
- Aussichtspunkt Coffee to fly - Silke Schlüter
Sobald die Sonne scheint und die Luft über dem Himmel klar ist, versammeln sich – wie auf ein geheimes Zeichen hin – zahllose Menschen an einem kleinen Imbiss an der Holtkoppel 100 im Hamburger Stadtteil Langenhorn. „Coffee to fly“ steht in großen Lettern über der ansonsten eher unscheinbaren Bude – und der Name ist Programm: An dieser Stelle befindet sich ein ganz besonderer Aussichtspunkt, direkt am Rande der Rollbahn des Hamburger Flughafens gelegen. Von hier aus lassen sich die Starts und Landungen der großen und kleinen Flieger ganz wunderbar beobachten.
Coffee to fly in Hamburg-Langenhorn
Das Publikum ist bunt gemischt. Viele Familien kommen mit dem Fahrrad hierher; wer weniger mobil ist, nimmt das Auto. Oft stehen die Fahrzeuge in langer Reihe auf der Zufahrt zum Aussichtspunkt und sind schon von weitem zu sehen. Aber auch Wohnmobilisten, Quad- und Motorradfahrer kommen gerne zur Holtkoppel, um sich ein wenig den Duft der großen weiten Welt um die Nase wehen zu lassen.
Mit großen Augen stehen (nicht nur) die Lütten dann am Geländer und beobachten staunend das spannende Geschehen auf der Rollbahn. Die Großen tauschen Erinnerungen an eigene Flugreisen in den Süden aus, geben Tipps zur Bewältigung der Flugangst weiter, berichten über ihre Erfahrungen mit Luftlöchern oder geben Anekdoten zum Besten, in denen nervende Mit-Passagiere oder die Serviceleistungen der einzelnen Fluggesellschaften thematisiert werden – und natürlich wird immer auch ein wenig gefachsimpelt.
Direkt vor der Nase heben die Flugzeuge ab
Wer Glück hat, ergattert einen der begehrten Plätze auf den etwas erhöht stehenden Bänken und Tischen mit direktem Blick auf die Start- und Landebahn. Hier lässt es sich bei schönem Wetter stundenlang aushalten – für den Durst gibt es nebenan im Imbiss den besagten „coffee to fly“, für den kleinen Hunger auch ein Stück Kuchen, Eis oder einen kleinen Snack.
Darauf müssen auch die Stehgäste nicht verzichten, denn auf dem Geländer rundum sind etliche kleine Platten angebracht, auf denen sich der Kaffeebecher bequem parken lässt, wenn es an der Zeit ist, mal wieder das Fernglas zu zücken oder die Kamera scharf zu machen. Und das ist oft genug im Minutentakt der Fall: Mehrere hundert Flugzeuge heben pro Tag am Hamburger Flughafen ab oder kommen hier an – und beides lässt sich von diesem Punkt aus bestens beobachten.
Das Abheben ist für viele besonders spannend: Sobald sich hinten auf dem Rollfeld etwas bewegt, verstummen die Gespräche und die Hälse werden lang. Was für eine Maschine rollt da gerade zum Startpunkt? Eine kleine Cessna vielleicht? Oder eine große Boeing? Ist es wieder eine Lufthansa-Maschine oder dieses Mal etwas „Exotisches“ – ein Emirates-Flieger auf dem Weg nach Dubai etwa oder gar eine asiatische Airline?
Der Aussichtspunkt wird auch Fotografenbrücke genannt
Gespannt verfolgen die Zuschauer, wie sich die Maschinen langsam in ihre Richtung bewegen, dann plötzlich immer schneller werden und schließlich elegant (und sogar relativ leise) abheben – mit etwas Glück passiert das direkt vor der Nase der Open Air-Gäste und kann mit einem Klick auf den Auslöser der Kamera auch punktgenau festgehalten werden.
Nicht umsonst wird dieser Aussichtspunkt von Insidern auch „Fotografenbrücke“ genannt. Riesige Objektive sind aufgrund der Nähe zur Rollbahn eigentlich gar nicht nötig, können aber häufig auf den mitgebrachten Fotoapparaten beobachtet werden. Und das hat auch seinen Grund, denn für passionierte Fotografen gibt es auch abseits der startenden und landenden Flieger viel festzuhalten: Manchmal fahren Polizeifahrzeuge über das Gelände oder es sind Traktoren zu sehen, mit denen der Rasen neben den Pisten kurz gehalten wird.
Kostenloses Open Air-Vergnügen mit tollen Schnappschüssen
Um die weiter entfernt liegenden Terminals zu fotografieren oder den Fernsehturm in weiter Ferne mit aufs Bild zu bekommen, ist schon eine etwas professionellere Ausrüstung erforderlich. Alle anderen, denen ein paar tolle Schnappschüsse reichen, müssen sich damit nicht abschleppen – die Kamera für die Hosentasche tut es nämlich auch.
Am coffee to fly-Point kommt jeder auf seine Kosten – und das sogar ohne etwas dafür zu bezahlen, denn eine Verzehrpflicht besteht nicht. Ein kostenloses Open Air-Vergnügen also... wann gönnen Sie sich mal einen „coffee to fly“?
