
- Banken suchen nach neuen Finanzierungsformen - Peggy Richter
Eine der schockierendsten Offenbarungen der Finanzkrise war die mangelnde Eigenkapitalqualität mancher Banken. Nachrangige Bankanleihen, die in Stresssituationen Verluste auffangen sollten, erwiesen sich in der Krisensituation oft als nutzlos. Um in Zukunft zu vemeiden, dass Banken durch Steuergelder gerettet werden müssen, fordert der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht nicht nur eine Erhöhung der Eigenkapitalquote, sondern definiert auch neu, was Eigenkapital ist. Eine neue Generation von Wandelanleihen, CoCos genannt, soll diese Kriterien erfüllen. Die Schweizer Bank Credit Suisse verkündete am 14. Februar 2011 die Emission von sechs Milliarden Schweizer Franken (4,5 Milliarden Euro) in CoCos und versucht damit zum Marktführer in einer neuen Finanzierungsform zu werden.
Wandelanleihen sind bedingtes Eigenkapital
Wandelanleihen gehören zu den sogenannten hybriden Finanzierungsformen. Hybrid, also Mischform, werden sie genannt, weil sie Eigenschaften von Anleihen und Eigenkapital vereinen. Sie werden als Anleihen mit einem Zinskupon ausgegeben, das heißt der Investor erhält zunächst feste Zinszahlungen. Zusätzlich enthalten sie eine Option, die dem Investor das Recht gibt, seine Anleihe zu einem vorher festgelegten Preis in Aktien des Unternehmens oder der Bank umzutauschen. Klassische Wandelanleihen geben also dem Investor die Möglichkeit, feste Zinszahlungen zu erhalten und zusätzlich die Chancen des Aktienmarktes wahrzunehmen. Der Kupon der Wandelanleihe, also der Zinssatz, ist normalerweise geringer als bei einfachen Anleihen. Der Investor spekuliert auf zusätzliche Gewinne aus der Option. Für Unternehmen macht der geringere Zinssatz Wandelanleihen zu einer interessanten Finanzierungsalternative. Da die Anleihe unter bestimmten Bedinungen, nämlich wenn der Investor seine Option ausübt, in Eigenkapital umgewandelt wird, gehören Wandelanleihen zum bedingten Eigenkapital.
Contingent Convertibles als Eigenkapitalpuffer
Banken müssen aufgrund ihrer Bedeutung für die Volkswirtschaft über ein Minimum an Eigenkapital verfügen. Aufgrund der Finanzkrise steigen die Mindestanforderungen an das Eigenkapital in den nächsten Jahren an. Zusätzlich sollen Banken einen Eigenkapitalpuffer aufbauen, so dass in einer Krisensituation mehr Eigenkapital für Verluste zur Verfügung steht. Dieser Eigenkapitalpuffer darf teilweise aus hybriden Finanzprodukten bestehen. Um hybride Finanzierungsformen als Eigenkapital zu verwenden müssen sie strenge Kriterien erfüllen. Klassische Wandelanleihen schaffen das nicht, denn die Option für den Umtausch liegt beim Investor. Contingent Convertibles, wie die neue Generation von Wandelanleihen genannt wird, sind daher anders strukturiert. Contingent Convertibles werden ebenfalls als Anleihen mit einem festen Zinskupon emittiert, aber es gibt vorher festegelegte Bedingungen, zu denen sich die Anleihe automatisch in Eigenkapital umwandelt. Im Gegensatz zu klassischen Wandelanleihen ist der Zinskupon höher als bei einfachen Anleihen, denn der Investor hat ein höheres Risiko als bei anderen Anleihen, dass er sein angelegtes Geld in einer Krisensituation nicht zurück bekommt.
CoCos sind eine neue Anlageform im Entwicklungsstadium
Credit Suisse hat ihre CoCos so strukturiert, dass die Anleihen automatisch in Eigenkapital umgewandelt werden, wenn die Tier 1 Eigenkapitalquote der Bank unter sieben Prozent fällt oder die Schweizer Aufsichtsbehörde Finma feststellt, dass Credit Suisse staatliche Unterstützung benötigt. Die Transaktion wurde in enger Abstimmung mit der Finma strukturiert, um sicherzustellen, dass die CoCos als Eigenkapitalpuffer verwendet werden können. Der größte Teil der geplanten CoCos Emission wird verwendet, um alte Tier-1-Anleihen abzulösen. Gleichzeitig ist Credit Suisse im Gespräch mit anderen Investoren, um das Marktinteresse für diese neue Anlageform auszutesten. Die größte Hürde ist, dass viele institutionelle Investoren, die bisher in Tier-1-Bankanleihen investiert haben, nicht in CoCos investieren dürfen, da diese Wandelanleihen einen zu starken Eigenkapitalcharakter haben. Eine Finanzierungsform zu finden, die Regulierungsbehörden als Eigenkapitalersatz anerkennen und die gleichzeitig Investoren in festverzinsliche Wertpapiere anspricht, ist kein leichtes Unterfangen. Außerdem steht noch die endgültige Entscheidung des Baseler Ausschusses über die Verwendung hybrider Finanzierungsformen als Eigenkapital aus. Eine Stellungnahme zu diesem Thema wird im Sommer 2011 erwartet.
