssen ihm etwas beibringen und unser Vierbeiner soll etwas lernen. Eine Übung, die auch ein reiner Familienhund lernen muss, ist zum Beispiel die Leinenführigkeit. Der Hund soll also lernen, an lockerer Leine zu laufen. Da die Welt aber gerade für Welpen besonders spannend ist und hinter jeder Kurve neue Sensationen warten, wird ein gesundes, neugieriges Tier vor allem einen Gang zulegen wollen. Einen Gang zu schnell für uns, die wir nur über zwei Beine verfügen. Der Hund muss nun lernen, dass es nur vorwärts geht, wenn er sich unserer zugegebenermaßen vergleichsweise schneckenähnlichen Geschwindigkeit anpasst. Wann immer die Leine stramm ist, bleibt man einfach stehen, wann immer sie sich leicht lockert, wird genau in diesem Moment geclickt und der Hund bekommt ein kleines Leckerchen. Je häufiger sich dies wiederholt, desto schneller versteht der Hund, dass es erstens nur vorwärts geht, wenn die Leine locker ist und man zweitens dafür auch noch eine Belohung bekommt. Das Verhalten ''an lockerer Leine gehen'' lohnt sich also und wird verstärkt gezeigt.

Aber was ist mit den Hörzeichen?

Das Hörzeichen im Clicker Training

Im Gegensatz zu klassischen Ausbildungsmethoden, spielt das Hörzeichen anfangs keine Rolle im Clicker Training. Zunächst wird das gewünschte Verhalten durch das Clickgeräusch punktgenau markiert und danach belohnt, so dass der Hund dieses Verhalten häufiger zeigt. Doch erst wenn es zuverlässig gezeigt wird, kommt auch ein Hörzeichen ins Spiel. Sobald der Hund nun beginnt, das gewünschte Verhalten zu zeigen, sagt man auch das Hörzeichen. Dies hat den Vorteil, dass der Hund es nur mit seinem richtigen Verhalten verknüpft. Sagt man das Hörzeichen zu früh, wenn das Verhalten noch nicht sicher ist, ist die Gefahr groß, dass es zu Fehlverknüpfungen kommt und der Hund den Sinn des Wortes nicht voll begreifen kann.

Diese Umkehr der allgemein üblichen, menschlichen (Ausbildungs-) Logik ist ein weiteres, besonderes Detail des Clicker Trainings. Generationen von Menschen bombardieren ihre Hunde von Anfang an mit Kommandos. Verstehen kann ein Hund diese zunächst jedoch noch nicht. Das dazu passende Verhalten wird dem Hund dann nachträglich per Hand- oder Körperhilfe vermittelt. Aber auch hier handelt es sich sozusagen um eine noch unfertige Übung, an welche verschiedenste Hilfen gekoppelt sind. Trotzdem bekommt dieses Verhalten schon einen Namen, ein Hörzeichen, was weitere Risiken einer Fehlverknüpfung birgt.

Aber braucht man den Clicker überhaupt noch, wenn ein Hörzeichen eingeführt wurde?

Der Abbau des Clickers

Der Clicker erleichtert das Lernen. Hat der Hund dann letztlich verstanden, was er tun soll, ist ein Kommando oder Hörzeichen eingeführt, ist die Hauptarbeit des Clickers beendet. Nun geht es darum, das gelernte Verhalten aufrecht zu erhalten, aber der Hund versteht bereits, worum es geht. Der Hund wird sich auf das Kommando ''Sitz'' zuverlässig setzten. Nun sind Hunde allerdings auch Opportunisten und so kann sich dieses Verhalten auch langsam wieder ausschleichen, wenn denn so gar keine Konsequenz folgt. Es ist also ratsam, Gelerntes immer mal wieder mit Futter oder Spiel variabel zu bestätigen, um die Motivation des Hundes zu erhalten. Gerade diese Variabilität erzeugt beim Hund Spannung und Arbeitseifer. Wichtig ist jedoch, dass eine Bestätigung für den Hund unvorhersehbar bleibt.

Dieser Arbeitseifer, der beim Clicker Training entstehen kann, ist auch ein großer Vorteil im Hundesport.

Das Clicker Training im Sport

Heutzutage wünscht man sich einen aktiven Sporthund, der selbstbewusst ist und mit seinem Hundeführer ein harmonisches Team bildet. Mit dem Clicker ausgebildete Hunde zeigen schon deshalb eine große Aktivität, weil sie Grundvoraussetzung dieser Ausbildungsmethode ist und sie gelernt haben, dass sich ''Arbeit'' lohnt. Die komplexen Übungen, die ein Sporthund absolvieren soll, verlangen vom Hundeführer indes genaue Überlegungen, wie sie so sinnvoll in Einzelschritte zerlegt werden können, dass der Hund sie auch tatsächlich mit allen Facetten erfassen kann. Am Beispiel der Leinenführigkeit wird dies deutlich. Anders als beim Familienhund, der einfach nur an lockerer Leine gehen lernen soll, hat die Leinenführigkeit im Hundesport noch vielfältigere Schwerpunkte. Der Hund soll möglichst den Blickkontakt zu seinem Hundeführer halten, er soll dicht an dessen Bein gehen und auch die Position spielt eine immens große Rolle. Zudem wird eine große Motivation des Hundes erwartet. Beim Aufbau müssen nun all diese Faktoren beachtet werden. Möchte man diese Übung zunächst mit dem Blickkontakt beginnen, clickt man einfach in dem Moment, in dem der Hund einen anschaut. Jeder einzelne Schritt braucht viele Wiederholungen und wird später erst zusammen gefügt.

Alle Übungen im Hundesport, vom Apportieren bis zum Fuß gehen, werden beim Clicker Training in viele Einzelschritte zerlegt. Dies ermöglicht einen soliden Aufbau von Anfang an. Der Hund lernt mitzudenken und aktiv zu sein. Und auch ein Familienhund profitiert von einer Erziehungsmethode, die nicht nur in sich schlüssig ist, sondern vor allem das Lernen erleichtert.

Quelle: website von Karen Pryor

Bettina Wenthe am Camusdarach Beach, Bettina Wenthe

Bettina Wenthe - Ich habe 1997 mein Studium der Germanistik / Anglistik in Hannover abgeschlossen und bin seit vielen Jahren in der Erwachsenenbildung ...

rss