
- Marvel Noir: Spider-Man - Cover - Paninicomics
Crime Noir, das kling nach Detektivgeschichten im Stile von Raymond Chandlers „Philip Marlowe“ oder Dashiell Hammetts „Sam Spade“, die durch ihr düsteres Ambiente eine ganz neue ästhetische Kategorie schufen und die gerade auch durch zahlreiche Filmadaptionen und Neukreationen zu weltweiter Berühmtheit gelangte. So ganz nebenbei wurde so die Figur des coolen, unerbittlichen Privatdetektivs in die Personalliste der Populärkultur aufgenommen. Crime Noir, Film Noir und Hardboiled Novels sind die üblichen Bezeichnungen für diese Form des Erzählens.
„Sin City”, „Sleeper” und „Marvel Noir”
Keine Frage, auch die Welt der Comics hat sich von diesem Genre inspirieren lassen. Auch in jüngster Vergangenheit: Sei es durch Frank Millers kongeniale „Sin City“ oder Ed Brubakers und Sean Philips Vierteiler „Sleeper“. Im Prinzip war es dann auch nur eine Frage der Zeit, bis die großen amerikanischen Comicverlage mit ihren Superhelden in diese schwarzen Sphären vordringen sollten. Die Frage ist nur: Wie bindet man seine Klassiker in eine Crime Noir-Geschichte ein, ohne das die Storyline der regulären Kontinuität durchbrochen wird? Zumindest bei Marvel hat man mit der Einführung einer Art schwarzem Paralleluniversum eine Antwort darauf gefunden. Die neue Serie heißt „Marvel Noir“ und erscheint in Deutschland – wie üblich – bei Paninicomics. Marvel schickt Spider-Man und seine X-Men in Band eins und zwei von „Marvel Noir“ ins Rennen um die dunkle Krone.
Spider-Man ein Mörder?
Wir befinden uns im New York des Jahres 1933. Es ist die Zeit von Depression, Armut, Gewalt. Korruption machen sich auf den Straßen der Stadt breit. Die Zeitung Daily Bugle gibt den Unterdrückten in vielen Fotoreportagen ein Gesicht. Und hier, in den Büros des Daily Bugle, beginn auch die Geschichte von „Marvel Noir: Spiderman“, denn J. Jonah Jameson, seines Zeichens Chefredakteur, liegt erschossen in seinem Stuhl. Auf dem Schreibtisch sitzend und mit Waffe in der Hand ein Mann mit dunkler Brille, Maske und schwarzem Trenchcoat, der von den Polizisten alsbald als Spiderman identifiziert wird, bevor er sich mit einem beherzten Sprung aus dem Fenster retten kann. Spider-Man als Mörder, kann das sein? In der Story von David Hine geht es nun weiter mit einer klassischen Rückblende, in der die Geschichte von hinten aufgerollt wird. Wie Peter Parker seiner Tante bei ihren kommunistischen Reden zuhört, in die düstere Halbwelt gerät und dabei auf zahlreiche Charaktere des Spider-Man-Universums trifft, die sich in dieser Pulp-Story angesiedelt haben: Norman Osborne, BenUrich, der Geier und viele andere mehr.
X-Men-Noir – extrem düstere Parallelwelt
Nach einem ganz ähnlichen Strickmuster funktioniert auch van Lentes „Marvel Noir: X-Man“. Nur, dass die Zeichnungen (Dennis Calero) noch eine Spur düsterer sind und die Story um einige Aspekte komplexer. Während Spider-Man in der Noir-Variante im Grunde eine Verlagerung der bekannten Geschichte in eine alternative Welt ist, erschaffen van Lente und Calero mit ihrer X-Men-Adaption eine ganz neue Welt. Auch sie greifen dabei auf das X-Men-Universum zurück und inszenieren Eric Magnus, Wolverine, Cyclops und Co in einem parallelen New York des Jahres 1937. Allerdings gelingt es ihnen überzeugender, ein Verwirrspiel mit dem Leser zu treiben. Die Frage Gut oder Böse ist auch nach der Lektüre nicht eindeutig beantwortet. Und: Die Welt der X-Men-Noir ist geradezu beklemmend düster und brutal.
In beiden Comics gewährt man einen überzeugenden Einblick in eine parallele Marvel-Welt. Gelungen ja und Lust auf mehr machend auch. Allerdings fragt man sich schon, ob nach „Marvel Zombies“ und anderen Alternativcomicwelten so langsam die Ideen ausgehen.
Marvel Noir: Spider-Man. Zeichnungen: Carmine di Ginadomenico. Text: David Hine und Fabrice Sapolsky. Paninicomics/ Marvel. Softcover, farbig, 108 Seiten. Euro 14,95.
Marvel Noir: X-Men. Zeichnungen: Dennis Calero. Text: Fred van Lente. Paninicomics / Marvel. Softcover, farbig, 124 Seiten. Euro 14,95.
Ausführliche Rezension von Marvel Noir: Spider-Man und Marvel Noir: X-Men.
