
- Comic: Herr der Finsternis - Ehapa Comic Collection
Und mit dem Comic „Der Herr der Finsternis“ (Originaltitel: Le Seigneur D’Hombre) erscheint abermals ein literarisches Produkt aus dem Reich der Fantasy, das auf den ersten Blick genauso wie Tolkiens „Der Herr der Ringe“ anmutet. Allein der Klappentext, nach dem man ein Buch ja nicht beurteilen sollte, lässt im Prinzip keinen anderen Schluss zu:
Eine schreckliche Bedrohung ergreift die Welt von Dyfed. Von seinem Königreich aus zieht Fedath, der Herr der Finsternis, mit einem Heer gegen die friedlichen Territorien. Der Kampf um Dyfed beginnt und das Reich des Bösen weitet sich von Tag zu Tag aus. Menschen, Elfen und Zwerge müssen sich zusammenschließen und ihr Land verteidigen.
Ein Comic im Stil von Tolkiens „Der Herr der Ringe“
Mehr Tolkien geht da wohl wirklich nicht. Allerdings ist, und das macht den Comic von Jean-Luc Istin (Szenario) und Dim D. (Zeichnungen) so bemerkenswert, dieses gezeichnete Fantasy-Epos keine billige Kopie von Frodo, Gandalf und Co. Auf knapp 200 Seiten bedienen sich die beiden bei allem, was das Genre so hergibt. Aus diesen Zutaten basteln sie eine bekannt wirkende, aber trotzdem durch die Präsentation letztlich überzeugende Geschichte. Ursprünglich in vier nacheinander erschienenen Bände aufgeteilt, vereint die Ehapa Comic Collection alle Einzelteile von „Der Herr der Finsternis“ in einem einzigen Band.
„Der Herr der Finsternis“ – Schöpfungsmythos inklusive
Besonders bemerkenswert: Bevor die eigentliche Geschichte ihren Anfang nimmt, schenken uns die Autoren einen überzeugenden Schöpfungsmythos. Der Gott Hagfan wanderte einst einsam durch das Gebirge und meißelte dort sorgsam den Stein des Lebens. Aus diesem Stein erschuf er schließlich Elfen, später Menschen, Zwerge und Waldgeister. Diese lebten friedlich zusammen, und wenn sie nicht gestorben sind... Moment – ganz so harmonisch geht es dann doch nicht zu in „Der Herr der Finsternis“. Im Gegenteil, denn Hagfan verliebt sich in eine Elfe, die seine Liebe nicht erwidert. Im Zorn will er sich eine neue Geliebte erschaffen, doch der Versuch misslingt gründlich. Eine Geliebte hat er zwar (ihr Name ist Ethfang), zugleich ist sie jedoch von Grund auf böse. Sie tötete Hagfang und schuf Orks, Bansheen, Goblins und Trolle, die fortan in die Welt zogen und Furcht sowie Angst brachten. Ethfangs und Hagfans Sohn Fedath wird schließlich der titelgebende Fürst der Finsternis.
Fantasy-Epos: Der ewige Kampf gut gegen böse
Und so sind wir beim Anfang des Comics gelandet. Zugleich bei der Einführung, die der Klappentext berichtet. Nun macht sich der unerschrockene Bran, seines Zeichens Magier einer alten Kaste, auf den Weg, ein altes Zauberbuch zu finden, mit dem Fedath besiegt werden kann. Diese Reise, auf der er natürlich ein paar Gefährten um sich sammelt, und der Kampf Fedaths gegen die Heere des Guten bilden Kern und Rahmenhandlung dieses Comics.
Atemberaubendes Comic-Artwork
Wie gesagt, die Story dieses Fantasy Comics bring letztlich kaum Neuerungen. Allein die Fokussierung auf den religiösen Aspekt ist in der Tat bemerkenswert Denn letztlich wird der Sieg über Fedath mittels spiritueller Wege gefunden – ein Heiland ist übrigens inklusive. Daneben kommt „Der Herr der Finsternis“ mit einer pazifistisch anmutenden Botschaft daher: Toleranz, Frieden und Gewaltlosigkeit. Wem das zu klischeehaft ist, der mag sch an dem wirklich atemberaubenden Artwork erfreuen, das ganz ohne Zweifel überragend ist. Vergleichbare Zeichnungen und Farben sucht man oft vergebens. Auch finden sich doppelseitige Schlachtengemälde in dieser Qualität eher selten – schon gar nicht in einem Comic.
Der Herr der Finsternis – All in One. Zeichnungen: Dim D. Szenario: Jean-Luc Istin. Ehapa Comic Collection / MC Productions 2009. Hardcover, farbig, 192 Seiten. Euro 39,95.
