
- Marvel Noir: X-Men - Panini Comics
Keine Mutantenkräfte, Prof. Xavier im Gefängnis und Eric Magnus als Polizeichef? In Marvel Noir: X-Men, der bei Panini Comics erschienen ist, steht die gewohnte Welt der Mutanten um Professor Charles Xavier Kopf! Der vielverspreche Autor Fred Van Lente präsentiert auf einfallsreiche Weise die X-Men in einer hard boiled Crime Noir-Geschichte, die im Amerika der 1940er angesiedelt ist. Der nicht weniger talentierte Zeichner Dennis Calero liefert dazu die passenden düsteren Bilder.
Die X-Men ohne Superkräfte
Van Lente verzichtet auf die üblichen Superkräfte der Mutanten und konzentriert sich auf die Crime Noir-Elemente. Magneto ist der lokale Polizeichef und nebenher Führer der Bruderschaft. Sein Sohn Peter muss zu dessen Entsetzen als angehender Ermittler die dunkle Seite seines Vaters erkennen. Sein erster Fall dreht sich um die Ermordung von Jean Grey, die als Wasserleiche angespült wird. Alles deutet auf die Begabtenschule von Prof. Charles Xavier. Der sitzt zwar bereits im Gefängnis, aber seine talentierten Schüler, die X-Men, operieren im Untergrund und werden zur Zielscheibe der Bruderschaft und der Polizei. Wäre da nicht der ungewöhnliche Privatdetektiv Angel, der sich auf die Suche nach der Wahrheit aufmacht.
Hommage an Alan Moore und Christopher Nolan
Van Lente versteht es auf grandiose Weise einen durchdachten und spannenden Crime Noir-Plot zu stricken, der sowohl von seinen Charakteren als auch von den verflochtenen Handlungssträngen lebt. Da stärt es auch nur wenig, dass er dabei eindeutig von seinen Vorbildern abgeschrieben hat. So erinnert nicht nur die Psychologisierung der Cape-Crusaders Angel an Alan Moores Watchmen. Auch der Anhang, der eine zusätzliche Pulp-Story aus dem fiktiven Magazin Scienti-Fiction enthält, gewahrt an den Superhelden-Klassiker.
Doch Van Lente bedient sich nicht nur bei Comicautoren. Er entpuppt sich auch als Kinofan. So hat er die Auflösung am Schluss eindeutig bei Christopher Nolans The Prestige abgekupfert und weitere kleine Zitate wie eine Tesla-Spule in seine Story eingebaut. Wie gesagt stört das aber nicht weiter, es sorgt bei dem wissenden Leser höchstens für ein Schmunzeln. Denn Van Lente macht daraus etwas Eigenes und beweist zu Recht, dass er zu den großen Newcomern der Branche gehört.
Düstere, schablonenhafte Wolkenkratzer und geniale Kolorierung
Caleros Bilder bestechen zunächst einmal durch eine düstere Ästhetik, was dem Genre geschuldet ist. Bei den Wolkenkratzern und der urbanen Umgebung könnte er eine Schablonentechnik verwendet haben und hier und da erinnert er überhaupt an die Street-Art beziehungsweise an Graffiti. Die Zeichnungen der Figuren sind realistisch und detailreich, die Farben glänzen durch knallige Effekte oder sind durch einen dunklen Schleier verdunkelt.
Marvel Noir: Spider-Man ist nicht schlecht, aber X-Men ist noch besser. Van Lente ist konsequenter und versteht es kompromissloser die Marvel-Figuren in die Welt des Crime Noir zu übertragen. Zudem ist auch die Ästhetik aus künstlerischer Hinsicht einfach einen Tick besser geraten. Die Fans dürfen sich jedenfalls auf die Wolverine-Ausgabe der Marvel-Noir-Reihe freuen. Wenn die Qualität weiter so steigt, dann ist der Erfolg der Reihe jedenfalls gesichert.
Fred Van Lente & Dennis Calero: Marvel Noir: X-Men. Panini Comics, 2010. Softcover (mit Faltcover), 124 Seiten. Euro 14,95.
