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Co-Abhängigkeit bei Suchterkrankungen: Ursachen und Therapie

Co-Abhängigkeit in Zusammenhang mit Suchterkrankungen hat als Ursache meist ein Helfersyndrom und verläuft in mehreren Phasen. Eine Therapie kann helfen.

Eine Suchterkrankung betrifft in der Regel nicht nur den Süchtigen selber, sondern sein ganzes Umfeld. Partner suchtkranker Menschen, die ebenfalls unter der Abhängigkeit leiden und darin verstrickt sind, bezeichnet man als co-abhängig.

Co-Abhängigkeit bei Suchterkrankungen: Am Anfang steht das klassische Helfersyndrom

Eine Co-Abhängigkeit entwickelt sich ähnlich schleichend wie die Sucht des Abhängigen. Während der Suchtkranke sich immer mehr verändert, macht der Co-Abhängige eine parallel verlaufende Entwicklung durch. Oft steht die Entscheidung des Co-Abhängigen, in einer leidvollen Beziehung mit einem suchtkranken Menschen zu verharren, am Ende einer langen "Helfer-Karriere". Der Co-Abhängige hat mit der Zeit ein Verhalten verinnerlicht, in dem Aufopferung und das Gefühl, immerzu gebraucht (und ausgenutzt) zu werden, als natürlicher Zustand erscheint.

Je länger die Co-Abhängigkeit zum kranken Partner besteht, umso zermürbender wird der Beziehungskampf. Besonders Frauen neigen zu Schuld-und Schamgefühlen und versuchen möglichst lange eine Fassade aufrecht zu erhalten beziehungsweise die Sucht ihres Partners nach außen hin zu verleugnen, indem sie Schulden begleichen, Suchtmittel wegschmeißen und Ausreden für ihn erfinden. Co-Abhängige möchten dem kranken Partner helfen, tragen durch ihre Unterstützung jedoch letztlich dazu bei, dass der Abhängige seine Sucht aufrechterhalten kann. Versuche, Einfluss zu nehmen und das Verhalten des Süchtigen zu kontrollieren, scheitern.

Ursachen für Co-Abhängigkeit

Viele co-abhängige Partner von Suchtkranken besitzen eine Persönlichkeitsstruktur sowie verinnerlichte Denkmuster und Überzeugungen, die sie für ihr co-abhängiges Verhalten anfällig machen.

  • Co-Abhängige orientieren sich meist stark an den Reaktionen anderer Menschen und daran, was diese über sie denken könnten
  • Sie definieren sich über ihren Partner und empfinden sich ohne Beziehung als "wertlos"
  • Mangelnde Abgrenzung und Eigenständigkeit, Neigung zu "klammernden" Verhalten
  • Starke Identifizierung mit den Gefühlen anderer
  • Mangelndes Vertrauen in die eigenen Wahrnehmungen und Gefühle
  • Mangelndes Selbstvertrauen
  • Verdrängung von Wut und Aggressionen
  • Neigung zu Schuldgefühlen
  • Co-Abhängige finden Begründungen und Entschuldigungen für verletztendes Verhalten anderer Personen
  • Versuch, die eigene (vermeintliche oder eingebildete) Unzulänglichkeit zu verschleiern
  • Erst das "Gebraucht-Werden", Erbringen von Opfern und Bewältigen schwerer Aufgaben oder Prüfungen gibt das Gefühl, ein wertvoller Mensch zu sein
  • Glaube, sich Liebe durch Leistung verdienen zu müssen
  • Kompensation von Minderwertigkeitsgefühlen durch Selbstlosigkeit

Co-Alkoholiker - Verschiedene Phasen

In Deutschland leben etwa fünf bis sieben Millionen Co-Alkoholiker mit einem alkoholabhängigen Partner. Co-Alkoholiker durchlaufen verschiedene Phasen. In der anfänglichen Beschützer- oder Erklärungsphase suchen sie Entschuldigungen für das (Fehl-)verhalten eines Alkoholabhängigen. Sie vermeiden es anfangs, den Betroffenen direkt mit seinem Alkoholismus zu konfrontieren, stattdessen wird eine Art Schonraum geschaffen. In der nächsten Phase versuchen Co-Abhängige, das Verhalten ihres alkoholabhängigen Partners durch Kontrollen, Verbote und Auflagen zu reglementieren. Der Alkoholiker reagiert daraufhin mit heimlichem Trinken. Als Reaktion darauf verstärkt der Partner seine Kontrollen, die zu kurzen abstinenten Phasen und einem unvermeidlichen Rückfall führen. In der darauf folgenden Anklagephase verfestigt sich der Teufelskreislauf aus Kontrollen, kurzzeitiger Abstinenz, Rückfällen, Beschützer-und Erklärungsverhalten und Anklagen.

Co-Abhängigkeit: Therapie

Am Ende dieses Teufelskreislaufs steht die Abhängigkeit des Co-Alkoholikers, der sein gesamtes Handeln auf den Suchtkranken ausrichtet. Er ist nicht mehr in der Lage, sich zu distanzieren. Fatalerweise zollt das Umfeld der "Hilfsbereitschaft“ des Co-Abhängigen oft Anerkennung, wodurch dieser seine eigene Rolle, die er bei der Aufrechterhaltung der Sucht spielt, nicht klar erkennen kann. Die Therapie des Alkoholikers muss daher immer auch die Bezugsperson integrieren. Es gibt diverse Selbsthilfegruppen für Co-Abhängige und Co-Alkoholiker (zum Beispiel AI-ANON). Hier lernen sie, sich von Schuldzuweisungen frei zu machen und aktiv zu handeln statt passiv zu erleiden.

Claudia Schöll, Claudia Schöll

Claudia Schöll - * Magisterstudium der Neueren Deutschen Literatur und Nordamerikanistik (FU Berlin)

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