Col Buchanan: Farlander – Der Pfad des Kriegers

Col Buchanan: Farlander - Der Pfad des Kriegers - Heyne
Col Buchanan: Farlander - Der Pfad des Kriegers - Heyne
Rezension des Fantasy-Romans "Farlander - Der Pfad des Kriegers", dem Debüt des britischen Autors Col Buchanan um Kriegermönche zwischen Shaolin und Ninja.

Ein Imperium, aufgebaut auf einer Religion, die keine Schwäche duldet, Stadtstaaten, die nach für nach diesem Imperium zum Opfer fallen und ein Mönchorden, der kontrollierte Rachefeldzüge führt – sie bilden den Hintergrund für den Fantasy-Roman „Farlander – Der Pfad des Kriegers“ von Col Buchanan.

Fantasy-Roman: „Farlander – Der Pfad des Kriegers"

Seit zehn Jahren belagert das Imperium der Mhann die auf einer Halbinsel gelegene Stadt Bar-Khos. Die Rationierung der Nahrungsmittel treibt viele Bewohner der Stadt in die Prostitution oder in eine Verbrecherkarriere. So ergeht es auch dem jungen Nico, der zum Dieb wird. Doch das Treffen mit dem Farlander Asch, einem Angehörigen des Roschun-Ordens, verändert Nicos Leben. Währenddessen wächst Kirkus, Thronfolger der Herrscherin des Heiligen Reichs der Mhann, als verwöhnter Sprössling heran. Er denkt nur wenig über die Konsequenzen seiner Handlungen nach, auch nicht, als er ein Opfer erwählt, das unter dem Schutz der Roschun steht.

Col Buchanan wählt in „Farlander – Der Weg des Kriegers“ scheinbar das bekannte Motiv des jungen Helden, der auserwählt ist, die Welt zu retten. Doch Nico – soviel sei verraten – ist nicht der geheime Königssohn, das magisch begabte Waisenkind oder der super talentierte Schwertkämpfer. Nico ist ein ganz normaler Junge. Das ist originell, hat aber den Nachteil, dass nicht deutlich wird, warum der alte Farlander Asch ihn überhaupt zum Lehrling nimmt.

Col Buchanan schafft einen Orden, der an Shaolin und Ninja erinnert

Die Passagen über Nicos Ausbildung zum Roschun zählen dennoch zu den stärksten des Fantasy-Romans. Der Orden der Roschun ist wohl irgendwo zwischen Ninja und Shaolin-Mönchen angesiedelt. Während der Glauben der Dao, das Klosterleben und das Meditieren stark an die buddhistischen Shaolin aus China erinnern, dürfte die Kampfkunst, Wahl der Waffen und der Einsatz der Roschun als Assassinen hingegen eher an die japanischen Ninja angelehnt sein.

Buchanan (Jahrgang 1973) begeht dann jedoch den Fehler, dass er zu wenig Zeit für Nicos Ausbildung verstreichen lässt. Die wenigen Wochen, die der Novize im Kloster verbringt, dürften kaum ausreichen, um ihn gut auszubilden. Dennoch bricht er mit seinem Farlander-Meister auf, den wichtigsten Auftrag der rächenden Krieger-Mönche zu erfüllen. Dies ist nicht die einzige unglaubwürdige Stelle im Fantasy-Roman. So wird nicht deutlich, warum die Roschun überhaupt ihren Auftrag, den Thronfolger des Reiches zu ermorden, so überhastet erfüllen wollen, nachdem Kirkus sicher in seine Heimat zurückgekehrt ist. Ebenso bleibt ungeklärt, warum die Mönche ihr Kloster nicht verlegen, wenn klar ist, dass es einen Verräter gibt, der Feinde an den geheimen Ort führen kann. An diesen Stellen fehlt dem ersten Farlander-Roman die Raffinesse, wie sie R. Scott Bakker, aber auch Brandon Sanderson und Ken Scholes mitbringen.

Vorbilder für Farlander – Der Pfad des Kriegers" stammen aus verschiedenen Epochen

Zu den gelungenen Ideen in „Farlander – Der Pfad des Kriegers“ zählen das automatisierte Hotel in Q’os, in dem sich ohne Münzeinwurf nicht einmal ein Fenster öffnen lässt und die Verwendung anderer moderner Technik. So kämpfen zwar die Mahn und ihre Gegner vor allem noch mit dem Schwert, setzen neben Armbrüsten aber auch Gewehre und Pistolen ein, dazu noch Kanonen und Granaten. Nicht zu vergessen die Luftschiffe, die ebenfalls bereits erfunden sind. Für Magie bleibt da, anders als bei den meisten Fantasy-Romanen, wenig Raum.

„Farlander – Der Pfad des Kriegers“ hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck: Der Weltentwurf, zusammengewürfelt aus vielen verschiedenen Kulturen der Geschichte, enthält viele interessante Ansätze. Die Figur des Asch – der Züge von Zatoichi, dem blinden Samurai trägt – ist ebenfalls gelungen. Doch in vielem bleibt Buchanan an der Oberfläche, besonders bei der Entwicklung der Figuren, die zum Teil sehr klischeehaft bleiben oder auch bei der Beziehung der Charaktere untereinander. Hier verschenkt der Autor viel Potenzial, das er in künftigen Farlander-Romanen besser nutzen sollte. Der zweite Band, „Farlander – Im Auftrag der Rache" erscheint im März 2012.

Col Buchanan: Farlander – Der Pfad des Kriegers. Heyne 2011. Broschiertes Taschenbuch, 704 Seiten. Euro 15 (Österreich 15,50).

Jörn Käsebier - Bei Suite101.de betreute Jörn Käsebier zweieinhalb Jahre die Ressorts Wirtschaft & Geld sowie Sport als Redakteur, solange es ...

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