Comic-Rezension: Jonny Double (Brian Azzarello/Eduardo Risso)

Jonny Double Cover - Cross Cult
Jonny Double Cover - Cross Cult
Azzarello und Risso deuten in "Jonny Double" an, was sie später in "100 Bullets" vollendet haben: düsteren Crime Noir

Jonny Double ist die erste Zusammenarbeit der beiden Emporkömmlinge Brian Azzarello und Edoluardo Risso, bekannt von ihrem Top-Seller 100 Bullets (Vertigo). Ein schneller, direkter Hard-boiled-Thriller in der literarischen Tradition der großen Pulp-Klassiker von Dashiell Hammet und Raymond Chandler. Bei Cross Cult liegt seit 2007 die deutsche Erstveröffentlichung von Jonny Double als gebundene Gesamtausgabe vor - in Amerika ursprünglich als Miniserie beim DC Comics-Imprint Vertigo erschienen.

Der abgehalfterte Privatschnüffler

In seinen jungen Jahren war Jonny Double ursprünglich Polizist in San Francisco. Als er dann in den Sechziger Jahren angehalten wurde, mit aller Härte und Brutalität gegen die Gegenkultur vorzugehen, machte er sich als Privatdetektiv mehr schlecht als recht selbstständig. Unverhofft bekommt Double einen äußerst interessanten Auftrag.

Er soll die wesentlich jüngere Tochter eines besorgten Vaters beschatten. Doch diese bandelt nicht nur mit dem Schnüffler an, sondern überredet ihn auch mit einer Bande von Computerjunkies das scheinbar immer noch aktive und mit 300.000 Dollar gefüllte Bankkonto von Al Capone zu räumen.

Die Zutaten des Comic Noirs

Der wendungsreiche Comic Noir wird aus der Ego-Perspektive des Titelhelden im Rückblick erzählt. Das Stilmittel ist zwar bei weitem nicht neu, aber es wird trotzdem immer wieder gern gelesen. Hier geht es auch deswegen gut auf, weil der Protagonist durch einen selbstkritischen Erzählton für aufheiternde Momente in der ansonsten harten Story sorgt.

Die üblichen Elemente des Hard-Boiled-Thrillers sind auch hier alle vorrätig: Es gibt die Femme Fatale – diesmal verwirklicht der Autor mit der blutjungen Faith eine Altherrenphantasie oder Mid-Life-Männerphantasie –, die für ein unrealistisches Frauenbild sorgt, jede Menge Leichen sowie die knallharten und trockenen Dialoge.

Die Subkulturen der 60er und 00er im Vergleich

Wirklich interessant ist dagegen – und das hebt den Comic etwas über das Genre-Durchschnitt – wie Azzarello die Subkultur der Sixties mit der gegenwärtigen Subkultur vergleicht. In Persona des Titelhelden sind die Werte der 68er Generation vertreten, die neben Bewusstseinserweiterung durch Drogen und freie Liebe vor allem auch die Welt im positiven Sinne verbessern wollte. Zwar macht das der Autor zu nostalgisch, aber interessant ist, wie die heutige Generation als rein hedonistische Spaß-Gesellschaft dargestellt wird, die keine Ziele wie die 68er haben.

Jonny Double beweist einmal mehr, dass Vertigo für ambitionierte US-Comics abseits des Superhelden-Mainstreams steht. Durch dessen unvorhersehbaren Wendungen und Subkulturen-Vergleich bieten die Autoren, die danach durch 100 Bullets ihren von Kritikern umjubelten Sensationserfolg landen konnten, einen grundsoliden Thriller. Jonny Double kann aber im besten Fall als Vorarbeit gewertet werden und ist vor allem den eingefleischten Genre-Fans zu empfehlen.

Brian Azzarello & Eduardo Risso: Jonny Double. Cross Cult, 2007. Hardcover, 100 Seiten. Euro 14,80.