
- Goscinny/Uderzo: Pitt Pistol - ehapa comic collection
Wir befinden uns im Jahre 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern ... Nein, das ist der falsche Anfang, obwohl es sich auch bei diesem Comic um ein Produkt von Albert Uderzo und René Goscinny handelt. Mit den Abenteuern von „Asterix“ erlangten sie ab 1959 Weltruhm. Doch bereits einige Jahre zuvor, genauer gesagt im Jahr 1952 schufen sie für die Jugendbeilage „La Libre Junior“ des Magazins „La Libre Belgique" die Geschichten des Korsaren „Pitt Pistol“ (im Original: „Jehan Pistolet“). Von 1952 bis 1956 erschienen etwa 200 Comicseiten, die in ihrer Anlage bereits den späteren Witz erkennen lassen, der „Asterix“ so auszeichnet.
Comic-Vorfahr von Asterix
Die Abenteuer spielen circa 1.700 Jahre später, irgendwann im 18. Jahrhundert in der französischen Hafenstadt Nantes in der schummrigen Hafenkneipe „Zum Einbeinigen Piraten“. Pitt Pistol ist eine einfache Servicekraft und muss die düsteren Gestalten mit Essbarem, vor allem aber mit allerlei Alkoholischem versorgen. Doch er ist ein Träumer. Anstatt zu arbeiten, schmökert er lieber in einem extragroßen Buch mit Piratengeschichten und vernachlässigt seine Arbeit. Er wäre hat auch gern einer dieser raubeinigen Seebären. Auch wenn er dem Aussehen nach das genaue Gegenteil verkörpert: Rote Haare, zarte Gesichtskonturen und ein eher schmächtiger Körperbau wollen so gar nicht nach dem harten Leben an Deck klingen.
Pitt Pistol – ein Comic-Korsar
Nichtsdestotrotz fasst Pitt den Entschluss, Seemann zu werden. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion trommelt er eine Mannschaft zusammen. Diese ist allerdings alles andere als hochseeerfahren, und Mut ist für dieses illustre Team wahrlich ein Fremdwort. Nach einigem Hin und Her gelingt es diesem Haufen tatsächlich, ein Schiff zu ergattern – und die Reise geht los.
Vier Comicalben und eine Kurzgeschichte
Die „Pitt Pistol“-Gesamtausgabe umfasst vier Comicalben und eine Kurzgeschichte mit Pitt Pistol und seiner Crew. Goscinny und Uderzo entwerfen in diesem Comic eine humorvolle Welt der Seefahrer im 18. Jahrhundert. Immer wieder verschlägt es die „Seestern“ (so heißt das Schiff von Pistol) in Kämpfe mit zahlreichen Piraten und anderen zwielichtigen Gestalten. Immer steht dabei der Humor an erster Stelle. Dazu gehört der Erfolg der Abenteuer trotz offensichtlicher Unfähigkeit ebenso wie die augenzwinkernden Spitzen auf den Snobismus des französischen Adels. Zahlreiche Running-Gags runden die Comic-Serie ab. Zeichnerisch ist der Stil von Uderzo offensichtlich, auch wenn Figuren und Hintergründe noch etwas detailarm wirken. Man merkt jedoch sofort, dass sich hier zwei Genies gefunden zu haben scheinen.
Cameo-Auftritt von Goscinny und Uderzo
Vieles wirkt bei „Pitt Pistol“ noch nicht ganz ausgereift, gelegentlich ist der Humor auch etwas hölzern. Trotzdem ist dieser Comic mehr als ein laues Prequel zu „Asterix“. Denn es ist eine eigenständige Welt, die hier kreiert wird. Interessanterweise lassen sich auch zahlreiche Motive, Witze, Ideen ja sogar Personen wiederfinden, die später in einem der Asterix-Bände auftauchen. Nebenbei bemerkt: Goscinny und Uderzo haben sich im besten Cameo-Stil in Pitt Pistols Crew eingeschlichen. Das macht „Pitt Pistol“ trotz einiger Schwächen auch, aber längst nicht nur für Asterix-Fans interessant.
Pitt Pistol – Gesamtausgabe. Zeichnungen: Albert Uderzo. Text: René Goscinny. Ehapa Comic Collection 2008. Hardcover in Kunstleder, farbig, 224 Seiten. Euro 29,95.
