
- Klezmer 3 - avant-verlag
Joann Sfar kennt keine Pause: Der unermüdliche Franzose ist nicht nur Autor und Zeichner zahlreicher Serien wie Die Katze des Rabbiners (avant-verlag), sondern findet dabei immer noch die Zeit für Projekten mit anderen Autoren wie Donjon mit Lewis Trondheim (Reprodukt). Nun geht die absurde historisierende Klezmer-Reihe (avant-verlag) mit „Diebe, alles Diebe!“ in die dritte Runde. Die Graphic Novel ist gleichzeitig der siebte Teil der avant-verlag-Reihe „Kollektion Levitation“, in der anspruchsvolle oder künstlerische Comics von rangvollen Autoren wie Gipi in einem handlichen Format erscheinen.
Russland zur Zarenzeit
Die zusammengewürfelte Klezmer-Truppe um Chayla, Jaakov, Chokola, den Baron und Vinzenco gründet im Haus des großen Kosak eine politische Republik. Durch Zufall kommt ihnen eine Waffenkiste in die Hände. Die Ganoven, denen die Schusswaffen gehören, wittern leichte Beute bei der Musiker-Kommune. Aber sie haben die Rechnung nicht mit den zähen Klezmer-Musikern gemacht, die sich durchaus zu wehren wissen.
Auf Solopfaden
In „Diebe, alles Diebe!“ fabuliert Sfar verschiedene, parallel laufende Episoden um die Kommune. Im bekannt absurden Erzählton erleben die einzelnen Figuren ihre eigenen Abenteuer. Der Autor lässt allerdings jeglichen Tiefgang vermissen. Die Geschichten wirken banal und bieten abgesehen des historischen Szenarios keine Denkanstöße. Dafür kommt wiederum der Humor nicht zu kurz, der sich durch bewusste Übertreibung und einem Hang zum Absurden zusammensetzt.
Gewöhnungsbedürftiges Artwork
Sfars skizzenhafter Zeichenstil bleibt meistens nur angedeutet. Die krakeligen Linien sind nicht unbedingt jedermanns Geschmack. Die wackligen Striche und die deplatzierten nuancierten Aquarellfarben sind vielleicht für den einen oder anderen Comicleser auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig. Wer sich damit aber anfreunden kann, wird in die Erzählung dennoch hineingezogen.
Reichhaltiges Bonusmaterial
Als Extras enthält der Anhang nicht nur zahlreiche Skizzen, sonder ebenso anekdotenhafte Reiseschilderungen des Autors über Odessa. Die oftmals illustrierten Erlebnisse sind nett zu lesen, können jedoch keineswegs mit den wirklich interessanten Ausführungen Sfars über die Aquarellmalerei im Anhang von Band 2 („Alles Gute zum Geburtstag, Scylla!“) mithalten. Dafür sind wiederum die Ausführungen über den Zionismus und das Judentum interessanter. Abschließend enthält das Bonusmaterial auch noch Aquarellbilder.
Zumindest Reinschauen
Klezmer 3 kommt, wie Klezmer 2 zuvor, nicht an die Klasse des ersten Bandes „Die Eroberung des Ostens“ heran. Wer noch zweifelt, ob er sich die Serie kaufen soll, kann sich deshalb durchaus nur mit dem ersten Band begnügen. Das reicht vollkommen aus. Diejenigen, die jedoch ohnehin Sfar-Liebhaber sind, werden auch mit „Diebe, alles Diebe!“ glücklich. Alle anderen sollten zumindest aber mal einen Blick in die Graphic Novel werfen.
Joann Sfar: Klezmer 3: Diebe, alles Diebe! Avant-verlag, 2010. Softcover, 148 Seiten. Euro 19,95.
