Comic-Rezension: Hieronymus B. 1997-2007 (Ulf K.)

Hieronymus B. - Edition 52
Hieronymus B. - Edition 52
Der deutsche Comickünstler Ulf K. errichtet in seinem fabelhaften Sammelband "Hieronymus B. 1997-2007" ein Plädoyer für Traum und Phantastik

Der deutsche Comiczeichner Ulf K. wurde nicht nur von Kritikern gefeiert, sondern auch auf dem Comicsalon Erlangen 2004 als bester deutschsprachiger Comickünstler ausgezeichnet. Trotzdem oder deswegen hat er dem Medium Comic den Rücken gekehrt und sich der Illustration von Kinderbüchern gewidmet. Im Verlag Edition 52 liegt mit Hieronymus B. 1997-2007 bereits seit 2007 ein beeindruckender und herausragender Sammelband vor.

Gefangen im Hamsterrad der Bürokratie

Erdrückt von Aktenbergen und gegängelt von einem tyrannischen Chef fristet Hieronymus B. sein monotones Leben als kleinkarierter Büroangestellter in einer undefinierten Behörde. Bei der Suche nach einer Akte, die im verstaubten Archiv längst verschollen ist, flüchtet sich der unbedeutende Hieronymus B. in seine Traumwelt. Doch diese entuppt sich plötzlich als gefährliches Fantastie-Konstrukt. So gerät er immer wieder in merkwürde Situationen.

Fantasie statt Hyperralismus

Die strichmännchenhaft erscheinenden Zeichnungen von Ulf K. wirken in positiver Hinsicht naiv, sympathisch und verweigern sich einem überbordenden Realismus. Dieser reduzierte Strich ermöglicht es dem deutschen Zeichner sämtliche künstlerischen Freiheiten wahrzunehmen, die ihm bei zu viel Realismus verwehrt geblieben wären. Auch auf Worte verzichtet Ulf K. gänzlich.

Es handelt sich aber nicht ganz um einen Stummcomic: Die Akteuere verständigen sich mittels einer lautmalerischen Zeichensprache. Auch hierin beweist der Wahl-Essener sehr Fantasie, was seinen Comic nochmal Sympathiepunkte einbringt. Schnell findet sich der Leser in dieser liebenswert erdachten, aber keinesfalls harmlosen Welt ein. Sozialkritische Zwischentöne durchdringen und begleiten die Phantastik immer wieder, so dass keine Realitätsflucht stattfindet.

Sozialkritik durch Phantastik

Die in schwarzweiß getünchte Welt von Hieronymus B. erweist sich als faszinierender Kosmos, der in spielerischer Weise offenbart, wie schwer es sich für Menschen bisweilen gestaltet, einmal nicht zu gehorchen. Der Versuch aus einem festgefahrenen Alltag auszubrechen ist viel schwieriger als angenommen.

In der Verquickung von Phantastik und Sozialkritik, die mit einer engen grafischen Verwandschaft zur Malerei steht, erinnert Ulf K.'s Arbeit an den italienischen Comickünstler Lorenzo Mattotti (Spartaco, Edition 52). Im Gegensatz zum Italiener orientiert sich Ulf K. jedoch weniger an der Ästhetik der Neuen Sachlickeit und des abstrakten Expressionismus, sondern knüpft mehr am Surrealismus an.

Figur und Künstler

Ulf K. hat Hieronymus B. schon vor über zehn Jahren in sein Skizzenbuch als Hommage an den gleichnamigen Maler Hieronymus Bosch gezeichnet. In den darauf folgenden Jahren hat der Illustrator immer wieder kurze Episoden für verschiedene Magazine und Anthologien entworfen. Ulf K. wurde 1969 in Oberhausen geboren. Er lebt und arbeitet mit seiner Familie in Düsseldorf. Das Ruhrgebiet hat er nur zwischen 1996 und 1997 für Paris verlassen. Er studierte an der Universität in Essen Kommunikationsdesign.

Ulf K.: Hieronymus B. 1997-2007. Edition 52, 2007. Hardcover, 64 Seiten. 12 Euro.

Ulf K.: Hieronymus B. 1997-2007 VZA (mit signiertem Siebdruck). Edition 52, 2007. Hardcover, 60 Seiten. 30 Euro.