
- FIFA Club WM 2011 in Japan: FC Santos wird vom FC Barcelona vorgeführt - FIFA
Eines mal vorweg - Xavi Hernandez de Creus war beim Frisör, und das bringt ja Fußballprofis bekanntlich Glück. Der große, kleine Dirigent des FC Barcelona führte seine Artistentruppe bei der Club-WM in Yokohama mit flinken Beinen, Hackentricks und anderen wunderbaren Kabinettstückchen wieder einmal auf die ganz große Weltfußballbühne.
FC Santos bekommt Nachhilfestunden im Kreativfußball
Das Spiel ging so: In den ersten 6 Minuten hatte der hochgelobte Gegner FC Santos aus Brasilien so gut wie keine Gelegenheit, den Ball näher kennenzulernen. Vielleicht lag es daran, dass Xavi so gern Sushi isst oder die Japaner (kleine Leute) die kleinen Katalanen besonders mögen und das ganze Stadion wie im Camp Nou dem FCB zujubelte? Vielleicht lag es auch daran, dass die Brasilianer in Weiß spielten? Diese Trikotfarbe macht Barça so wütend wie einen Stier beim Anblick der Muleta, dem roten Tuch. Wie dem auch sei, Barça zog ein sagenhaftes Tiki-Taka auf, dass die ganze Welt, so sie sich denn für diese Klubmeisterschaft interessiert, den Atem anhalten musste. Die Bälle wurden perfekt gepasst, angenommen, das Spiel telepathisch antizipiert und die Tore grandios ausgeführt. Santos hockte wie das Kaninchen vor der Schlange, und selten wirkte eine Irokesenfrisur so deplatziert wie die des von beiden spanischen Top-Klubs Real Madrid und Barcelona so hofierten Neymar. Der nämlich sah während der Partie ganz blass aus.
Welches Spielkonzept greift gegen den FC Barcelona?
Es gibt nicht viele Spielkonzepte, die gegen Barça greifen, betonen Fußballtaktiker und gegnerische Trainer immer wieder. Santos FC hatte sich aufs Kontern verlegt und schlug lange Bälle auf die Stürmer Neymar oder Borges. Abidal tanzte stets den bulligen Mittelstürmer Borges aus, Piqué vermieste Neymar den großen Auftritt. Dani Alves, bei Barça der stürmende Außenverteidiger auf Rechts, zeigte, warum die besten Brasilianer lieber weiter in Europa spielen. Er bereitete zwei Tore vor, lieferte sich mit Messi spaßige Ballstaffetten und hielt zugleich die Santos-Angriffe in Schach.
Messi gegen Neymar - Das Duell gewinnt der Weltfußballer der Blaugrana
Das Vorfeldmarketing dieser Club-WM hatte ja klargestellt, dass es sich beim Finale vor allem um ein Duell zwischen dem zweifachen Weltfußballer Messi und Jungstar Neymar handelte. Dabei irrten sich die Fußballexperten mal wieder gewaltig - gerade der Fútbol Club Barcelona pflegt ja den Kollektivgeist wie kein anderer Verein. Trainer Pep Guardiola hatte nach dem letzten in Madrid gewonnenen Clasico im San Bernabeu am 10. Dezember 2011 betont, dass dieser Zusammenhalt die eigentliche Zauberformel seiner Mannschaft sei.
Das Spinnennetz der dribbelnden Ballartisten aus Barcelona zog sich ab Minute 10 immer enger - die Mittelfeldmaschinerie um Xavi, Iniesta, Fàbregas und Messi lief sich betriebswarm. Dagegen wirkte es, als würden die hochgelobten Brasilianer des Pele-Teams von ihrer eigenen Muskelmasse erdrückt. Die Sambakicker wirkten gegen die agilen Katalanen arg in ihrer Beweglichkeit und wohl auch geistigen Frische eingeschränkt. Fazit erste Halbzeit: drei Tore aus der Torfabrik Xavi-Messi-Fàbregas. Eines war schöner inszeniert als das andere.
Barça spielt mit den Brasilianern Katz und Maus
In der 2. Halbzeit kam Santos wütend aus der Kabine, aber die Wut manifestierte sich nicht. Barça blieb weiter am Ball. Selbst die Ecken schoss man nicht, sondern inszenierte sie lieber mit vielen Kurzpässen. Eine Erfindung Xavis und ein geheimer Code, wie der Angriff daraufhin zu erfolgen hat? Brummschädel Puyol war nun öfter gefragt und köpfte Neymar rammdösig. Der sah nun alles doppelt und schoss wohl deshalb stets am Kasten von Barça-Keeper Valdés vorbei.Im anschließenden Laufduell war der alte Recke aus Barcelona sogar schneller als der 19-Jährige Brasilianer. Puyol nahm sich teilweise Zeit für Purzelbäume entlang der Seitenlinie (52.).
Torschussversuch in Minute 54 von Borges. Doch Santos vielversprechendster Angriff endet wieder bei Valdés, der sich einfach auf das Spielgerät wirft. Noch kein Anzeichen von Schnappatmung bei der Barca-Abwehr. Man kombiniert weiter nach Belieben. Iniesta will auch noch ein Tor schießen und senst in der 55. Minute knapp am Außenpfosten vorbei. Piqué macht Platz für Argentinier Mascherano, der es nun mit Neymar zu tun bekommt. 56. Minute - Neymar bewegt sich aufs Tor zu und kommt auch fast zum Beinschuss ins Gehäuse, aber wieder spielt Valdés die Spaßbremse und vereitelt. 58. Messi wird von einem Rüpel aus Santos schmerzhaft gefoult und bekommt einen Freistoß. Messi und Xavi flüstern sich was zu und machen es wie bei den Ecken: Der Ball wird nicht geschossen, sondern hineingetragen und endet in einem verpatzten Angriff. Schulterzucken und weiter.
Tiki-Taka in allen Reihen beim FC Barcelona
Ab Minute 62 ließ Barça die Zügel locker und amüsierte sich beim Defensiv-Tiki-Taka. Das muss auch mal sein und hält die Hinterreihen wach. Neymar durfte jetzt einmal richtig Übersteiger machen und Puyol hippelte vor ihm umher mit seiner Minotaurusmähne. Dann wurde es sogar etwas langweilig. Barca ließ sich Zeit und Santos hatte keine. Die Fernsehbilder aus Japan (Eurosport ohne Kommentar) waren kaum von der Regie bearbeitet, so dass man es fast nur mit der Vogelperspektive zu tun hatte. Dabei muss man Barça genau auf die Füße schauen, um sich so richtig zu amüsieren.
In Halbzeit Zwei hagelte es gelbe Karten und noch ein Messi-Tor
Mascherano bringt irgendwie den stämmigen Borges in der 70. Minute zu Fall und kassiert Gelb. Die übereifrigen Linienrichter vereiteln später wieder eine Barça-Chance aufs Tor wegen vermeintlichen Abseits. Alves verdreht die Augen und schüttelt sich - ihm wurde im Spiel 3 falsche Abseitsstellungen untergejubelt. Gelb nun auch für Santos Nummer 10 Ph Ganso, der höflich die Arme hebt und sich zu seiner Schuld bekennt. Gelb für Dracena, der drakonisch Messi in der 74 Minute umsenst. Schade, wir hätten ihn lieber weiter auf den Beinen gesehen und ein Freistoß bringt wie oft bei Barça nichts. Ruhende Bälle sind scheinbar etwas für Anfänger - damit geben sich Ballzauberer, die das Orchestrale lieben, kaum ab. In der 77. Minute durfte Pedro für Thiago ins Spiel. Der quirlige Tinerfeño, eine Entdeckung von Pep Guardiola aus dem Jahr 2009, hat lange nicht getroffen und braucht etwas Auftrieb. Das Stadion singt aus vollem Halse: Pedro, Pedro. Komisch, dass die Japaner sich so gut auskennen. Pedro und Thiago spielten auf David Villas Position, der sich im Halbfinale dieser WM gegen Al-Sadd unnötigerweise das Schienbein brach und dessen Ausfall Spanien den EM-Titel kosten kann. Messi dribbelt dann doch noch einmal in der 82. Minute im Santos-Strafraum umher, wird fast vom Torwart ins Jenseits befördert, überspringt den aber und lupft zum 4:0 ein.
Lohn der Angst - Santos verliert das Klub-Finale
Santos Nummer 10 wird ausgewechselt und Neymar steht weiter tatenlos umher. Jetzt lässt Pep die Puppen tanzen und wechselt mit Fontàs noch einen Jugendspieler Barças ein, um Puyol zu schonen. Das geheime Ziel bei ist es wohl, künftig eine rein katalanische Mannschaft aufzubauen. Damit lässt sich nicht nur Geld sparen, sondern Erzfeind Madrid besonders wirkungsvoll ärgern. Mal sehen, wie der Ballzirkus aus Barcelona demnächst die Welt demütigt. Voher wird Messi erst einmal wieder Weltfußballer 2011.
