
- Markus Heitz: Collector - Heyne
Mit „Collector“ dringt der Phantastik-Autor Markus Heitz in die Welt der Science-Fiction vor, die er mit seinen Romanen zum Rollenspiel Shadowrun bislang nur gestreift hatte. Dabei führt seine Space-Opera die Leser in die Welt im vierten Jahrtausend.
Die „Collectors“ nehmen die Menschen in ihre Obhut
Die nicht-menschliche Rasse der Collector bringt immer mehr Planeten unter ihre Kontrolle und stellt die dort lebenden Menschen unter ihre Obhut. Was mit den so geschützten Menschen passiert, weiß in den anderen menschlichen Kolonien niemand, doch die Regierungen und Konzerne auf der Erde arbeiten fieberhaft an technischen Lösungen, um gegen die überlegenen Collectors zu bestehen. Auch Kris Schmidt-Kneen, Faye Durrick und ihre Schwester Nuria Suede geraten in diesen Konflikt hinein. Sie sollen helfen, die Herkunft und den Ursprung der Feinde der Menschheit zu erforschen.
„Collector“ enthält ein Lexikon zur Space-Opera von Heitz
Die Handlung von „Collector“ beginnt recht spannend entpuppt sich dann aber als recht wirr und überladen. Das liegt vor allem an der Vielzahl von Rassen, menschlichen Nationen und Organisationen, bei denen sich politische und wirtschaftliche Bündnisse vermischen und überlappen. Ein Lexikon und ein Personenregister sollen helfen, die Übersicht zu behalten, doch stört das Nachschlagen den Lesefluss.
Dass sowohl Gentechnik als auch das Thema maschinelle Technik, die den menschlichen Körper ersetzen soll, eine Rolle spielen, stärkt den Eindruck der überladenen Handlung. Beide Bereiche werden nur angeschnitten, die Protagonisten mit ihren Vorurteilen gegenüber derartig veränderten Menschen konfrontiert, doch die mit solchen Innovationen einhergehenden Probleme werden in „Collector“ nicht ausgeführt.
Wenig überzeugend ist die arg konstruiert wirkende Auflösung am Ende des Romans. Hier scheint es vor allem darum zu gehen, einen Schluss zu finden, der genügend Spielraum für eine Fortsetzung lässt. Und wie bereits in der Zwerge-Reihe von Markus Heitz erprobt, kommt die Rettung in Gestalt eines Supertrumpfs – nicht gerade die eleganteste Lösung.
Sprachlich ist der Science-Fiction-Roman in weiten Teilen arg misslungen. Der von Kris und den anderen gesprochene Slang orientiert sich an den schlechten Dialogen amerikanischer Actionfilme, vermischt darüber hinaus noch Englisch und Deutsch. Zusätzlich gebraucht Heitz Anglizismen wie „guter Job“, was Lesern mit Sprachgefühl ziemlich aufstoßen dürfte. Die Namen im Roman wie Kris Schmidt-Kneen sind zum Teil drollig, einige von ihnen enthalten jedoch Anspielungen zu Science-Fiction-Helden wie Leonard Nimoy, dem Darsteller von Mr. Spock.
Markus Heitz bringt mit „Collector“ die „Justifiers“ ins Spiel
„Collector“ läuft in der Vermarktung unter dem Label Space-Fiction und nicht Science-Fiction. Scheinbar soll vermieden werden, in diese kommerziell zuletzt wenig erfolgreiche Nische zu geraten. Das ändert nichts daran, dass es sich dennoch um Science-Fiction handelt. Mit „Collector“ möchte Heitz nicht nur einen weiteren Bestseller landen, sondern auch das wieder aufgelegte Rollenspiel „Justifiers“ bewerben. Parallel dazu gibt es zudem eine Romanreihe, die auch bei Heyne erscheint. Verschiedene deutsche Autoren wollen die nicht verbundenen Titel schreiben. „Missing in Action“ heißt Band 1 und stammt aus der Feder von Christoph Hardebusch.
Markus Heitz: Collector. Heyne 2010. Broschiertes Taschenbuch, 656 Seiten. Euro 14,95 (Österreich 15,40).
