Comic-Rezension: Fafhrd und der Graue Mausling

Fafhrd und der Graue Mausling Cover - Cross Cult
Fafhrd und der Graue Mausling Cover - Cross Cult
Mignola, Chaykin und Williamson präsentieren eine Interpretation von Fritz Leibers cleveren Sword&Socery-Klassiker "Fafhrd und der Graue Mausling"

Die Comic-Legenden Howard Chaykin (Text), Mike Mignola (Zeichnungen) und Al Williamson (Tusche) schufen 1990 mit Fafhrd und der Graue Mausling eine erfolgreiche vier-teilige-Fantasy-Mini-Serie. Nachdem die Serie in den frühen Siebzigern nur ein kurzes Dasein fristete, erreichte sie in den Neunzigern schon bald Klassikerstatus.

Clevere Sword-And-Socery

Mit der Hilfe von Sherilyn van Valkenburghs stimmungsvollen Farben kreierten die Autoren damals aus Fritz Leibers clever erzählten Sword-and-Sorcery-Abenteuern ein grafisches Denkmal für die zwei heroischen Schurken und schufen damit einen der besten Fantasy-Comics überhaupt. Die Neu-Edition des Klassikers ist bei Cross Cult als Hardcover-Gesamtausgabe erschienen.

In der mythischen Welt von Newhon schlagen sich der kräftige Kämpfer Fafhrd und der gewitzte Dieb genannt „Der graue Mausling“ durch. Nicht immer ganz ehrlich, aber immer aufrecht kämpft das heroische Schurkenduo für das Gute, das täglich Brot und gegen furchterregende Feinde. Folgende Episoden sind enthalten: Schicksalhafte Begegnung in Lankhmar, Der Fluch der Wiederkehr, Der heulende Turm, Der Preis des Vergessens, Basar des Bizarren, Schwere Zeiten in Lankhmar und In Abwesenheit des Königs der Meere.

Abstriche vom Originaltext

Die Autoren liefern zwar eine gute Comicadaption von Leibers Originaltexten ab, aber sie haben auch jede Menge Abstriche gemacht: Erstens verlieren die Charaktere sehr viel an Komplexität – so vermisst der Leiber-Kenner oftmals den psychischen Kampf, der im Comic überwiegend dem physischen weicht.

Die innere Zerrissenheit des gebildeten Barbaren Fafhrd oder des atheistischen Mystikers Mausling kommen nicht oder nur im Ansatz zum Ausdruck. Zweitens werden die humorvollen Aspekte zu stark hervorgehoben, wobei an die Stelle sardonischer Seitenhiebe plump wirkende Situationskomik gestellt wird. Leiber hat ursprünglich Größen des Fantasy-Genres wie Conan zitiert. Er beließ es dabei aber nicht beim bloßen Verweis, sondern wollte sich von ihnen distanzieren.

Ausdrucksstarke Striche

Mignolas Zeichenstil beinhaltet expressionistische Elemente. Er vermischt seinen individuellen Strich mit Elementen der Pop-Art. Die überwiegend düster gehaltenen Farben fügen sich passenderweise in die geheimnisumwobenen Themen der mystischen Story. Der 2010 verstorbene Amerikaner Al Williamson war ein Urgestein im Comicbusiness. In Fafhrd und der Graue Mausling beweist er sein Können als Tuscher einmal mehr, indem er die Zeichnungen Mignolas zur Vollendung bringt.

Vorwort (Chaykin) und Nachwort (Mignola) offenbaren zwar nette persönliche Einsichten, aber ansonsten nichts Neues. Dagegen gewährt der umfangreiche redaktionelle Text von Christian Endres tiefe Einblicke in das Leben und Werk von Leiber. Fafhrd und der Graue Mausling ist eine gelungene Comicadaption, die das Niveau des Klassikers zwar nicht erreicht, aber dessen Substanz in eine unterhaltsame Form überträgt. Wer clever erzählte Sword-And-Socery und gleichzeitig einen düsteren Hard-Boiled-Thriller auf einmal lesen will, ist mit dem Buch bestens bedient.

Howard Chaykin, Mike Mignola & Al Williamson: Fafhrd und der Graue Mausling. Cross Cult, 2007. Hardcover, 160 Seiten. Euro 22.