
- Die Erde ohne Übel - Salleck Publications/Eckart Schott Verlag
Feindliche Weiße und Indianerstämme, Jesuitenmissionare, überwucherte Kathedralen, sich immer verändernde Landschaften während einer Reise vom Südosten in den Westen Südamerikas – und dann noch der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Die Erde ohne Übel, bei Salleck Publications/ Eckart Schott Verlag in der Reihe édition B.D. erschienen, ist ein fantastischer, international mehrfach ausgezeichneter Comic über eine magisch-mystische, mitunter tragische, aber immer auch faszinierende Abenteuerreise, die auf dem Tagebuch der jüdischen Sprachforscherin Eliane Goldschmidt.
Zwischen Mythologie und Zivilisation
Im Februar 1939 reist die junge französische Linguistin Goldschmidt nach Paraguay, um ihre Studien der Sprache der Guarani-Indianer abzuschließen. Bei den Mbya findet sie einen apathischen, zum Tod bereiten Stamm vor. Aber eines Morgens sind die Indios wie verwandelt, das Dorf in Aufruhr. Hat dieses Verhalten mit dem bevorstehenden Auftauchen des Karai, des Gottmenschen, zu tun?
Und gibt es die „Erde ohne Übel“, dieses mystische Paradies der indianischen Legende, wirklich? Goldschmidt, die bei den Indios Napagnouma heißt, muss sich zwischen Zivilisation und Naturvolk entscheiden. Denn andernorts beginnt der Zweite Weltkrieg, dessen Echo bis in die tiefen Dschungel Paraguays dringt.
Zwischen authentischem Tagebuch und magischer Phantasie
Nach dem Text von Anne Sibran hat Emmanuel Lepage die Geschichte kunstvoll zu Papier gebracht. Sibran erzählt die authentische Geschichte der damals 26-jährigen Goldschmidt aufgrund deren Tagebucheinträge. In Form von karierten Schnipseln, die wie aus dem Tagebuch herausgerissen erscheinen, übernimmt Sibran die Anekdoten, Notizen, Anmerkungen und nüchternen Sprachstudien der Linguistin für ihre Geschichte, die durch die (erfundenen?) Dialoge ergänzt werden. Der Leser begleitet auf diese Weise die Forscherin auf ihrem abenteuerlichen Selbstfindungstrip.
Lepage ist längst bekannt – durch Arbeiten wie Nico (Salleck Publications) oder Muchacho (Carlsen) ist der Zeichner und inzwischen auch Autor kein unbeschriebenes Blatt mehr. In Die Erde ohne Übel besticht der Comickünstler durch detailverliebte Zeichnungen und magisch-leuchtende, nuancenreiche Farben. Lepage erzielt durch harte, kräftige Konturen oft einen Vordergrund, der sich von dem schwach umrissenen Hintergrund klar hervorhebt. Diese Tiefenwirkung erzeugt in Kombination mit den detailierten Zeichnungen und leuchtenden, meist warmen Farben eine plastische und atemberaubende Bilderwelt.
Zwischen Ethno-, Geschichts-, Mystery- und Abenteuercomic
Auch die leicht romantisierte Darstellungsweise des Dschungels, die sich in herumtollenden Tieren entpuppt, kann den begeisterten Gesamteindruck nach der Lektüre von Die Erde ohne Übel nicht schmälern. Der Ethno-, Geschichts-, Mystery- und Abenteuercomic hat seit seinem Erscheinen (1999) nichts an der fesselnden Strahlkraft eingebüßt. Das Album wird durch interessante Tagebuchausschnitte, Fotos und Skizzen Goldschmidts ergänzt. Die limitierte Vorzugsausgabe erscheint nicht nur in gebundener Variante, sondern enthält darüber hinaus einen signierten Druck.
Anne Sibran & Emmanuel Lepage: Die Erde ohne Übel. Salleck Publications/Eckart Schott Verlag, 1999. Softcover, 72 Seiten. Euro 12,90.
Anne Sibran & Emmanuel Lepage: Die Erde ohne Übel. Salleck Publications/Eckart Schott Verlag, 1999. Hardcover mit Druck, 74 Seiten. 46 Euro.
