Nicht nur im Kino: Hellboy Comic-Band 9

Rezension: „Ruf der Finsternis“ von Mignola und Fegredo

Mignola: Hellboy 9 - cross-cult
Mignola: Hellboy 9 - cross-cult
Hellboy, den paranormalen Ermittler mit Rotstich, verschlägt es ins Reich der russischen Mythologie - Bildreigen, der mehr Fragen aufwirft als beantwortet.

Während der Superhelden-Höllenjunge mit „Hellboy: Die goldene Armee“ (Regie: Guillermo del Toro) kurz vor seinem Sprung in die Zelluloid-Fortsetzung ist, veröffentlicht der deutsche Verlag Cross-Cult bereits den neunten Band der Comic-Serie um den unkonventionellen Rotling (oder besser Rohling? – beides ist irgendwie zutreffend).

Mystische Comic-Welt

„Ruf der Finsternis“ nennt sich dieses Comic-Album und entführt den Leser in gewohntem A5-Format in die mystische Comic-Welt von Hellboy. Nach dem geistigen Vater Mike Mignola und Richard Corben ist es nun Duncan Fegredo, der die Zeichnungen übernommen hat. Story und Coverzeichnungen stammen allerdings wie gewohnt von Mr. Mignola.

Verwirrendes Hellboy-Abenteuer

Nachdem der letzte „Hellboy“ („Die Troll-Hexe“) eine Sammlung von Kurzgeschichten unter zwei Buchdeckel presst, darf man sich in „Ruf der Finsternis“ auf eine einzige Comic-Geschichte in voller Länge freuen. Hellboy verschlägt es nach Europa, wo er in England im Haus seines alten Freundes Harry, nach offenbar ziemlich langem Schlaf, nicht richtig erquickt wieder aufwacht. Eigentlich will Hellboy nur einen kleinen Spaziergang machen. Doch der appetitanregende Fußmarsch entpuppt sich als Ausgangspunkt für ein wahrhaft verwirrendes „Hellboy“-Abenteuer.

Baba Yaga und der Ruf der Finsternis

In einem dunklen Wald trifft Hellboy auf eine Gruppe von drei Reisenden, die ihrerseits etwas mit dem englischen Hexenjäger Henry Hood im Schilde führen ... man weiß es nicht so genau. Vom Kampf mit dem Geist des verstorbenen Hood gerät Hellboy mitten in eine Hexenversammlung, die ihn unversehens ins Zwischenreich der russischen Folklore schicken. Dort gerät er ins Machtgebiet der rachsüchtigen Baba Yaga, die sich mit dem Kriegsfürsten, heute würde man eher Warlord sagen, verbündet hat, um Hellboy zurück in die Hölle zu schicken.

Hellboy 9 – höllisch unkonventionell

Während die Hauptfigur so gegen alle möglichen Fabelwesen aus der russischen Mythologie kämpft, an Beschwörungsritualen teilnimmt sowie mit Zwergen und Riesen spricht, fragt sich der geneigte Leser, was das Ganze soll. Denn „Hellboy 9“ ist Geschichtenerzählen in ziemlich unkonventionellen Sinne. Eine nachvollziehbare Story? Fehlanzeige. Ein Ende, das zumindest ein paar Antworten gibt? Ebenso wenig. Stattdessen zwei Epiloge, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten.

Comic-Rausch

Und so ist dieser neunte „Hellboy“ ein Comic, der eher wie ein Rausch wirkt: Schnell, laut, bunt und verwirrend. Ein Rausch, der einen am nächsten Morgen mit gewaltigem Kater aufwachen lässt. Unweigerlich stellt man sich in einer solchen Situation Frage: Was war das denn? So ungefähr geht es nach der Lektüre dieses „Hellboy“-Bands, der gefällt (auch und gerade zeichnerisch), aber eben den Leser auch mit einer gewissen Unbefriedigung zurücklässt. Vielleicht kommt die Erleuchtung ja nach dem fünften Lesen – oder bei Band 10, der Fortsetzung.

Hellboy 9. Ruf der Finsternis. Zeichnungen: Duncan Fegredo. Text: Mike Mignola. Cross Cult/Dark Horse. Hardcover, farbig, 197 Seiten. Euro 19,80.

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