
- Marvels: Im Fokus der Kamera - Panini Comics
Eigentlich war Marvels: Eye of the Camera schon 2003 angekündigt, rechtzeitig zum 10-jährigen Jubiläum von Kurt Busieks (Astro City, Thunderbolts, Die Rächer, Conan) und Alex Ross’ (Superman, Batman, Kingdom Come) bahnbrechender Serie Marvels. Doch als klar wurde, dass der Termin nicht eingehalten werden konnte, beschloss Marvel nichts zu überstürzen – und das Warten hat sich gelohnt! Busiek hat diesmal den vielversprechenden Newcomer Jay Anacleto (Athena Inc., Spawn: Godslayer) zur Seite gestellt bekommen, der zwar in große Fußstapfen tritt, diese aber problemlos ausfüllen kann. Mit Marvels: Im Fokus der Kamera hat Panini Comics die kongeniale Fortsetzung ins Deutsche übertragen.
Marvels – eine Welt der Wunder
Im ersten Band dokumentierte Phil Aaron Sheldon noch das Entstehen des Marvel-Universums. Schrittweise hielt der Pressefotograf mit seiner Kamera Großereignisse von der Geburt der Fackel und ihrem ersten Kampf mit dem Sub-Mariner über das Erscheinen der Mutanten bis hin zum drohenden Untergang der Erde durch den Weltenverschlinger Galactus. Unermüdlich stärkte er das Vertrauen der Öffentlichkeit in die modernen Titanen. Bis zu dem Tag als Gwen Stacys tragischer Tod Phils Glauben erschütterte.
Im zweiten Band meldet sich der jüdische Fotoreporter zurück – mit den größten Ereignissen der Marvel-Geschichte, wieder aus der Perspektive des kleinen Mannes. Von der Geburt der neuen X-Men bis zu Secret Wars. Von Dracula über den Ghost Rider bis hin zum Punisher. Eine neue Generation moderner Mythen verwandelt das Marvel-Universum in einen gefährlichen, düsteren Ort. Doch dieses Mal wird Phils Welt nicht nur von Superhelden und Superschurken erschüttert. Sein Problem ist weit menschlicher und tödlicher – nur noch ein Wunder kann ihn retten.
Superhelden aus der Sicht des kleinen Mannes
Busiek erzählt die Geschichte aus Phils Perspektive. Dadurch baut er eine ungewohnte Distanz zu den Superhelden und den mit ihnen verbundenen spektakulären Großereignissen auf. Immer wieder wird auf diese Weise der öffentliche Diskurs über das Für und Wieder die kostümierten und/oder maskierten Verbrecherjäger und Weltenretter sichtbar. Die Rolle der Medien wird dabei genauso thematisiert wie die Meinung des einzelnen Bürgers. Dass damit auch Bezüge zur us-amerikanischen Innen- und Außenpolitik einhergehen dürfte klar sein.
Mit einer Mischung aus Nostalgie und Entwicklungsprozess blicken Phil und der Leser auf bekannte Großereignisse aus der bekannten Marvel-Geschichte. Daneben begleitet der Leser Phil auf höchst einfühlsame Weise seinen Weg durch seine schwere Krankheit, was man eher selten in Superheldencomics beziehungsweise in Unterhaltungsmedien überhaupt antrifft.
Fotorealistisches Artwork
Der fotorealistische Strich des philippinischen Comickünstlers Anacleto gemahnt zwar an Ross, doch kann er den Zeichnungen durchaus auch seinen eigenen individuellen Stempel aufdrücken. Neben dem beeindruckenden Realismus ist es vor allem die Detailverliebtheit, die seine herausragenden Bilder auszeichnen und sich stark von konventionellen Marvel-Publikatonen hervorheben.
Die geniale Kolorierung von Brian Haberlin, mit nuancierten Farben, vervollständigt die Anacletos Zeichnungen. Marvels: Im Fokus der Kamera ist ein Muss für jeden Marvel-Fan und Liebhaber von anspruchsvollen Superheldencomics. Der Band kann problemlos auch ohne Vorkenntnisse des ersten Bandes oder der vollständigen Marvel-Geschichte gelesen werden, weshalb der Sammelband auch für gelegentliche Superheldencomicleser bestens geeignet ist.
Kurt Busieks & Jay Anacleto: Marvels: Im Fokus der Kamera. Panini Comics, 2010. Softcover, 148 Seiten. Euro 16,95.
