
- Martha Washington 1 - Panini Comics
Der Erfolgsautor Frank Miller (Sin City, Schreiber & Leser) ist bekannt für seine innovativen und radikalen Geschichten. Mit dem nicht minder begabten Zeichner Dave Gibbons (Watchmen, Panini Comics) hat er sich zusammen getan, um eine dystopische Zukunft zu erschaffen, die düster wie V wie Vendetta (Panini Comics), in sich eine abgeschlossene Welt bietet wie Watchmen und rasante Action mit Polit-Satire verbindet wie The Return of the Dark Knight (Panini Comics). Das SF-Meisterwerk lag bisher noch nicht auf Deutsch vor. Dank Panini Comics hat sich das geändert: In drei Bänden erscheint die komplette Serie, neu überarbeitet mit einem Vorwort von Miller und einer Einleitung von Gibbons.
Das Leben und Wirken der Martha Washington im 21. Jahrhundert
Martha Washington wird in einer dystopischen Welt der nahen Zukunft geboren. Sie wächst in einem abgeschirmten Ghetto von Chicago auf, aus dem es kein Entkommen gibt. Aber Martha ist keine, die so leicht aufgibt. Ihr Ehrgeiz und ihr Wille werden sie zur Heldin machen, die einem korrupten System die Stirn bietet, koste es, was es wolle. Ihr rasanter Aufstieg beginnt bei Pax, der amerikanischen Söldnerarmee, die immer dort zum Einsatz kommt, wo es gerade brennt. Gerade ist es der Urwald im Amazonas, der vor einer geldgierigen und rücksichtslosen Fast-Food-Kette geschützt werden muss, die über eine schlagkräftige Privatarmee verfügt und den Regenwald um jeden Preis abholzen will.
Unterhaltsame Polit-Satire…
Nachdem das Projekt des Dream Teams Miller/Gibbons beinahe gescheitert wäre, weil sich der Autor zu verbissen auf den politischen Inhalt konzentrierte, veranlasste ihn seine Zeichnerin Lynn Varley (300, Schreiber & Leser oder Cross Cult) dann doch dazu, noch die Kurve zu kriegen. Erweitert durch absurde und satirische Töne sprang dann auch Gibbons wieder mit Elan auf den Zug auf, der zum vollen Erfolg wurde. Das liegt zum einen an der rasanten und satirischen Erzählung und der Mischung aus Action und Gesellschaftskritik.
Zum anderen lag das auch an der Protagonistin Martha. Die Titelheldin vereint in sich alle negativen Vorzeichen und kämpft sich aus trotz zunächst aus ihrem elenden Ghetto. Aber wo eine Heldin, da auch ein Feind – in diesem Fall der skrupellose Lieutenant Moretti, der von Marthas Erfolg profitiert. Als genial ist das visionäre Zukunftsszenario Millers anzusehen. Die Parallelen zur gegenwärtigen Präsidentschaft von Barack Obama sind verblüffend und das ökologische Horrorszenario beängstigend real.
… und düstere Zukunftswelt
Ähnlich wie Alan Moore (The League of Extraordinary Gentleman, Panini Comics) spielt auch Miller mit der Verwendung von Zeitungsartikeln oder Zeitschriftencovern, die dem Leser ein gutes Gefühl für den Zeitgeist geben. Daneben erinnert die dystopische Atmosphäre auch stark an den SF-Kultautor Philip K. Dick (Blade Runner, Heyne), den Miller in Hard Boiled (Cross Cult) dann auch tatsächlich adaptiert hat. In Martha Washington ähneln die parapsychologisch begabten Schizophrenen auch stark an Dicks Propheten aus der Kurzgeschichte „Der Minderheiten-Bericht“ (Der unmögliche Planet, Heyne).
Gibbons überzeugt visuell, wie zuvor in Watchmen, mit einer eigenwilligen Alternativwelt, die jederzeit vorstell- und atmosphärisch spürbar ist. Innovative Einstellungen wie Vogelperspektiven sowie der ständige Wechsel der Panelgrößen sorgen für die passenden Bilder zu Millers Geschichte. Gibbons realistischer Strich sorgt für detailierte Gesichter, Hintergrunddarstellungen und Dynamik. Der Auftakt von Martha Washington ist nicht nur ein Meisterwerk der Science-Fiction, sondern des grafischen Erzählens überhaupt.
Frank Miller & Dave Gibbons: Martha Washington 1: Ein amerikanischer Traum. Panini, 2010. Softcover (mit Faltcover), 212 Seiten. Euro 19,95.
