Colin Forbes – Agententhriller "Komplott"

Britische Geheimagenten im Kampf gegen skrupellose Politiker

 Forbes: Komplott - Heyne
Forbes: Komplott - Heyne
In Colin Forbes' neuem Buch "Komplott" kämpfen Agent Tweed und sein Team gegen korrupte Politiker, die Großbritannien in einen Polizeistaat verwandeln wollen.

Colin Forbes' Romane spalten Kritiker und Fans regelmäßig. Während viele Kritiker Forbes Charakterzeichnungen und Plots zu profan und unrealistisch sind, lieben seine Leser weltweit seine Politthriller und Agentenromane, vor allem die beliebte Reihe um den Geheimdienstchef Tweed und sein Team, das regelmäßig Gefahren von innen und außen vom Vereinigten Königreich abwehren müssen.

Machthungrige Politiker planen ein düsteres "Komplott"

Im Roman "Komplott" kommt die Gefahr diesmal von innen. Drei ungleiche Brüder, alle einflussreich und erfolgreich in Politik und Wirtschaft verankert, wollen mit einem Geheimbund Großbritannien in einen Polizeistaat verwandeln. Dazu sollen Militär, Polizei und verschiedene Sicherheitsdienste einem neuen Staatsdienst mit uneingeschränkten Befugnissen weichen, der der "Triade" untersteht und der Organisation das Werkzeug zu einem Staatsstreich liefert.

Natürlich kämpfen der vornamenlose Geheimdienstchef Tweed und sein Team gegen diese Pläne, und schon bald geraten sie ins Visier der Brüder. Nachdem ein Bestechungsversuch scheitert, bekämpfen sie die Agenten mit einem untergeschobenen Mord, Erpressungen und schließlich mit roher Gewalt.

Geheimagent Tweed im Kampf gegen die Verschwörer

Zudem muss sich Tweeds Team mit einem Serienkiller in der Londoner High Society und einem geheimen Gefangenenlager auf einer Insel herumschlagen. Bald merken sie, dass in dem Lager unliebsame Gegner gefoltert und beseitigt werden sollen, und dass die losen Ende alle zusammenführen.

Colin Forbes Agententhriller kommen einem wie ein Relikt aus einer fernen Zeit vor, sprich aus dem klassischen Agentenzeitalter der Fünfziger und Sechziger Jahre mit dem Kalten Krieg, Spionage zwischen Ost und West, Überläufern und technologischem Wettrüsten. Der englische Gentleman Forbes kann nicht viel mit der modernen Welt anfangen, und Internet, Jugendkultur, Cyberkriminalität und das vereinigte Europa samt dem Euro sind dem Schriftsteller ein Gräuel, das er nur vage in seinen Werken streift. Sein Alter Ego Tweed hat nicht einmal ein Handy, sondern leiht sich nur im Notfall ein Mobiltelefon von seinen Mitarbeitern.

Forbes Tweed und seine Einflüsse von James Bond und Co.

Tweed ist quasi ein Abbild von Michael Caines Anti-Bond Harry Palmer, der in den Sechziger Jahren in einigen Filmen als trockener Schreibtischtäter feindlichen Agenten Paroli bot. Dazu erinnern Tweeds Mitarbeiter wie der freie, aber stets bewaffnete Journalist Bob Newman, Tweeds schlagfertige Assistentin Paula, der schweigsame Scharfschütze Marler und die Handlanger Nield und Butler nicht selten an die Klassiker der Agentenkultur aus der damaligen Zeit, von Ian Flemings James-Bond-Romanen samt der berühmten Verfilmungen über die Agentenromane von John Le Carré, Frederik Forsyth und Robert Ludlum bis zu kultigen TV-Serien wie "The Avengers" (Mit Schirm, Charme und Melone), "The Professionals" (Die Profis), "The Saint" (Simon Templar), "The Persuaders" (Die Zwei) und "Mission Impossible" (Kobra, übernehmen Sie!).

Wie 007 und seine Roman- und Fernsehkollegen sind auch Tweed und sein Team stets in teuren Maßanzügen gekleidet, verkehren fast ausschließlich in High-Society- und hohen Politkreisen, steigen nur in Nobelhotels ab, gehen stets teuer essen und verfügen über unbegrenzte Geldmittel, die sie gerne mal nach Südfrankreich oder in die Schweiz führen.

Das Vermächtnis der Bush-Ära in Forbes Romanen

Dennoch verarbeitet Forbes durchaus aktuelle Themen wie den 11. September 2001, muslimische Selbstmordattentäter, Wirtschaftsspionage und den Verfall der Oststaaten in seinen Romanen. Für seinen Roman "Das Netz" (2002) erntete er viel Kritik für seine Vision, das radikale Muslime nach dem 11. September auch London angreifen könnten, was schließlich durch die Anschläge in London 2004 traurige Wirklichkeit geworden ist.

Auch in "Komplott" greift er das unsägliche Vermächtnis der Bush-Ära in den USA, und das fiktive Folterlager auf einer englischen Insel gleicht nicht umsonst Guantanamo, genauso wie das Bedürfnis einzelner Staatsmänner, Recht und Gesetz zum Wohle des Volkes aushebeln zu können.

"Komplott" – ein spannender Agenten- und Politthriller

In dieser Hinsicht ist "Komplott" ein spannender Politthriller, Serienmörderkrimi und Agentenroman zugleich mit vielen Bezügen zur Gegenwart. An Action, Spannung, leichten Social-Fiction-Touch und etwas Erotik mangelt es jedenfalls nicht, und Fans von Tweed und Co. werden mit diesem Roman viel Lesespaß haben. Und wer klassische Agentenaction liebt, sowieso.

Das Vermächtnis des Colin Forbes

Colin Forbes, geboren 1923 in Hampstead bei London, arbeitete als Militäroffizier, Verleger, Lektor, Journalist und Drehbuchautor, bevor er sich Ende der Sechziger Jahre den Agentenromanen zuwendete. Viele seiner Bücher wie "Lawinenexpress" (1977) wurden bereits verfilmt. Seit Anfang der Achtziger Jahre verfasste er die Reihe über seinen Serienhelden Tweed.

Forbes starb bereits 2006, aber viele seiner Bücher sind in Großbritannien schon vor seinem Tod erschienen, so wie auch dieser Roman als "Blood Storm" 2004. Und wenn all seine Romane auf den Markt sind, so zeigt das Beispiel von Robert Ludlum, werden sicherlich auch zukünftig noch neue Romane unter seinem Namen geschrieben und veröffentlicht.

Colin Forbes: Komplott. Heyne Verlag 2008. Brochiert, 352 Seiten. Euro 8,95.

Uwe Wolfrum, Uwe Wolfrum

Uwe Wolfrum - Geboren 1967 in Oberfranken, aufgewachsen in Hessen, gestrandet in Hamburg. Studium der Germanistik, Medienwissenschaften, Anglistik und ...

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