
- Seron: Minimenschen 1 - Ehapa
„Die Schlümpfe“ kennt wirklich jeder. Aber wie sieht es mit den „Minimenschen“ aus? Da sind mitunter selbst erfahrene Comic-Experten überfragt. Dabei existiert dieser frankobelgische Comic bereits seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Diese von Pierre Seron unter dem Originaltitel „Les Petits Hommes“ geschaffene Serie folgt einem ganz ähnlichen Prinzip: Kleine Wesen erkunden die große Welt und sehen sie mit ganz anderen Augen.
Les Petits Hommes – Die Minimenschen
Doch wo „Die Schlümpfe“ in einem mittelalterlichen Szenario angesiedelt sind, spielen sich die Abenteuer der Minimenschen annähernd in der Gegenwart ab. Zudem sind es keine blauen Wesen mit ungeklärter Nachfolgeregelung, denn selbst Schlumpfine ist ja, wie jeder Comic-Experte weiß, einst vom großen, bösen Gargamel (beziehungsweise Gurgelhals) erschaffen worden. Die Minimenschen im gleichnamigen Comic sind ganz reale Menschen, nur eben in der Miniversion.
Science-Fiction Comic für Kinder
Tja, aber warum sind die Minimenschen so mini? Im kleinen französischen Provinzdörfchen Rajevols schlug ein Meteoritsplitter ein, der jeden Menschen bei Berührung auf Schlumpfgröße schrumpfen ließ. Auch wenn einer dieser Minimenschen einen „normalen“ berührte, schrumpfte dieser. So dauerte es nicht allzu lange, bis alle Bewohner von Rajevols geschrumpft waren. Um sich selbst und andere zu schützen, errichteten die Minimenschen in den Zisternen des Schlosses von Eslapion eine kleine, aber feine Stadt und lebten fortan in ihr.
Die Schlümpfe 2.0
Die Stadt ist allerdings alles andere als beschaulich. In ihrer unterirdischen Zisterne haben sich die Minimenschen eine futuristische Metropole aufgebaut, in der es neben nahezu allen Annehmlichkeiten der modernen Zivilisation auch ultraschnelle Flugzeuge gibt, mit denen vor allem die Hauptfigur der Minimenschen, der Mirage-Pilot Renaud, die Umgebung erkundet. Immer wieder treffen sie auf die Welt der „Großen“ und setzen alle Mittel in Bewegung, um nicht entdeckt zu werden. Manchmal muss hingegen die große Welt ganz direkt angeflogen werden, vor allem dann, wenn bestimmte Lebensmittel knapp werden – sei es der Zucker oder seien es Champignons, die normalerweise gerade unterirdisch besonders gut gedeihen. Oder es sind Entfernungen von fünf Kilometer, die zu einer wahren Odyssee ausarten.
Ähnlichkeit mit Gaston und Spirou
Ungefähr in diesem Rahmen spielen sich die Sorgen und Nöte in der Comic-Welt von „Die Minimenschen“ ab. Was in unseren Augen mehr als einfach ist, gestaltet sich für die Winzlinge oftmals problematisch. Aus dieser Tatsache heraus bezieht dieser Comic-Klassiker auch seinen größten Reiz. Die Geschichten selbst kommen sehr unaufgeregt daher und eignen sich insbesondere für jüngere Leser. Der Humor ist manchmal zotig, aber nie flach oder geschmacklos. Zeichnerisch bewegt sich Pierre Seron deutlich in den Fußstapfen von André Franquin – Renaud weist eine deutliche Übereinstimmung mit „Gaston“ auf, das gesamte Szenario sieht den Abenteuern von „Spirou und Fantasio“ sehr ähnlich. Band 1 der Comic-Gesamtgabe von „Die Minimenschen“ umfasst die sechs ersten Geschichten aus den Jahren 1967 bis 69. Die Gesamtausgabe von „Die Minimenschen“ bietet erstmalig alle Abenteuer chronologisch geordnet und in deutscher Übersetzung.
Die Minimenschen Gesamtausgabe, Band 1. Mit einem Vorwort des Lucky Luke Zeichners Achdé. Zeichnungen und Text: Pierre Seron. Ehapa Comic Collection. Hardcover, farbig, 176 Seiten. Euro 29,95.
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